Die, die mit Blumen malt.

Elisabeth Reiter züchtet Bio-Blumen am Emilienhof

Flaniert man freitags am Kremser Bauernmarkt, dann fällt einer auf. Ein Stand, der besonders leuchtet. Jetzt gerade in den satten Farben des beginnenden Herbstes.

Am Stand des Emilienhofs verkauft Elisabeth Reiter ihre Bio-Blumen. Außergewöhnliche Sträuße in unterschiedlichen Größen und Buntheits-Graden. Von einfärbig bis nuanciert, Hauptsache sie sind immer etwas Besonderes. Und manche von ihnen sind sogar essbar!

„Ich mache auch Sträuße aus essbaren Blüten. Das finden die Kleinen besonders lustig, wenn sie den einfach verputzen können.“

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Dreht man die Uhr 24 Stunden zurück, dann findet man Elisabeth auf ihrem Feld im Eisengraberamt bei Gföhl. Dort bewirtschaftet sie einen Hof gemeinsam mit ihrem Mann Leopold. Und genau dort wachsen die vielen Sorten Blumen, die sie von Mai bis Oktober am Markt in Krems verkauft. Jeden zweiten Samstag steht Elisabeth auch am Slow Food Markt in Horn, wo sie zusätzlich viele schöne Kränze  im Gepäck hat.

Donnerstag ist der Tag der Tage. Da heißt’s Blumen schneiden und Sträuße binden. Rund 50 können das schon werden, also keine Zeit verlieren. Obwohl: Für ein gutes Gespräch nimmt sich Elisabeth gern Zeit. Dazu ein Glas frischer Ribiselsaft. Natürlich vom eigenen Hof.

„Sträuße binden – das ist wie Malen mit Blumen.“

Gelernt hat Elisabeth eigentlich Schneiderin. Auch deshalb kann sie so frei ans Werk gehen. Weil sie Floristik eben nicht gelernt hat. „Wenn man etwas nicht professionell gelernt hat, entwickelt man oft ganz kreative Lösungen um ans Ziel zu kommen. Beim Blumen-Binden habe ich keine Regeln im Kopf, wie ein Strauß denn zu sein hat. Da kann ich ganz aus dem Bauch heraus arbeiten.“

Obwohl: So ein paar Regeln gibt’s da schon. Nämlich die mit den ungeraden Zahlen. Ein Strauß mit zwei oder vier Dahlien? Geht gar nicht! „Ungerade Zahlen sind viel ansprechender, spannender. Das ist übrigens eine Parallele zum Nähen. Oder könntest du dir eine Weste mit vier Knöpfen vorstellen?“

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Elisabeths Blumen sind bio. So wie die Zwetschgen, Äpfel, Birnen und Kräuter, die sie gerade erntet. Konventioneller Anbau, den kann sie sich gar nicht vorstellen. „Für mich ist die Bio-Landwirtschaft eigentlich die natürliche. Ich finde es komisch, dass man das extra deklarieren muss. Eigentlich sollte auf konventionellen Produkten stehen, was da alles drin ist.“

Hendln & Yogakurse

Was Elisabeth im Winter macht? Dann geht sie vielleicht das Projekt Hendln an. Die Stückzahl am Emilienhof soll ausgebaut werden. Die aktuelle Besetzung legt nicht genug Eier, um sie auch am Markt zu verkaufen. Vielleicht kommt irgendwann auch ein neues Glashaus dazu, um die Saison zu verlängern. Auf jeden Fall gibt Elisabeth wieder Yoga-Kurse im Begegnungszentrum in Gföhl.

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Emilienhof
Elisabeth und Leopold Reiter, 3542 Eisengraberamt 60, Telefon 0664/4786228, office@emilienhof.net

Ab-Hof-Besuche nach telefonischer Rücksprache möglich. Auf Bestellung können die Blumen auch am Hof abgeholt werden.

Blumenverkauf von Mai/Juni bis Oktober:

  • Immer freitags von 8 bis 12 Uhr am Bauernmarkt, Dreifaltigkeitsplatz in Krems
  • jeden zweiten und vierten Samstag im Monat von 9 bis 13 Uhr am Slow Food Markt, Hauptplatz Horn

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Die Rollen des Lebens

Mautern ist aus mindestens zwei Gründen ein guter Ort: Weil Dominik Gruber der Bücherei neues Leben einhaucht. Und weil’s dort die absolut besten Schaumrollen der Welt gibt.

Steht man in Mautern am Rathausplatz, was eher ein Rathaus-Eck ist, hat man zwei gute Optionen vor sich. Man kann sich gleich eine dieser Schaumrollen, die geschmacklich die Welt bedeuten, holen in der Konditorei Krenn. Oder man besucht Dominik Gruber in der Stadtbücherei Mautern. Die hat er neu übernommen. Frisches Blut für alte Mauterner Mauern, sozusagen. Ein Jugendtraum, der da in Erfüllung geht, erzählt Dominik. „Ich war schon als Kind in der Bücherei, bin hier so richtig zum Lesen gekommen.“ Er bringt viel Erfahrung mit für diesen Nebenjob, der eigentlich Herzensangelegenheit ist. Rolle des Lebens? Vielleicht etwas zu pathetisch. Geht aber in die Richtung.

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Die Pläne sind groß. Dominik Gruber will die Mauterner wieder mehr in die Bücherei holen, auch Lesungen soll es in Zukunft geben. „Es kommen viele Kinder und Pensionisten zu uns. Aber kaum Erwachsene im mittleren Alter“, erzählt er. Dabei ist das Angebot gut – über 3.000 Bücher gibt’s zu entdecken, schätzt er. Plus auch immer die Neuigkeiten – wenn zwei bis drei Leute nach einem gewissen Titel fragen, bestellt er ihn.

