Go, Goliath, go!

Kommt mit aufs Schlachtschiff in Sachen Wein: Zu den Winzer Krems und zum Kremser Schmidt.

Ich will ja immer Trüffelschwein sein. Nach neuen Lokalen graben. Raritäten ausbuddeln. Bei dieser Geschichte hab ich das Schwein von hinten aufgezäumt. Und bin direkt zu Goliath in Sachen Wein – zu den Winzer Krems. Der größte Weinbaubetrieb Österreichs. Eine Winzergenossenschaft mir 1.000 Mitgliedern und 1.000 Hektar Rebfläche.

Sie steht direkt in Krems – die „Sandgrube 13“ ist nicht nur Bestandteil des Markenauftritts, sondern auch Adresse. Ein Produkt, das für die Brand-Identity maßgeblich ist, wie so viele meiner Werbe-Kollegen so schön sagen, ist der Kremser Schmidt. Ein Wein, den es seit 1961 gibt. Das Ziel: Jedes Jahr soll er ähnlich schmecken. Vorrangig einem Zielpublikum, das ihn durchschnittlich schon sehr viele dieser Jahre begleitet.

Gerade weil ihm so ein Hauch Naphthalin anhaftet, hat er mich interessiert, der Wein. Um knappe 5 Euro gibt’s da eine Flasche frisch-fruchtigen Wein. Gut! Etwas Unkompliziertes. Gar nicht verstaubt.  „Der Kremser Schmidt ist ja ein modern gemachter Wein, der bewusst nostalgisch daherkommt“, erklärt Marketingleiter Stephan Nessl. Für LUST AUF KREMS hat er zwei ältere Jahrgänge aus dem Keller und Pressefotos aus dem Archiv geholt.

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Links unten: die Weinpräsentation im Hotel Europa 1961. Rechts oben: Die passende Bim im Kremser-Schmidt-Branding

Präsentiert wurde der Kremser Schmidt 1961 übrigens in Wien im Hotel Europa. Damals noch von alt-ehrwürdigen Herrn mit Schnauzern. Das Gesicht des Marketings hat sich also verändert. Das des Kremser Schmidt nur in sanften Dosen. Seit 2011 gibt’s ihn wieder in der Originalflasche wie anno dazumal.

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3 Generationen Kremser Schmidt: Jahrgang 1964, 2010, 2015.

Der Kremser Schmidt ist nichts weniger als der erfolgreichste Wein der Winzer Krems. Bis zu 200.000 Flaschen gehen da pro Jahrgang raus. Früher gab’s ihn auch in Rot. Heute gibt’s nur mehr die weiße Variante – ein Cuvée aus Grünem Veltliner.

Auch bei der Führung durch die Genossenschaft ist der Kremser Schmidt natürlich Thema. Der Namensgeber war nämlich ähnlich erfolgreich wie sein Wein. Martin Johann Schmidt war einer der bekanntesten Maler seiner Zeit – ein Ai Wei Wei des Barock sozusagen. Viele seiner Werke sind rund um Krems verstreut – in Spitz, Wien, Moritzreith. Sein Wohnhaus steht übrigens in der Steiner Landstraße Nummer 22.

Die Genossen am Traktor.

Hier geht’s jetzt weiter mit einem kleinen Rundgang durch die Winzer Krems. Während meiner Recherche war gerade Hochsaison. Die Traktoren-Schlange am Gelände schier endlos. Viele Genossenschafts-Mitglieder lieferten gerade ihre Trauben ab. Der Herr auf der Balustrade – der Herr über die Qualität. Denn der Stab in der Hand ist kein Walking-Stecken. Damit nimmt er eine repräsentative Probe der gelieferten Trauben.

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Der Rundgang durch die Genossenschaft macht ihre Größe spürbar. Ein Blick in den Keller verrät: Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Hier wird zielstrebig gearbeitet, um gute unkomplizierte Weine zu machen, die einem breiten Publikum schmecken. Fokus auf Primäraromen. Frisch, fruchtig, duftig lautet die Devise.

Nebenbei erfährt man noch viel über die Gegend. Und ein paar nette Geschichten, wenn man so einen begeisterten Guide hat wie den Herrn Winkler. Der hat mit einem schönen Zitat von Lessing geschlossen. Ich tu es ihm gleich:

Ob ich morgen leben werde,
Weiß ich freilich nicht:
Aber, wenn ich morgen lebe,
Daß ich morgen trinken werde,
Weiß ich ganz gewiß.

