Mit Laib und schwedischer Seele.

Kerstin Rytther bäckt Brot & Süßes aus Sauerteig.

Wenn Kerstyn Rytther einen Workshop gibt, würde sie nie im Leben Back-Kurs dazu sagen. Das klingt fad und trifft’s so gar nicht, sagt Kerstin. Ihre Kurse heißen „Sauerteig-Magie“ oder ähnlich leidenschaftlich. Anders wäre es bei Kerstin kaum denkbar. Seit 2015 dreht sich bei ihr so vieles um gutes Brot – und um die vielen Geheimnisse, die es ausmachen.

Man kann sich denken, dass Kerstins Workshops im Woracziczky am Pfarrplatz sofort ausverkauft sind, trifft sie doch mit diesem besonderen Zugang einen Nerv der Zeit: guter Geschmack, echtes Handwerk, tolle Rohstoffe – und die Portion Wahnsinn, die es braucht, um den Sprung von „gut“ auf „außergewöhnlich“ zu schaffen.

©PamelaSchmatz-9112

©PamelaSchmatz-9030

©PamelaSchmatz-9160
Auftritt für Kerstins Brot: jeden Freitag und Samstag im Woracziczky am Pfarrplatz

Jede Woche beliefert Kerstin Rytther das Lokal am Kremser Pfarrplatz mit tollem Brot und Süßigkeiten. Angefangen hat alles mit den schwedischen Zimtschnecken, den Kanelbullar. Die Extraportion Kardamon inklusive. Mittlerweile ist Kerstin im Woracziczky am Pfarrplatz angestellt und bäckt für das Lokal jeden Freitag/Samstag und für den Kirchberger Naschmarkt am Samstag – beides unter dem Namen Weekend Bakery.

An beiden Standorten hat sie mehrere Sorten Brot im Gepäck. Ganz klassisch aus Dinkel oder Weizen. Dann auch mal wieder mit Haferflocken-Brei, Einkorn oder geröstetem Roggen. Fad wird’s nicht, auch in Sachen Süßigkeiten. Da ist das österreichische Zuckergoscherl ja nicht so an Sauerteig gewöhnt. Aber ohne den geht bei Kerstin gar nix. Im Woracziczky hat sie stets ihre Zimtschnecken (Rezept siehe unten!) dabei, dazu immer wieder einmal einen tollen Streuselkuchen, Gugelhupf oder Babka. Die nächste Herausforderung heißt: Croissants aus Sauerteig.

©PamelaSchmatz-9099

©PamelaSchmatz-9051
Zimtschnecken aus Sauerteig. Oder: Wie alles begann.
©PamelaSchmatz-9138
Kerstins Schützling: ihr Starter

Als Bäckerin würde sich Kerstin übrigens nicht bezeichnen. „Ich finde, Hefe-Bäuerin trifft es besser“, lacht die Schwedin. Ihren Schützling hat sie meistens dabei: das kleine Glas, in dem ihr „Starter“ wächst. Der Vorteig, den man regelmäßig füttern muss, damit er seine Dienste leistet. Er ist die Basis dafür, dass aus Mehl und Wasser großartiges Brot entstehen kann.

Obwohl sie schon viele Geheimnisse beim Backen gelüftet hat, macht sie um ihre keine. Kerstin gibt ihr Wissen gern weiter – und ihren Starter. Wer selbst einmal probieren möchte, holt sich von ihr einfach eine Portion Vorteig. „Das Einzige, was man dann braucht, ist eine Gusseisenpfanne und gutes Mehl. Dann kann’s schon losgehen“. Auch Ratschläge gibt’s von der Bäckerin – sorry, Sauerteig-Magierin – kostenlos dazu. „Ich bin dafür, dass man sein Wissen teilt. Instagram ist zum Beispiel eine Wunderwelt, da kann man sich viel Inspiration holen. Und natürlich von den Profis, die dann dicke Bücher schreiben. Ich habe schon einen ganzen Stapel davon“.