Hinlegen statt reinstellen.

Wie er ausgewählte Bücher präsentiert, daran merkt man, dass Dominik Gruber vom Fach ist. Buch flach hinlegen statt ins Regal stellen, so lenkt man Aufmerksamkeit. Der gelernte Buchhändler nimmt viele Jahre Erfahrung mit in die Bücherei. Er hat bei ganz Großen gearbeitet wie Thalia, auch für einige Zeit einen kleinen Buchladen im Ersten in Wien geführt. Seine guten Kontakte nützt er jetzt für die Bücherei: „Meine Bekannten sagen mir, was gerade im Kommen ist in Bereichen, in denen ich nicht so firm bin. Zum Beispiel für unseren Kinderbereich.“

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Zwei bis drei Titel in der Woche liest er durchschnittlich. „Beruflich“. Damit er den Kundinnen und Kunden vieles empfehlen kann.

Nach einem Besuch in der Bücherei kann ich übrigens eine Stärkung in der Konditorei Kenn empfehlen. Dort werden sie handgemacht, die absolut besten Schaumrollen, die ich kenne. Der Teig in der absoluten Balance zwischen knusprig und mollig-weich. Der Schaum seidig, ohne zuckerbombig zu sein. Auch Dominik Gruber holt sich hier übrigens immer wieder mal Schaumrollen auf dem Nachhause-Weg. Schließlich sind sie ja Nachbarn, da am Mauterner Rathausplatz.

Gute Rollen-Verteilung.

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Schaubackstube Krenn & Café Maria
Rathausplatz 3, Mauern an der Donau
MO, DI, DO, FR 7.30 – 18.00
SA 8.00 – 18.00, SO u. Feiertag 9.00 – 18.00, kein Ruhetag

Stadtbücherei Mautern
Rathausplatz 1
3512 Mautern
Dienstag 16-18 Uhr sowie Donnerstag 17-19 Uhr.

 

Ran an die Eier.

Eierlikör by Hellerschmid. Hier wird noch richtig Hand angelegt.

Mitten in Krems, da werden alle paar Wochen tausende Eier geliefert. Ausgepackt. Zerschlagen. Und das per Hand. Denn nur so gelingt es, dass der Eierlikör von der Destillerie Hellerschmid auch so cremig schmeckt. Probiert hätten sie es ja schon. Mit Dotter aus dem Packerl, so wie die Konkurrenz oft arbeitet. Billiger, einfacher. Aber: „Das war eine Katastrophe – abgesehen davon, hat man keine Ahnung woher die Eier kommen“, erklärt Bernhard Hellerschmid. Die Freilandeier für seinen Eierlikör kommen aus Perersdorf bei St. Pölten, die Milch von Hiegesberger. Und viel mehr braucht es dann auch nicht – Zucker, Wasser und ein bissl Geheimnis.

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Der Seniorchef trennt das Gelb vom Weiß.

Und natürlich: Etliche flinke Hände, die den Dotter vom Eiweiß trennen. Denn nur das Gelbe vom Ei kommt in den Likör. Das Eiweiß wird an Konditoreien in der Umgebung geliefert. Es kann also sein, dass daraus eine dieser herrlichen Schaumrollen der Backstube Krenn wird. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das Gelbe von 22.000 Eiern

Die flinken Hände gehören im Hellerschmid’schen Fall den Senior-Chefitäten und den Schwiegereltern. „Die Eltern freuen sich, wenn sie hier wieder mal zum Plaudern kommen“, sagt Bernhard. Nebenbei befreien sie rund 22.000 Eier vom Eiweiß.

Die Dotter kommen dann in den Keller. Dort riecht es schon herrlich nach Zucker und Vanille. Wo sind die Kipferl?

Hier bereitet Bernhard Hellerschmid alles vor – das Grundgemisch aus Milch, Zucker, Wasser. Bloß nicht zu schnell. Auch beim Eierlikör gilt: Slow hands! Bis er fertig ist, der Likör vergeht also noch ein bissl Zeit. Dann kommt noch der Weinbrand dazu. Vielleicht  am Schluss auch noch Mohn oder Marillen-Destillat. Für die Spezialkreationen aus dem Hause Hellerschmid.

„Wenn du irgendwo im Supermarkt einen Mohn-Eierlikör siehst, dann ist er von mir“.

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Gleich kommen tausend Dotter. Bernhard Hellerschmid bereitet alles vor.

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Aber nicht nur Eier verarbeitet der Hellerschmid. DAS Produkt ist ja eigentlich die Marille. Daraus macht er Brand, Schnaps, Likör. Das Bild am Etikett – die bedächtig lächelnde Dame mit Goldhaube – stammt übrigens noch aus den 60er Jahren. Es ziert noch immer Büro und Schnapsflaschen. Darauf ist man stolz.

„Wir Schnapsbrenner sind nicht sehr empfänglich für Neuerungen. Wir machen viele Dinge, weil wir sie eben immer schon so gemacht haben“, sagt Bernhard Hellerschmied. Ja, eine Nuance Ironie war dabei. Gut so!

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Hellerschmids Eierlikör steht übrigens auch im Supermarkt – im Gewand von Billa Corso und Merkur Premium. Warum die Leute neuerdings wieder so viel Eierlikör tschechern? Vielleicht hilft ja ein Schluck dieser cremigen Nostalgie gegen viele Unsicherheiten. Und schmecken tut’s auch. Viva la crema!

Missongasse 33, 3500 Krems an der Donau
Tel.: 02732 831 84
info@hellerschmid.com

Geschäft am Steiner Tor

Obere Landstraße 36, 3500 Krems
Tel.: 02732 762 57
E-Mail: steinertor@hellerschmid.com