Vor dem Buddha links.

… da geht’s zu den Büffeln. Und zu den Ziegen. Mit ihrer Milch macht Robert Paget außergewöhnlichen Käse. Und das nur einen Hupfer von Krems entfernt. Also steigt mit mir ins klimatisierte Auto. Fahrtrichtung Diendorf, Hofkäserei Paget. Dort, wo die wilden Käse wohnen.

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Vor dem Buddha links geht’s zum Wasser. Und im Wasser, da sind die Büffel.
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Kommt ein Diendorfer Büffel aus dem Bad …

8 Prozent. Die machen den Unterschied. So viel Fett hat nämlich Büffel-Milch. Weit mehr als wir’s von Kuh & Co gewöhnt sind. Deshalb ist sie cremiger, reicher und molliger – die Basis für Käse abseits des Gewöhnlichen. Und genau dafür schlägt das Herz von Robert Paget. Für sehr guten Käse. Am liebsten für „die Wilden“. Käse, die monatelang, manchmal jahrelang, reifen. Käse, die aussehen als wäre ihr Haltbarkeitsdatum bereits im vorigen Jahrtausend überschritten worden. Käse, die auf der Zunge explodieren, eine vollkommene neue Welt eröffnen.

Also, mein Tipp: Lasst euch drauf ein. Fragt nach den Wilden. Die liegen nämlich nicht in der regulären Theke des Käseladens (offen Freitag und Samstag von 10 bis 18 Uhr). Die liegen weiter hinten. Robert lässt euch sicher probieren. Aber auch die Klassiker im Sortiment sind außergewöhnliche Erlebnisse. Je nach Jahreszeit. Frischkäse aus Ziegenmilch. Mozzarelle nach Campanischem Vorbild – die mit ihren Namensvettern in heimischen Supermärkten nichts mehr zu tun haben. Was guten Mozzarella ausmacht? „Erkennt man daran, dass er eine Haut hat, die sich vom Innenleben unterscheidet. Wenn man ihn in Stücke reißt, tritt Flüssigkeit aus. Und genau diese ist eines der drei Elemente bei Caprese. Der Saft des Mozzarellas. Der von guten Tomaten. Und das Öl“, sagt Robert Paget.

Wenn wir schon beim Verzehr sind, dann hake ich nach. Wie man Käse denn am besten isst? „Wie die Franzosen. Nie alleine. Eine Käseplatte ist immer eine Variantion. Eine Komposition im Idealfall. Das heißt, dass ich alle Register ziehe – von bis. Vielleicht lege ich auch schwarze Nüsse dazu. Oder meinen Quittenkäse zum Blauschimmel“. Hier kommt so eine kleine Komposition aus drei wilden Käsen. Plus einer roten Rose. „Dann schaut’s gleich nicht so heftig aus“, lächelt Robert.

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Von links nach rechts: Büffel-Blauschimmel, 10 Monate alt. Büffel-Ziegen-Blauschimmel, 4,5 Jahre alt. Büffel-Brie, 8 Monate.

Wenn man mit Robert Paget ins Gespräch kommt, merkt man wie viel hinter seinem Käse steckt. Wie viel Nachdenken. Wie viel Anspruch. „Käse hat mit Käsekultur zu tun. Und vieles verstehen wir hier nicht – zum Beispiel die Mozzarella-Kultur. Da gehen viele mit dem Messer auf das Ding los. Mozzarella, das ist die Kultur Campaniens. Aber vielleicht erkläre ich es andersrum. Stell dir vor, ein Neapolitaner möchte der Zampano der Topfengolatsche werden. Das scheitert schon daran, dass er keinen Topfen bekommt“.

