Paradies der Paradeiser.

Bei den Vielfaltsgemüsebauern vom Fermentarium.

„Das ist die Tanja, die hat eine glatte Schale“, erklärt Rudi Hoheneder. Und die Tanja ist nur eine von vielen. Rudi kümmert sich um alle. Rund 20 Paradeis-Sorten baut er auf dem Feld in Oberstockstall an.

Bei den Paradeisern schöpft er gern aus den Vollen: „Meine Kunden lieben die Vielfalt. Die gelben und violetten, die länglichen und die runden. Heuer baue ich auch eine rumänische Fleischtomate im großen Stil an, da suche ich noch Tomaten-Paten“, erzählt Rudi. Wer also Mama der „Mamachi“ werden will – Papa geht natürlich auch – sollte sich bald bei Rudi melden. Geerntet wird im August und September. Wenn der Schützling reif ist, bekommt man von Rudi eine Nachricht und kann die Früchte vom Feld holen.

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1 Feld, 100 Sorten

Jetzt aber ist noch Arbeit angesagt. Jeden Tag ausgeizen. „Damit die Energie nicht in die Blätter, sondern in die Früchte geht“, erklärt Greti Mayer. Gemeinsam mit Rudi Hoheneder steht sie hinter dem Verein Fermentarium. Und der liefert Vielfaltsgemüse das ganze Jahr über. Rund 100 Sorten. Allein 5 verschiedene Basilikum sprießen gerade am Feld mit Blick auf den Kirchberger Kirchturm. Die Abkehr vom industriellen Einheitsbrei ist hier die Devise. Ein bisschen Religion. Auf jeden Fall ganzheitlich. Was nicht direkt verkocht oder gegessen wird, wird eingekocht oder fermentiert.

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Blubb! Wenn Gemüse wild wird

Greti Mayer ist eigentlich Lebensmitteltechnologin, hatte von klassischen Berufsfeldern aber irgendwann genug. Die Frage nach dem Sinn. Und dann der Zufall: Mit Rudi Hoheneder gemeinsame Sache machen. Und so fermentiert Greti für die Mitglieder des Vereins Fermentarium das Gemüse vom Feld oder gibt Workshops, wie Fermentieren zuhause gelingen kann.

Fermentiertes Kraut – Sauerkraut – kennen wir wohl alle. Bei Marillen, Karotten und Kürbis warten ganz neue Geschmackserlebnisse. Die sauer-salzigen Happen vertragen gute Kontraste. Eine Spielwiese für Köchinnen und Köche. Ulli Jell serviert fermentierten Topinambur zum Beispiel zum Schweinebauch. Die fermentierten Marillen, die schon über ein Jahr in der Salzlake reifen durften, passen gut zu Käse für Fortgeschrittene.

„Wasser, Salz. Bloß keine Starter-Kulturen!
Fermentation passiert von selbst.
So wie die Spontanvergärung beim Wein“

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Greti Mayer fermentiert, was das Zeug hält. Auch Pesti und Aufstriche macht sie aus ihrem „wild fermentierten Gemüse“.

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Bio-Pionier seit 20 Jahren

Zurück aufs Feld. Dort, wo Rudi Hoheneder schon das Wintergemüse in die sorgfältig angehäuften Tunnels setzt. Damm-Kultur nach Turiel nennt sich das. Mit dem entscheidenden Vorteil, dass man nicht gießen muss. Bis jetzt zumindest. Die heißen Sommer stellen auch Rudi vor neue Herausforderungen. Der gelernte Elektrotechniker baut schon seit über 20 Jahren Lebensmittel biologisch an. „Ich bin ein klassischer Autodidakt. Nicht vorbelastet“, lacht er. Dafür mit Pionier-Geist. Unter dem Namen „Hawaruhof“ hat er schon 2013 angefangen Hanf anzubauen, um daraus Tee, Öl und Nudeln zu machen. „Wir haben angefangen, was jetzt boomt“.

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Rudi setzt auf Vegetarier und Veganer. Das Angebot des Fermentariums ist genau darauf abgestimmt: „Wir bauen viele Sorten mit hohem Eiweis-Gehalt an, die ganze Palette. So ist man auch ohne Fleisch komplett versorgt“. Für den Durchschnittskonsumenten gibt’s da so einiges zu entdecken. Ja, auch Malven kann man essen! Passt gut ins Pesto oder in die Pfanne statt Spinat.

Aber jetzt muss sich Rudi erstmal um seine Paradeiser kümmern. Strecken Sie hoch das Bein, treten Sie ein.

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Verein Fermentarium

Infos zur Tomaten-Patenschaft gibt es hier. Fermentarium-Mitglied werden und Wintergemüse „abonnieren“ könnt ihr hier.

Wer mit Rudi oder Greti ins Gespräch kommen möchte, kann das beim Gemüse-Abholen machen: Jeden Freitag zwischen 18 und 19 Uhr in Krems, Kremstalstraße 3, und jeden Samstag zwischen 12 und 13 Uhr in Oberstockstall, Alchemistenstraße 8.

Fermentiertes Gemüse könnt ihr am Kremser Wochenmarkt am Pfarrplatz probieren. Achtung nur an ausgewählten Samstagen! Am besten vorher fragen.

Infos zu Kursen und Workshops holt ihr euch am besten direkt:
Rudi Hoheneder: rudi@fermentarium.at
Greti Mayer: greti@fermentarium.at

Links der Sonnenuhr.

