Machen wir das Licht aus.

Programmautomatik. Speicherkarte. Photoshop. So geht Fotografieren, sagt ihr? Nicht bei Dietmar Kurzmann. Da gibt’s keine Speicherkarten, sondern Filme. Keinen Photoshop, sondern ein Photolabor. Und das alles mitten in Krems. Also kommt mit in die Dunkelkammer – auf ein paar Bilder und etwas Text. Ich serviere sie euch aus aktuellem Anlass: Am Freitag, 26. Juni, eröffnet die Ausstellung „Keramiken Skulpturen Objekte Fotografien“ in der Fine Art Galerie in Traismauer. Und da stellt auch Dietmar Kurzmann seine „Metalmorphosis“ aus.

Dietmar Kurzmann mit einer seiner Kameras.
Dietmar Kurzmann samt „Fachkamera“.
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Geballtes Fotowissen. Oder: Auch Annie Liebovitz ist da.

Einen Film entwickeln? Das dauert ungefähr eine Viertel Stunde – einen Kaffee lang. So lange sitze ich mit Dietmar Kurzmann am Tisch. Theorie. Seit wann er fotografiert – „naja, seitdem ich so 17, 18 Jahre alt bin“. Warum er 20 Jahre Obmann des Kremser Fotoklubs war? „Weil ich die Technik des Fotografierens und Entwickelns gerne weitergeben will“. Dann schon der praktische Teil. Auf zu den Kameras! Ins Labor, das wie eine Mischung aus Küche und Biologie-Kammerl ausschaut. Die Assoziation Schule liegt bei Dietmar Kurzmann nahe – schließlich unterrichtete er an der HTBLA in Krems. Was kommt nach dem Entwickeln des Films? Das Trocknen. Dauert eine halbe Stunde. Schneller geht’s, wenn man mit dem Fön nachhilft. Hier sitzt jeder Handgriff – und man merkt, wie wichtig Dietmar Kurzman die Technik ist. Das Material an sich. Denn „das, was wir heute fotografieren, landet in Datenfriedhöfen. Auf Festplatten. Da ist nicht klar, wie lange man sie nutzen kann, wie lange die Technik kompatibel ist mit dem jeweils aktuellen System. Mich interessiert, wie man Bilder dauerhaft festhalten kann.“

Und ab geht’s in die Dunkelkammer.
Hier entwickelt sich was.
ENTWickeln wir was!

Aber halt! Wenn wir so fleißig beim Entwickeln sind, haben wir den wichtigsten Schritt eigentlich übersprungen. Das Fotografieren selbst. Und da begeistern Dietmar Kurzmann Fachkameras. Für mich schauen die aus wie anno dazumal. Ein bissl wie eine Zieharmonika mit diesen Lederbalgen. Das Bild, das Kopf steht am „Display“. Wie heißt das noch mal schnell? Und das Tuch, das man überwirft, wenn man draußen fotografiert. Aber nein. Fachkameras werden auch heute produziert – „vor allem für die Amis, die Wahnsinningen“ – und das meint der Globetrotter Kurzmann auf eine nette Art und Weise. Wieder was gelernt.

Biologieunterricht? Nein, das Negativ in Großansicht.
Negativ vor Endprodukt. Positiv!
Negativ vor Endprodukt. Positiv!

Filme und Negative, so groß wie meine Hand. In seine Spezialkamera kommen Filme, die haben nur 2 Bilder. Also genau überlegen, wann man abdrückt. „Da gibt’s null Ausschuss“. Was das Faszinierende ist an dieser Art zu fotografieren? „Fachkameras können das, wo normale Fotografie ansteht. Zum Beispiel bei der Schärfe. Oder bei der Architektur-Fotografie – keine stürzenden Linien“.

Vergiss Photoshop. Retusche mit dem Pinsel.
Vergiss Photoshop. Retusche mit dem Pinsel.

Was Dietmar Kurzmann dann mit seinen Kameras fotografiert? Vieles. Aktuell die Serie „Rost“ – den Verwandlungskünstler, wie er Rost auch nennt. Die morbide Schönheit, wenn der Rost Material zersetzt. Die unzähligen Farben und Formen, die dann entstehen. Platz für die Phantasie. Wo der eine ein Urzeit-Tierchen sieht, erkennt die nächste Tänzer in Bewegung. Alles in Bewegung. Stets mit einem Augenzwinkern. Nicht nur deshalb sehenswert.