Und welcher Käse ist dann bei uns Teil der Kultur? Gibt’s Kremser Käse? „Wir haben hier keine richtige Käsekultur. Ziegenfrischkäse hat es hier immer gegeben. Aber der hat auch keine fixe Form. Am ehesten noch der Schafkäse-Gupf“. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum es Robert Paget immer wieder hinaustreibt. Warum er von seinen Reisen immer wieder Käse mitnimmt. Versucht, sich fremde Kulturen und ihre Arten des Käsemachens anzueignen.

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Hier rollt gleich der Ziegenfrischkäse.

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Bevor wir noch eine Runde durch den Stall drehen – inklusive Discokugel! – frage ich Robert nach seinen liebsten Käserezepten. Und da passen im Sommer zum Beispiel zu einem Camembert gut Erdbeeren und etwas Balsamico-Essig. Zum Ziegenfrischkäse eine Peperonata. Oder auch interessant: Ricotta + Kaffeepulver als Nachspeise. Serviert mit Amaretto zum Tunken und Espresso zum Trinken.

In der kühleren Jahreszeit kann man auf Oberhitze setzen. Und Toast mit Camembert und etwas Parmesan unter den Grill schieben. Klingt auch gut. Weil’s beim Käse genauso ist wie so oft im Leben. Dass die einfachsten Dinge die besten sind.

Also macht euch’s einfach: Holt euch ein Stück guten Käse vom Herrn Paget. Dazu gibt’s im Hofladen auch jede Menge Chutneys, Marmeladen, Säfte und Wein – vieles aus der Slow Food-Familie. Dreht eine Runde durch die Diendorfer Tierwelt: Neben Ziegen und Büffeln tummeln sich nämlich auch Schweine auf dem Hof. Nicht nur für Kinder ein gefundenes Fressen!

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Stall rocks.

 

Hofkäserei Robert Paget, Büffel- und Ziegenkäse-Spezialitäten
A-3492 Diendorf am Kamp, Kirchenweg 6,
paget.robert@netway.at, +43 664 15 40 218
Hofladen geöffnet Freitag und Samstag von 10 bis 18 Uhr

 

 

 

 

Ganz neu: der Guide durch die Wachau

4 Roller. 4 Tipps.
Hier geht’s zum Genuss-Guide durch die Wachau.
Passt gut zu einem warmen Sommertag.
Die Crew wünscht gute Fahrt & viel Spaß!

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Sommer, Sonne und Adut.

Das Kremser Freibad im Portrait.

36 Grad und es wird noch heißer. So die Prognose für die nächsten Tage in Krems. Schreit nach Abkühlung. Nach Freibad. Denn: „Warum in die Ferne schweifen“. Sagt auch Frau Kaupper. Sie ist so etwas wie das Urgestein des Bades. Gast seit unglaublichen 67 Jahren. Ihre Schnapsrunde (das Kartenspiel ist gemeint) trifft sich hier auch schon 20 Jahre. Die Damen haben gegenüber der Bad-Leitung mittlerweile einen Tisch mit fixer Beschattung und Waschbeton-Untergrund argumentiert. Hier verbringt Hilda Kaupper ihren Sommer „Wenn es schön ist, jeden Tag von 9 Uhr früh bis 7 Uhr abends“. Na dann, viel Spaß. Was ist Adut? Oder „Atout“, wie die Franzosen sagen? Die Sonne sticht auf jeden Fall.

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Schnapsen im Freibad. Hilda Kaupper, Margarethe Fischer, Leopoldine Maier (vlnr)

Die Damen sind nicht die einzige Stammgäste hier. „Wir haben Kabinen, die man fix mieten kann“, erklärt Oliver Pfeiffer, der Bademeister. Herr über 2.400 Wasserratten und Sonnenanbeter. So viele Leute kommen an den ganz starken Tagen ins Kremser Freibad. An Ü-30-Sonntagen. Dann ist das Bad voll – und Olivers Aufmerksamkeit voll gefragt. „Bei so vielen Leuten, das ist schon happig“, sagt der 29-Jährige. Da muss man aufpassen. „Obwohl sehr wenig passiert. Kaum Probleme. Hie und da ein kleiner Zwist. Triathleten versus Pensionisten ist so ein Klassiker. Aber das ist selten“.