©PamelaSchmatz-9113

©PamelaSchmatz-9064

Kerstins nächster großer Schritt ist die Bäcker-Lehre in Wels. Bis jetzt ist sie klassische Quereinsteigerin, die die Kurve vom Wein zum Brot kratzte. Eigentlich war sie ja Sommelière am Weingut Ott in Feuersbrunn. Und eigentlich haben guter Wein und gutes Brot sehr viel gemeinsam.

Also dann. Lasst uns beides genießen!

Kerstins Brot, Focaccia & Süßigkeiten könnt ihr probieren und mitnehmen:

©PamelaSchmatz-9037

… und Kerstin macht mit dem Teilen ernst. Hier ihr Rezept für Zimtschnecken:

Kanelbullar mit Sauerteig süß:
Rezept von Kerstin Rytther (word)

©PamelaSchmatz-9057

 

Advertisements

Warum der Schmidl eigentlich Gausterer heißt.

Alfred Gausterer ist das Gesicht der Buchandlung Schmidl. Ein Porträt des Kremsers, der seit einem halben Jahrhundert Lust aufs Lesen macht.

bearbeitet-klein-5171

Normalerweise soll man ja zum Schmied gehen, nicht zum Schmiedl. Bei Büchern verhält sich die Sache aber andersrum. Da ist die erste Adresse in Krems „der Schmidl“ – ohne langes „i“. Dafür mit langer Geschichte. Seit 1856 gibt es die Buchhandlung schon in der Oberen Landstraße. Alfred Gausterer gibt dem Laden seit über 50 Jahren ein Gesicht. Angefangen hat er als Lehrling – obwohl er ursprünglich Mechaniker werden wollte. Doch in der Berufsschule hat ihn die Lust am Lesen so richtig gepackt: die Klassiker der Jugendliteratur von Mark Twain zum Beispiel oder Heimatromane von Ludwig Ganghofer. Und so ist er in der Buchhandlung gelandet, die damals einer Schmidl-Tocher gehört hat. Einer gewissen Frau Willingens, die ihn irgendwann gefragt hat, ob er nicht übernehmen wollte. Das war 1980, der Start gar nicht so einfach.

„Ich entschied mich, den Namen Schmidl beizubehalten. Den Gausterer hat damals ja noch keiner gekannt.“

Auch heute wird der Buchhändler immer wieder mit „Herr Schmidl“ angesprochen. Daran hat er sich mittlerweile gewöhnt.

bearbeitet-klein-5159

bearbeitet-klein-5156-2

Pionier & Urgestein: Die Familie macht’s möglich.

Funktioniert hat das Ganze deshalb, weil die Familie Gausterer immer zusammengehalten hat. Alfred Gausterers Frau Waltraud, eine gelernte Papierfachhändlerin, wechselte in die Buchhandlung. Dann kam die Expansion: ins Steinertor und in die Untere Landstraße. „Im Steinertor habe ich es 13 Jahre ausgehalten. Meine Frau leitete in dieser Zeit das Stammgeschäft. Und dann war da noch der Taschenbuch-Shop in der Unteren Landstraße – übrigens der erste Taschenbuchshop in ganz Niederösterreich!“.

bearbeitet-klein-5196
Weder Dan Brown noch Donna Leon: Was Alfred Gausterer am öftesten verkauft, ist Regionalliteratur.

bearbeitet-klein-5152

Irgendwann waren drei Betriebe aber zu mühsam und die Gausterers konzentrierten sich aufs Kerngeschäft. Alfred Gausterer steht mit 69 Jahren noch immer täglich drin – obwohl er bereits an seinen Sohn Andreas übergeben hat. Aber aufhören geht auch nicht. Der Begriff Urgestein drängt sich auf. Wobei der quirlige Herr Gausterer wohl eher das Gegenteil von statisch ist. Immer auf Achse. Immer bemüht um seine Kunden. Deshalb stapeln sich auf seinem Nachttisch nach wie vor Bücher. Aktuell: Martin Walker, Donna Leon und Ken Wallet. „Ich lese immer zwei bis drei Bücher gleichzeitig. Ich muss ja schließlich Bescheid wissen, meinen Kunden etwas empfehlen können.“

bearbeitet-klein-5200

Buchhandlung Schmidl
Obere Landstraße 5, 3500 Krems
Tel: 02732 82243, E-Mail: schmidl@book.at
http://www.book.at

 

Von Sisi bis sexy.

