Tanken wir Geschichte.


Sie hören auf charmante Namen wie Mecky, Sissy oder Conny – und sind so kurvig wie die Strecke von Krems nach Egelsee: Die Roller aus der Retro-Ecke des Motorradmuseums der Familie Kirchmayer. Die Roller aus den 50er Jahren, in denen das Grün mit einem Hauch Minze daherkam – und das Blau  zum Babydoll der (Bei-)Fahrerin passte.

Doch halt. Zurück zum Start. Ich geb euch nochmal kurz die Daten fürs Navi durch. Wir haben uns diesmal in Egelsee eingeparkt in der Ziegelofengasse. Ein paar Kurven nach Krems. Dort steht mitten im Ortszentrum das Motorradmuseum – und im Museum da stehen rund 160 Motorräder und Mopeds. Ein Ausflug in die Vergangenheit. Lernen wir Geschichte – anhand von Motoren, Schaltgetrieben und dem Wunsch nach Freiheit auf zwei Rädern.

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Ein Motorrad – das konnten sich Anfang des 20. Jahrhunderts nur ein paar wenige leisten. Der Bürgermeister. Vielleicht auch der Bauer und der Fleischhauer. Ja, das ist bewusst nicht gegendert. Das war’s dann aber auch schon. Autos? Nur etwas für die Superreichen. Den Rollern gab man elegante englische Namen wie „York“ oder „Smart“ , obwohl sie österreichische Produkte waren. Wusstet ihr, dass es schon damals Zubehör für die persönliche Note gab? Was also später der Fuchsschwanz auf der Autoantenne war, war in der Zwischenkriegszeit der Frosch oder der Salamander. Figuren, die einfach auf die Verblendung geklebt wurden.

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Nach dem 2. Weltkrieg dann der Boom in den 50er Jahren. Die große Zeit von Puch, Lohner, KTM. Die Zeit, in der großen Wert auf Formen und Farben gelegt wurde. Bevor die 60er kamen – und damit der Wunsch, das Motorrad gegen ein Auto einzutauschen. Die Zeit, in der Herbert Kirchmayer anfing zu sammeln. „Damals hat jeder sein Motorrad weggeschmissen. Jeder wollte ein Auto“, erzählt sein Sohn Christian, der das Museum heute betreibt. Der Sammlung des Vaters wuchs und wuchs. Zuerst im eigenen Haus. „Ich bin zwischen Motorrädern aufgewachsen. Alles voller Motorrad-Sachen, irgendwann auch das Wohnzimmer. Dann hat unsere Mutter gesagt „Die Motorräder oder ich“, so Martin, der andere Sohn. Geworden ist es ein Kompromiss. Eine Scheune in Egelsee, die Zug um Zug zum Museum ausgebaut worden ist. Und in der es heute neben den Motorrädern auch ganz viel andere Sachen für Retro-Fans zu entdecken gibt. Eine riesige Radio-Sammlung. Werbung und Reklame. Nummernschilder. Weiß-der-Teufel-Was.

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Christian winkt aus der Vergangenheit rüber.

Was der Unterschied ist zwischen einer Maschine von damals und von heute? Wie fährt sich so ein Ding aus den 20er Jahren, frage ich – voller Neugier, aber auch mit einer gehörigen Portion Respekt. Schließlich spielt sich bei mir unter 4 Rädern rein gar nichts ab. „Im Prinzip funktioniert alles gleich. Nur sind moderne Motorräder sehr viel exakter. Deshalb gehen sie auch 200 km/h. Eine Maschine von damals schafft höchstens 100. Wobei: Wirklich gemütlich ist es mit einem 70er“, erzählt Christian. Der restauriert die Motorräder übrigens auch selbst. 400-500 Stunden Arbeit stecken in einer Komplettrestaurierung. Heißt: von ein paar rostigen Fragmenten bis zum funktionstüchtigen fahrbaren Untersatz.

Und wo fährt man dann am besten hier in der Gegend, frage ich die Profis. „Zum Beispiel von Spitz nach Mühldorf – da ist sehr wenig Verkehr, eine schöne Strecke!“.

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Motorrad-Museum Egelsee: Fam. Kirchmayer. A-3500 Krems-Egelsee. Ziegelofengasse 1
Telefonnummer: +43 2732 41424. E-mail: motorrad-museum@aon.at

Geöffnet nach telefonischer Voranmeldung – die ist aber sehr unkompliziert und oft geht’s auch ganz spontan. Also los!

 

 

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