Den Überblick haben ist aber nur ein Punkt seiner Job-Deskription. Da geht’s auch ums Verarzten von kleinen Wehwehchen. Bienenstiche und offene Knie vom Rutschen führen die Liste an. Auskunftsbüro trifft’s auch ein bissl. Die Standardfrage „Wie warm ist das Wasser?“ beantwortet Oliver gelassen. Zwischendurch PH-Wert messen, Filter kontrollieren.

Da ist die eine Frage, die mir schon seit jeher unter den Nägeln brennt. WAS MACHT EIN BADEMEISTER BEI SCHLECHTWETTER? „Dann gibt’s eine Liste mit Reparaturen, für die man sonst eh keine Zeit hat“, erklärt Oliver. Sein Lieblingsplatz ist aber das Bademeister-Haus. Hier steht die Kaffeemaschine. Hier hat er alles im Blick. „Viele meiner Freunde sagen: Du sitzt ja den ganzen Tag nur in der Sonne. Es ist aber sehr anstrengend so lange so wachsam zu sein – der Dienst geht von 7 bis halb 9 Uhr abends.“

Schreit nach einer Pause. Mein Stichwort. Ab ins Baderestaurant. Schon lange vor dem Betreten der Buffet-Zone strömt er mir entgegen. Der Geruch nach heißem Fett. Die Pommes-Sensoren im Gehirn voll aktiviert. Oder doch ein Langos? Warum bekommt man gerade im Bad an überdurchschnittlich heißen Tagen Lust auf überdurchschnittlich fettes Essen? Eine Frage, die wir wohl heute nicht klären. Dafür die nach dem Lieblingseis von Kristina Kröll, der Chefin des Baderestaurants. Ohne Bedenkzeit: „Magnum Mandel“. Das ist – neben Jolly und Twinnie – auch das beliebteste Eis.

Nach diesem Stopp sollten wir eine Runde Go einlegen. Und da gibt’s im Bad viele Möglichkeiten. Drei Beachvolleyballplätze. Zwei Tischtennis-Tische. Trampoline für die ganz Harten nach dem Essen. Oder natürlich die Schwimmbecken. Warm und wärmer, je nach individueller Wohlfühl-Temperatur. Für die Kleinen ein – überdachtes! – Kinderbecken.

Oder: Minigolf. Ich weiß ja nicht wie’s euch geht, aber zu diesem „Sport“ habe ich ein ziemlich zwiespältiges Verhältnis. Also eigentlich fand ich ihn als Kind immer unglaublich langweilig. Gefühlte Stunden damit zu verbringen einen kleinen Ball wenige Meter weiter in ein kleines Loch zu versenken. Naja. Aber großes ABER: Im Kremser Freibad hat die Minigolf-Anlage irgendwie was Melancholisches. Die Farbe, die abbröckelt, wodurch wieder neue Muster entstehen. Die Gräser, die sich die Betonstreifen zurückerobern. Ach, seht einfach selbst:

Falls ihr es an diesem Wochenende nicht schafft, habt ihr noch bis Ende August Gelegenheit, euch das Kremser Freibad zu erobern. Wenn das Wetter gut ist, sind vielleicht auch noch 1-2 Wochen im September drin. Dann ist aber Schluss. Dann geht’s ans Reparieren. Und Bademeister Oliver wechselt auf den Eislaufplatz. Vom Wasser aufs Wasser.

Alle Infos zum Freibad gibt’s hier.
Geöffnet täglich von 9 bis maximal 20 Uhr.
Eintritt für Erwachsene: 3 Stunden um € 3, Nachmittag um € 4, ein ganzer Tag um € 5.
Eintritt für Kinder: Nachmittag € 2, ganzer Tag € 3.