18 Schritte bis zum Schatz

Musiklehrerin Julia Kainz hat vielseitige Tricks auf Lager, um ihre Schüler zum Üben zu begeistern. Ein Besuch in der Musikschule Krems.

Sie wusste schon mit 14, dass sie Musiklehrerin werden will. Da hatte sie bereits drei Instrumente gelernt. „Die Blockflöte ist mir abhanden gekommen – aber Geige und Klavier spiele ich noch immer“, erzählt Julia Kainz. An der Musikschule Krems unterrichtet sie Geige und Bratsche. Zwischen sieben und zehn Schüler kommen da pro Tag zu ihr. Hört sich nach einem anstrengenden Programm an. Julia Kainz absolviert es mit absoluter Ruhe und Freude, ganz konzentriert auf den jeweiligen Schüler oder die Schülerin. „Jeder lernt anders – viele gut durch Bilder. Oder durch Imitation. Manche brauchen wieder sehr technische Anweisungen.“ Das Alter der Schützlinge ist bunt gemischt. Die Jüngste ist Fünf, der Älteste „irgendwo zwischen 40 und 50“, lächelt die Musiklehrerin. Erwachsene gehen oft kopf-lastiger ans Instrument heran. Wer eine musikalische Karriere starten will, sollte überhaupt so früh wie möglich anfangen – am besten vor dem 10. Lebensjahr. „Da sind die Sehnen und Muskeln noch sehr geschmeidig und man muss noch nicht so viel nachdenken in Sachen Schule.“

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Üben ist wie Zähneputzen

Nun zur brennendsten Frage (vieler Eltern). Wie schafft man’s, dass die Kinder regelmäßig üben, lange Spaß am Instrument haben? „Ich nenne das gute Übe-Hygiene. Üben sollte ganz automatisch in Tag integriert sein. So wie Abendessen oder Zähneputzen.“. Wobei auch das nicht immer funktioniert. In diesen Fällen greift Julia Kainz zur Trickkiste. Besser: Schatzkiste. „Dann habe ich hier eine Schatzkarte und nach jedem Mal Üben gibt’s einen Fußabdruck draufgestempelt. In 18 Schritten ist man beim Schatz. Da darf man sich aus meiner Kiste etwas aussuchen.“ Alter Piraten-Trick. So geht das also.

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Zwischen Kammermusik und Gothic-Festival

Musiklehrerin Julia Kainz versetzt mit ihrer Geige viele Welten in Schwingung: In der Musikschule und in verschiedenen Ensembles. Zum Beispiel mit Taksim Oriente oder Andyra. Zweites ist eine Mittelalter-Fantasy-Band, die Julia Kainz bis zum Wave-Gotik-Treffen nach Leipzig führt. Dazwischen auch Auftritte in Krems – beim Osterfestival IMAGO DEI oder mit dem Kremser Kammerorchester. Vielseitig, die musikalischen Welten von Julia Kainz. Da kann man vieles lernen!

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Musikschule Krems, Hafnerplatz 2, 3500 Krems
Tel. +43 (0) 27 32 / 801 365
E-Mail musikschule@krems.gv.at

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Der Stammtisch und die Spielwiese.

Ganz Niederösterreich ist vom Wirtshaussterben bedroht. Ganz Niederösterreich? Nein! Ein von einer unbeugsam engagierten Familie geführtes Wirtshaus in Senftenberg hört nicht auf Widerstand zu leisten. Kommt mit zum Schlapfnwirt. Da ist jetzt Musikantenstammtisch. So wie jeden zweiten Samstag im Monat. Dazu gibt’s ein paar gute Achteln und frisch gezapftes Bier. Los geht’s!

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Stopp. Rückspultaste. Der Schlapfnwirt ist eigentlich kein klassisches Wirtshaus. Vielleicht ist ja auch das ein Erfolgsgeheimnis. Offen hat er nämlich nur abends und am Sonntag zum Frühschoppen. Essen gibt’s ganz reduziert, heute saure Sulz. Richtig gekocht wird zu besonderen Anlässen. Die Gans im November. Das Schwein beim Sautanz jeden letzten Donnerstag im Monat. Daneben und dazwischen viele Veranstaltungen, an denen nicht nur ausgelassen gekocht, sondern auch vorzüglich gefeiert wird. Next big thing: Wintersonnenwende am So, 20. Dezember.

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Steht es euch mit ihnen gut: Oliver und Günther schenken heute ein.

Das Wirtshaus ist eng mit der Familie Braun verbunden. Vielleicht Erfolgsgeheimnis Nummer Zwei. Jedes Familienmitglied trägt einen Teil bei. Der Vater macht den Hauswein und sitzt am Akkordeon – Entschuldigung – der Quetschn. Die Mutter steht in der Küche und macht … ja was eigentlich?  „Schickimicki kann ich nicht. Ich koch‘ Hausmannskost“. Sohn Günther korrigiert: „Mama, das ist keine Hausmannskost. Das ist verfeinerte Wirtshausküche“. Gut, nehm’ma das! Egal, wie man’s definiert, es schmeckt wunderbar.

Was einen guten Wirt ausmacht, frage ich Günther, einen von fünf Brüdern. Alle haben andere Brotberufe, aber für die meisten ist das Wirtshaus eine Spielwiese, auf der sie was ausprobieren, miteinander schöne Feste auf die Beine stellen können. „Ein guter Wirt lässt den Gast nicht ang’lehnt, geht ihm aber trotzdem nicht auf die Nerven. Wirt sein heißt zuhören – was ich schon für G’schichten gehört habe. Aber es gilt: Die Verschwiegenheitspflicht des Wirtes geht über die des Pfarrers oder des Arztes.