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4 x Rost. Mehr gibt’s ab 26. Juni in der Fine Art Galerie in Traismauer.

Zum Abschluss hab ich Dietmar Kurzmann noch gebeten, ein paar Kremser Stadt-Ansichten auszugraben.
Hat er gemacht. Voilà!

Wenn analog und iPhone aufeinandertreffen. Ein bewusster Clash.
Wenn analog und iPhone aufeinandertreffen. Ein bewusster Clash.
Strahlender Abschluss. Krems. Fotografiert von Dietmar Kurzmann.
Strahlend. Krems. Fotografiert von Dietmar Kurzmann.

 

 

 

 

 

 

 

Lust auf Frühstück. Ein Bild, ein Text.

In einer Münchner Galerie hängt ab morgen Toast Hawaii aus Krems. Und das kommt so: Eva Gantar, Fotografin und Archtitektin, hat mich gefragt, ob ich bei ihrer Fotoserie „BREAKFAST“ mitmachen will. Sie hält fest, was Menschen frühstücken. Davor. Mittendrin. Danach.

Klar, mach ich mit – und frühstücke für sie, für euch, für mich. Mitten in Krems, wo sonst?
Hier das ausgewählte Bild. Und wer morgen zufällig in München ist, kann zur Vernissage in die Galerie für zeitgenössische Fotografie Ingo Seufert gehen (Ausstellung bis 26. Mai).

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Da die Nacht davor kurz und der Bedarf an fett- und eiweißreicher Kost groß war, entschied ich mich für ein Relikt aus den 80igern, für Toast Hawaii. Und ich muss sagen: Die klebrige Kirsche hat ihn buchstäblich getoppt. Cocktailsauce. Ach, Kindheit, du schmeckst mir.

Genauso wie das Sinnieren über Frühstück. Die intimste Mahlzeit des Tages, wie ich finde. Ein Übergang. Zwischen Schlafen und Munter-Sein. Zwischen privat und öffentlich. Zwischen Polsterabdruck und Mascara. Dazwischen so viele Spielarten, die möglich sind. Situationen. Graduationen. Je nachdem. Ob Sonntag oder Montag. Mit Kind & Kegel. Oder ohne. Büro, Blog oder Burgen-Bauen, was steht heute an?

Das Kipferl hinterm Lenkrad, Klassiker unter der Woche. Fahrlehrer, verzeiht. Obwohl: Auch mit Süßgebäck im Mundwinkel schafft man den Spiegel-Spiegel-Seitenblick. Ja, das geht.

Oder dann das ausgebaute Frühstück unter der Woche. Wenn man es geschafft hat, beim ersten Klingeln des Weckers aufzustehen und genügend Zeit hat. Also fast nie. Dann gibt’s auch Kaffee und Obst. Und den frisch gekochten Haferflockenbrei für den Nachwuchs.

Klassisch am Sonntag: die Luxusvariante. Das Ganz-oder-gar-nicht-Frühstück. Das so oft zur Nachmittagsjause wird. Die Pfanne, der Toaster. Und schließlich die Entscheidung, ob Croissant Nummer 3 oder nicht. Das herzhafte Ja. „Ist ja Wochenende“.

Genug sinniert. Hier kommen noch die praktischen Infos zur Fotoserie „BREAKFAST“, zur Ausstellung und zur Fotografin: VACATION_EvaGantar (PDF)

Krems. Moves in the right direction.

Keine Lust auf Postkarten-Motive? Dann gibt’s hier die passenden Krems-Bilder. Ja, die der anderen Art. Exklusiv auf diesem Blog zu sehen.  Fotografiert von Rainer Friedl. 

Die Stadt ist in Bewegung. Wie man sieht. In eine gute Richtung, wie ich finde. In Richtung Urbanität und Vielfalt. Und weil’s so schön dazupasst, hier ein passender Ohrwurm von Gossip: https://www.youtube.com/watch?v=12zPU-8bsTE

Viel Spaß und bleibt in Bewegung.