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Was Beethoven, Mexiko und Architektur verbindet?

Gneixendorf.

Denkt man an Gneixendorf, denkt man nicht automatisch an Mariachi. Könnte man aber seit Mai. Da wurde der Kremser Architekt Ernst Linsberger zum Honorarkonsul der Vereinigten Mexikanischen Staaten ernannt – begleitet von den Klängen eines mexikanischen Mariachi-Ensembles.

Der Besitzer von Schloss Wasserhof in Gneixendorf ist mit einer Mexikanerin verheiratet und pendelt zwischen den Kulturen. Den Speicher neben seinem Schloss will er in Zukunft öffnen für Künstler aus Lateinamerika, aber auch für Kulturschaffende von hier. „Das darf ruhig Avantgarde sein. Der Speicher versprüht so eine Arsenale-Atmosphäre.“

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Der Speicher am Grundstück. Bald das „Arsenale“ von Krems?

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Beethovens Zimmer

Ein Ort mit Bezug zu Kultur war Schloss Wasserhof schon immer. 1826 arbeitete Beethoven hier an seinem letzten Werk, dem Opus 135 in F-Dur. „In dem Zimmer links von der Sonnenuhr hat er gewohnt“, erzählt Ernst Linsberger. Heute ist dieser Raum der Arbeitsplatz des Architekten.

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Der Architekt Ernst Linsberger ist jetzt Honoralkonsul von Mexiko.

 

Ode an das Atrium

Was ihn noch mit Mexiko verbindet? „Die Mexikaner leben so, wie ich baue“, sagt Ernst Linsberger. Und das hat viel mit Intimität zu tun und mit der Frage, wie man sie bei wenig Platz schaffen kann.  Deshalb baut Ernst Linsberger immer wieder Atrium- und Hofhäuser. Seine erste Anlage steht übrigens in Gneixendorf: sieben Atriumhäuser mitten im Ort. „Das ist die ‘Urgroßmutter’. Der Urtyp meiner Architektur. Sie schafft Privatheit ohne Platz und Ressourcen zu verschwenden. Gerade jetzt ein Gebot der Stunde.“ Verdichteter Flachbau im großen Stil, den hat der Architekt am Kremser Hundssteig und an der Langenloiser Straße realisiert. Projekte, die das Gesicht von Krems prägen.

Viva la arquitectura!

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Kontrast. Die schwebende Beton-Treppe von Schloss Wasserhof.

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Mehr Architekturprojekte auf www.ernstlinsberger.com

Die Steiner Schatzkammer

LUST AUF KREMS unterwegs durchs „Holzingerhaus“
und das Wein.Cabinet von Urban Stagård.

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Als Kind ist Urban Stagård mit seinen Freunden hier durchgefetzt. Von der Hinteren Fahrstraße runter in die Steiner Landstraße. Das „Holzingerhaus“ war ein typisches Durchhaus, das die Straßen verband. Das geht heute nicht mehr. Dafür strahlt es erneut alten Glanz aus.  Oder besser: Es atmet wieder seine Geschichte, die bis aufs Jahr 1591 zurückgeht.

Der Besitzer Georg Spiegelfeld hat es zwischen 2016 und 2018 sehr behutsam renovieren lassen. „Drei Restauratoren waren über 23 Monate mit Pinsel & Co im Haus unterwegs, um es in seinen Urzustand zu versetzen“, erzählt Urban Stagård. Den Steiner Winzer hat der Besitzer gefragt, ob er im Erdgeschoss eine Vinothek einrichten wollte. Und das wollte er!

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Mister Riesling: Der Winzer Urban Stagård hat im Holzingerhaus in Stein einen tollen Platz für seine Vinothek gefunden.

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Dort, wo die besten Weine lagern

In der Vinothek kann man sich nun durch die Weine des Lesehofs Stagård kosten, dazu noch Produkte von Freunden entdecken. Zum Beispiel die außergewöhnlichen Gläser von Mark Thomas, in denen Urban Stagård seine Weine am liebsten ausschenkt. Warum er die Vinothek Wein.Cabinet nennt? „Der Begriff ist auch schon alt. Da landet man im Rheingau im Jahr 1760, wo auf Schloss Vollrads im Cabinet die besonders wertvollen Weine gelagert wurden. Sozusagen die Schatzkammer. Passt doch, oder?“

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Schätze entdecken: Im Wein.Cabinet lagern viele spannende Tropfen.

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Mister Riesling ganz ohne Marille

In seiner Schatzkammer lagert vor allem eine: die Königin aller Sorten, wenn‘s nach Urban Stagård geht. Der Riesling. Inspiration liefern deutsche Rieslinge und Naturweine. Sprich: Diese Weine sind anders. Nix mit Pfirsich-Marille in der Nase. Dafür jede Menge Terroir und Spannung. Das Wein.Cabinet ist der perfekte Ort, um sie zu entdecken. Am besten im gelben IKEA-Fauteuil, einer Anspielung auf die schwedischen Wurzeln des Winzers.

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Wein.Cabinet, Steiner Landstraße 90, 3500 Krems an der Donau, Ab Hof Verkauf Donnerstag & Freitag zwischen 9 – 17h, ab März Fr und Samstag bis 20h. Telefonische Anmeldungen jederzeit unter +43 660 19 17 066