Das Beste kommt davor.

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Amuse-Gueules im Forum Frohner

Das Forum Frohner ist der stille Star der Kremser Kunstmeile: kleiner Rahmen für große Kunst-Momente. Umso konzentrierter. Amuse-Gueules statt extralanger Menüfolge.

Less is more.

Das „Less“ hört sich nach Verzicht an. Die aktuelle Ausstellung „Fotografie+Malerei!“ schöpft aus dem Vollen: dem fotografischen Nachlass von Adolf Frohner.

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Dr. Elisabeth Voggeneder, künstlerische Leiterin des Forum Frohner

„Ich wühle ständig in Kisten“

Das sagt Elisabeth Voggeneder, künstlerische Leiterin des Forum Frohner. Schließlich geht es darum, das vielseitige Werk des Künstlers immer wieder in Beziehung zu setzen – aktuell zu Werken von Heinz Cibulka, Andreas Dworak, Gerhard Kaiser, Michael Part, Wolfgang Raffesberg, Arnulf Rainer und Fritz Simak.

Die Ausstellung konzentriert sich auf die fotografischen Arbeiten von Frohner. Und da geht es um die Schönheit im Alltäglichen. Aber auch um das Wechselspiel zwischen Fotografie und Malerei, um das Kombinieren von Medien, was in den 60er Jahren noch pure Avantgarde war.

Was wieder denken lässt. Wie schnell sich doch alles dreht. Gerade jetzt. Wieder.

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„Immer wenn ein neues Medium in der Gesellschaft gebracht wird, ändert sich die Wahrnehmung“

War es früher die Fotografie, die neu war. Neu als künstlerisches Medium war, so ist gerade wieder alles in Umbruch. Social Media.

Auch deshalb finden sich in der Ausstellung jüngere künstlerische Positionen. Elisabeth Voggenender geht es darum, verschiedene Sichtweisen auf das Thema Fotografie+Malerei! zu zeigen. Auch um Adolf Frohners Wunsch gerecht zu werden, dass das Forum ein offenes Haus sei und nicht „nur“ seine Werke zeige.

Museum ist wie Mausoleum. Adolf Frohner

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Ganz lebendig. So kommt die Ausstellung Fotografie+Malerei! daher. Ein guter Grund, sich (wieder) einmal das Forum Frohner anzueignen. Einige Happen zu nehmen.
Amusement für den Kopf. Variationen fürs Denken. Das Beste kommt davor.

Forum Frohner
Minoritenplatz 4
3500 Krems-Stein
+43 2732 908010

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr
Die Ausstellung Fotografie+Malerei! ist bis 7. April 2019 zu sehen.

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Tanken wir Geschichte.

Sie hören auf charmante Namen wie Mecky, Sissy oder Conny – und sind so kurvig wie die Strecke von Krems nach Egelsee: Die Roller aus der Retro-Ecke des Motorradmuseums der Familie Kirchmayer. Die Roller aus den 50er Jahren, in denen das Grün mit einem Hauch Minze daherkam – und das Blau  zum Babydoll der (Bei-)Fahrerin passte.

Doch halt. Zurück zum Start. Ich geb euch nochmal kurz die Daten fürs Navi durch. Wir haben uns diesmal in Egelsee eingeparkt in der Ziegelofengasse. Ein paar Kurven nach Krems. Dort steht mitten im Ortszentrum das Motorradmuseum – und im Museum da stehen rund 160 Motorräder und Mopeds. Ein Ausflug in die Vergangenheit. Lernen wir Geschichte – anhand von Motoren, Schaltgetrieben und dem Wunsch nach Freiheit auf zwei Rädern.

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Ein Motorrad – das konnten sich Anfang des 20. Jahrhunderts nur ein paar wenige leisten. Der Bürgermeister. Vielleicht auch der Bauer und der Fleischhauer. Ja, das ist bewusst nicht gegendert. Das war’s dann aber auch schon. Autos? Nur etwas für die Superreichen. Den Rollern gab man elegante englische Namen wie „York“ oder „Smart“ , obwohl sie österreichische Produkte waren. Wusstet ihr, dass es schon damals Zubehör für die persönliche Note gab? Was also später der Fuchsschwanz auf der Autoantenne war, war in der Zwischenkriegszeit der Frosch oder der Salamander. Figuren, die einfach auf die Verblendung geklebt wurden.

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Nach dem 2. Weltkrieg dann der Boom in den 50er Jahren. Die große Zeit von Puch, Lohner, KTM. Die Zeit, in der großen Wert auf Formen und Farben gelegt wurde. Bevor die 60er kamen – und damit der Wunsch, das Motorrad gegen ein Auto einzutauschen. Die Zeit, in der Herbert Kirchmayer anfing zu sammeln. „Damals hat jeder sein Motorrad weggeschmissen. Jeder wollte ein Auto“, erzählt sein Sohn Christian, der das Museum heute betreibt. Der Sammlung des Vaters wuchs und wuchs. Zuerst im eigenen Haus. „Ich bin zwischen Motorrädern aufgewachsen. Alles voller Motorrad-Sachen, irgendwann auch das Wohnzimmer. Dann hat unsere Mutter gesagt „Die Motorräder oder ich“, so Martin, der andere Sohn. Geworden ist es ein Kompromiss. Eine Scheune in Egelsee, die Zug um Zug zum Museum ausgebaut worden ist. Und in der es heute neben den Motorrädern auch ganz viel andere Sachen für Retro-Fans zu entdecken gibt. Eine riesige Radio-Sammlung. Werbung und Reklame. Nummernschilder. Weiß-der-Teufel-Was.