In Krems gibt’s jetzt einen Brautsalon.

Blütenkleid hat sie ihren Salon genannt. Schließlich ist Stefanie Raffenstetter gelernte Floristin. Das mit den Hochzeiten war schon immer ihres. Deshalb die Idee: Blumenschmuck im Sommer, Brautmode im Winter. Und wie’s der Zufall so will, ist sie ganz einfach über die Wohnung in der Kremser Landstraße gestolpert, in der sie im November ihren Salon eröffnet hat. Wahrscheinlich in ihren Glitzer-High-Heels, die Stefanie auch bei ihren Beratungen immer wieder trägt. Die passen nämlich so schön zu den handgenähten Röcken, die’s hier in allen möglichen Farben für Brautjungfern & andere Mitstreiterinnen gibt. So regional kann Tüll sein: Die Röcke werden von der Schneiderin Bianca Pennerstorfer aus Oberloiben genäht – eine Schulfreundin von Stefanie.

bearbeitet-klein-5411

bearbeitet-klein-5465

bearbeitet-klein-5484

Aber zurück zu Stefanie und ihrem Brautsalon in diesem charmanten Haus in der Unteren Landstraße. Im Sommer schreitet man durch den blumengeschmückten Innenhof. Das Haus war früher übrigens ein Kloster. Stefanies Salon befindet sich justament in der ehemaligen Kapelle. Deshalb schmunzeln noch Engel & Teufel von der Stuck-Decke. Und deshalb fühlt sich der Ort wahrscheinlich auch irgendwie besonders an. Was man darin nun findet? Brautkleider der Marken Lina Becker, lilurose und Watters.

„Mir ist wichtig, dass ich verschiedene Kleider-Stile anbieten kann. Von Sisi bis sexy.“

Und so hängen die klassischen Reifrock-Modelle neben schlichten Boho-Kleidern. Glitzer gleich neben Spitze. Für die freie Trauung oder das ganz große Drama. „Eine meiner ersten Fragen lautet immer: Wie siehst du dich selbst? Welche Braut möchtest du sein? Da wissen dann viele im ersten Moment gar keine Antwort“, erzählt die 25-Jährige. Aber dafür gibt es ja sie. Um das herauszukitzeln – und in das passende Kleid zu verpacken. Dabei helfen Sekt und etwas Süßes. Mit beidem werden angehende Bräute, Brautmütter und Freundinnen liebevoll umsorgt.

bearbeitet-klein-5500

bearbeitet-klein-5379

bearbeitet-klein-5418

„Beim richtigen Kleid verändert sich die Aura.“

Stefanie Raffenstetter rät auch Kleider zu probieren, die man am ersten Blick nicht wählen würde. Man weiß ja nie. Von Tüll bis Taft ist alles da. Los geht es ab € 600 für die kurzen, bis zu € 2.000 für die aufwändigsten Modelle.

Für den Auftritt als Braut wünschen sich viele auch die passenden Accessoires. Die zaubert Stefanie natürlich herbei: Schleier, Spanx & Strumpfband. Alles, was den Auftritt buchstäblich abrundet. „Man kann ja schummeln ohne Ende. Obwohl das die Bräute oft gar nicht notwendig haben. Aber mit Shapewear geht schon noch etwas in Sachen Knackarsch oder flacher Bauch. Aber den meisten empfehle ich einfach schöne Wäsche und halterlose Strümpfe für drunter“, schmunzelt Stefanie. Die ist übrigens gerade glücklicher Single …

bearbeitet-klein-5543

bearbeitet-klein-5386

bearbeitet-klein-5496

Blütenkleid

Untere Landstraße 20/1
3500 Krems an der Donau
+43 680 330 39 38
post@bluetenkleid.at

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag nach Terminvereinbarung.

bearbeitet-klein-5554