Wirtshaus. Seismograph. Vielleicht kriegt man an so einem Abend am Stammtisch mehr über allgemeine Gemütszustände mit als in der Zeitung oder durch quantitative Umfragen. Da lernt man einerseits, dass viel von Eigeninitiative abhängig ist, wenn man was auf die Beine stellen will. Da geht’s aber auch um Themen, die nachdenklich machen. „Das klassische Politisieren im Wirtshaus gibt es nicht mehr. Das hat sich radikalisiert, ist in eine depressive Grundstimmung gekippt. Und irgendwie hat die Alltagsraunzerei, die uns Österreichern ja als Charaktereigenschaft zugeschrieben wird, nichts mehr Charmantes …“, sagt der Wirt.

Mmh. Trotzdem: Die Institution Wirtshaus ist was Gutes. Was, wenn’s das nicht geben würde? Wenn’s richtig funktioniert, schafft es das Wirtshaus nämlich, dass Alt und Jung an einem Tisch sitzen. Dass die Leute miteinander reden. Und das ist zumindest eine Basis. Und das geht beim Schlapfnwirt besonders gut.

One more thing. Das Über-Drüber-Ding kommt nämlich jetzt. Ich habe versucht, Frau Braun das Rezept ihrer legendären „Gummler“, der Erdäpfelknödel, abzuluchsen. Vergesst Gramm und Deka. Ihr kocht so ein Reindl Erdäpfel wie auf dem Foto da unten. Presst sie heiß – wirklich  heiß! – und vermischt sie mit einem Packerl Erdäpfelmehl, einer Handvoll griffigem Mehl und ein bissl Salz. Knödel Formen, in Mehl wälzen, ab zum Schwimmkurs. 20 Minuten. Mahlzeit!

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Schlapfnwirt, Unterer Markt 44, 3541 Senftenberg.
Öffnungszeiten: Di-Sa ab 18 Uhr, So 10-12 Uhr.
Aktuelle Veranstaltungen auf der facebook-Seite.

 

 

 

Man röstet nur mit dem Herzen gut.

Bernd Salat macht seine Musik so wie seinen Kaffee – mit dem Bauch und mit Gefühl. Jeden Montag röstet er bei den Beyers in Stein seinen Salatkaffee.

Ich hab den 25-Jährigen im Cimbalino am Campus Krems getroffen. Auf keinen Kaffee. Eigentlich nur für ein schnelles Foto – das Interview hätten wir ja schon per E-Mail erledigt gehabt. Aber irgendwie hört man dem Bernd gern zu. Weil er so anders erzählt als viele. Viele Dinge anders sieht als die meisten. Weniger Angst hat als alle anderen.

Bernd Salat | www.lustaufkrems.com

Bernd Salat | www.lustaufkrems.com
Bernds Rohstoff Rohkaffee.

Mit 17 die Entscheidung die Schule Schule sein zu lassen. Um Musik zu machen. Das große Gefühl der Freiheit. Straßenmusik in der Kremser Landstraße.  „Ich bin da vor dem Spar gestanden, hab mit geschlossenen Augen einen Song von Leonhard Cohen gesungen. Plötzlich singt eine 70-jährige Dame mit mir – und schenkt mir 10 Euro und eine Wachauer Schnitte“. Irgendwie fast ein bissl zu romantisch, denkt man sich. Aber Bernd erzählt mit so einer Begeisterung, dass das schon wieder passt.

Erdige Meeresmusik. Sagt er über seine Songs. Heute hört man sie nicht mehr in der Landstraße, sondern seine Band „Beau“ auf Ö3. Ein Song aus seinem Soloprojekt hat es auf die FM4 Soundselection geschafft. Ein sehr schöner, wie ich finde:

Aber zurück zum Kaffee. Um den geht’s jetzt.

Eins, zwo, Interview!

Ich röste, also bin ich. Was ist das Schöne an dem Beruf?
Ums ganz einfach auszudrücken, ist es die Freiheit, das Meditative, das das Kaffeerösten für mich so spannend macht.

Was hat dein Kaffee mit Krems (mit der Gegend) zu tun?
Ich bin nur durch die Herzlichkeit der Familie Beyer zum Kaffeerösten gekommen. In ihrer von den Jahren gezeichneten Greisslerei zu stehen, den Blick auf die Donau gerichtet, und den leisen Tönen des ersten Cracks zu lauschen ist Idylle. Kaffeerösten passt einfach so gut in die Kremser Landschaft.

Das beste Kaffeehaus der Welt?
Ist für mich überall dort, wo ein stimmiges Gefühl einkehrt. Ich könnte stundenlang am Markt in Barcelona stehen und einen Espresso nach dem anderen schlürfen. Nicht weil der dort so gut oder so günstig ist, nein, weil die Athmosphäre einfach genial ist.

Zu einem guten Kaffee passt am besten …
Andre Heller und ein Stueck 85%ige Zartbitterschoko.

Dein Tipp für einen guten Kaffee zuhause …
Fuer alle Nicht-Freaks, die keine Siebträgermaschine zuhause haben: Frisch gerösteten Kaffee, frisch mahlen und dann entweder filtrieren oder mit der altbewährten Bialetti-Kanne zustellen. Das ist einfach, günstig und schmeckt.

Krems. Kaffeehauptstadt Europas. Klingt …
als hatte ichs letzte Nacht geträumt.

Bernd Salat | www.lustaufkrems.com

Bernds Kaffee könnt ihr im Kaffee Campus Krems oder in der Labstelle in Wien kaufen. Oder ihr bestellt ihn via crema@salatkaffee.com.

Mehr über Bernd und seine Musik gibt’s auf http://berndsalat.com