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Christian winkt aus der Vergangenheit rüber.

Was der Unterschied ist zwischen einer Maschine von damals und von heute? Wie fährt sich so ein Ding aus den 20er Jahren, frage ich – voller Neugier, aber auch mit einer gehörigen Portion Respekt. Schließlich spielt sich bei mir unter 4 Rädern rein gar nichts ab. „Im Prinzip funktioniert alles gleich. Nur sind moderne Motorräder sehr viel exakter. Deshalb gehen sie auch 200 km/h. Eine Maschine von damals schafft höchstens 100. Wobei: Wirklich gemütlich ist es mit einem 70er“, erzählt Christian. Der restauriert die Motorräder übrigens auch selbst. 400-500 Stunden Arbeit stecken in einer Komplettrestaurierung. Heißt: von ein paar rostigen Fragmenten bis zum funktionstüchtigen fahrbaren Untersatz.

Und wo fährt man dann am besten hier in der Gegend, frage ich die Profis. „Zum Beispiel von Spitz nach Mühldorf – da ist sehr wenig Verkehr, eine schöne Strecke!“.

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Motorrad-Museum Egelsee: Fam. Kirchmayer. A-3500 Krems-Egelsee. Ziegelofengasse 1
Telefonnummer: +43 2732 41424. E-mail: motorrad-museum@aon.at

Geöffnet nach telefonischer Voranmeldung – die ist aber sehr unkompliziert und oft geht’s auch ganz spontan. Also los!

 

 

Der Senf zum Senf.

Kremser Senf gibt’s seit rund 500 Jahren. Jetzt kann man ihn in der Stadt auch verkosten.

Kremser Senf kommt aus Krems. Eh klar, oder? Also wer auf regionale Produkte steht und auf der Suche nach dem wahren Geschmack der Stadt ist, sollte ins museumkrems schauen. Dort kann man Kremser Senf verkosten, mehr über das Produkt erfahren – und nebenbei noch ein paar sehr interessante Geschichten über die Stadt mitnehmen.

Für die, die sofort zum Senf abbiegen: Hier der Link zur Buchung. Verkostungen gibt’s für Gruppen. Auf Deutsch oder Englisch. Bitte vorher Termin vereinbaren.

Auch ich hab die Führung mitgemacht. Was nun folgt ist also der persönliche Senf zum Senf. Und da hatte ich Glück. Denn ich war mit Museumsdirektor Franz Schönfellner unterwegs – und der hatte sehr viele sehr nette Geschichten auf Lager. Zum Beispiel diese: Dass der Kremser Senf mit Wein zu tun hat. Sympathisch. Früher – also so vor rund 500 Jahren – waren Fässer nämlich besonders teuer. Und wenn zuviel Wein, dann Problem. Wohin mit dem restlichen Most? Jawoll. Die Antwort liegt in der Tube, äh auf der Hand. Mit dem überschüssigen Most machten die Kremserinnen und Kremser dann einfach Senf. Et voilà: Der süße Kremser Senf war geboren.

Heute ist in der Tube kein Most mehr drin, sondern Essig. Gut schmeckt er trotzdem, find ich. Besonders zum Frankfurter. „Oder zum Leberkäs samt Schmidl-Laberl„, so der Tipp vom Museumsdirektor.

Bei der Senfverkostung kostet man sich durch fünf verschiedene Sorten Senf der Firma Mautner-Markhof. Darunter eben auch der „Original Kremser Senf“. Damit man die Geschmacksknospen nicht komplett verwirrt, kann man zwischendurch mit einem Glas „Lössterrassen“ des Weingut Stadt Krems neutralisieren. Das ist – neben Würstel, Brot & Gebäck – bei der Senfverkostung dabei. Gute Kombi.

Das Schöne ist: Dass man im Museum nebenbei viele spannende Geschichten serviert bekommt. Die sind auch für Einheimische interessant. Weil man draufkommt, dass man noch soooo viele Seiten seiner Stadt nicht kennt. Und auch das Gebäude selbst – früher ein Kloster – hat viele tolle Ecken.  Diese Fassade im Innenhof. Der alte Keller mit den „Hasen“ von St. Michael. Der Blick im ersten Stock auf die Kirchtürme der Stadt.

Im Keller gibt’s dann auch mehr zum Thema Senf. Zum Beispiel über die Firma Hietzgern, die hat den Kremser Senf über die Grenzen der Monarchie hinaus bekannt gemacht. Export-Schlager im 19. Jahrhundert. Oder auch die Info, wie man Senf macht. Dafür braucht’s nämlich nur Senfmehl, Wasser und Gewürze. Wer lieber den fertigen Senf verarbeitet, für den gibt’s ein Rezept der Kremser Wirtin Ulli Amon-Jell:

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Und hier auch noch ein der Link zum LUST AUF KREMS-Aufstrich-Rezept. Da ist auch jede Menge Kremser Senf drin.

Aber STOPP! Bevor ihr gleich in die Küche abbiegt, kommt noch ein letzter Tipp. Es gibt nämlich noch eine Senfkreation in der Stadt, die ihr kosten solltet. Die Burschen der VEIT Bar verkochen und verkaufen den „Scharfen Kremser“. Ein Spezialsenf, der für den Rugby Club Krems entwickelt wurde. „Statt Wimpel. Weil wir alle so schoarf sind“. Eh klar. Die Mischung aus süßem und scharfem Senf passt perfekt zur Käsekrainer. Aber auch gut ins Salatdressing. Und wer ein Glas kauft, unterstützt dabei auch noch den Rugby Club. Na bitteschön. Senf für die gute Sache. Noch besser!