Gotthold Ephraim Lessing

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Winzer Krems, Sandgrube 13, 3500 Krems
Tel. +43 (0)2732 85511, office@winzerkrems.at

Ab Hof-Verkauf
Montag bis Freitag: 8.00 – 17.00 Uhr
Samstag 10.00 – 17.00 Uhr
Mai bis Oktober zusätzlich: Sonn- und Feiertag 10.00 – 16.00 Uhr

Führungen an geöffneten Tagen um 10.00 Uhr und 14.00 Uhr oder für Gruppen ab 20 Personen innerhalb der Öffnungszeiten gegen Voranmeldung.

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Oh, those summer niiiiights.

Das Winzerhaus Kitzler verwöhnt Gaumen und Seele. Eine zweitägige Grundlagen-Recherche aus den Rohrendorfer Weinbergen.

Eilmeldung vorweg: Die Kitzlers machen gerade Heurigen – noch bis 7. August!

Mit dieser Geschichte verabschiede ich mich in die Sommerpause. Und was gibt’s da Besseres als in eines der gemütlichen Gästezimmer von Petra und Johannes Kitzler einzuchecken. Urlaub ums Eck. Rohrendorfer Roadmovie.

Die Kitzlers nehmen Gästebetreuung ernst. Da bekommt schon beim ersten Hallo ein Glas „Gaumenkitzler“. Prickelndes Rosé. Exakt das Richtige nach einem heißen Tag. Ankommen und Schmäh führen. Bevor’s Richtung Zimmer geht. Die Pumps gegen Sandalen tauschen. Denn Johannes hat viel vor mit uns. Der VW-Bus ist normalerweise ein 6-Kitzler, äh 6-Sitzer. Petra und Johannes haben vier Kinder und dementsprechend Platzbedarf. Wir packen in den Bus diesmal aber nur uns und zwei Weinflaschen. Es geht ab zum Ursprung. Zwei Weine, zwei Weingärten. Achtung, Türen schließen!

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Johannes Kitzler schenkt nur reinen Wein ein.

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Wein trinken, dort wo er wächst. Grundlagen-Forschung, die den Blick neu lenkt. Dinge entdecken, die man nicht sehen würde. Weil sie zu nah oder zu naheliegend sind. So wie das Marterl „Marthal“, um das unglaublich schöne, meterhohe Disteln wachsen. Einen Schluck trinken – Riesling „Marthal“, what else?

Der Weg zurück führt durch die Kellergasse. Und in Begleitung eines Winzers kann man die unmöglich trocken passieren. Deshalb prosten wir mit zwei anderen Winzern, die da so lauschig an ihrem Stehtisch lehnen.

Bevor wir das Fleisch auf den Grill legen und eine Flasche Veltliner aufmachen, zeig ich euch noch die Gästezimmer. Sonst wird’s zu dunkel. Und dann sind alle Katzen schwarz – was in dem Fall schade wär!

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Klar, dass man bei den Kitzlers guten Wein trinkt. Da kann man verschiedene Veltliner entdecken, aber auch Raritäten. Mein Tipp: Neuburger. Man bekommt auch tolles Essen! Für Hausgäste kocht Petra immer wieder einmal. Und da kann es sein, dass um Mitternacht im simmungsvollen Familiengarten auf einmal dampfende Marillenknödel auf dem Teller landen. Die Marillen vom eigenen Baum. Sommernachtstraum. Einer der Momente, die man sich für immer merken wird.

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Außergewöhnlich: Petra Kitzler steckt hinter dem tollen Essen.

Option 2: Man erwischt einen der Tage, wo die Kitzlers Heurigen machen. Und das ist einer der besten, die ich kenne. Das Sitzen im Garten unschlagbar. Die Speisen top. Die Portionen üppig. Und wenn nach G’selchtem, Schweinsbraten oder Frischkäse-Mousse noch ein eitzerl Platz ist, dann probiert auch noch eine Mehlspeise. Dann mischen sich alle Geschmacksrichtungen. Dann ist alles rund. Dann kommt man noch einmal lieber zurück an diesen wunderbaren Ort.

Bis bald & danke für die vielen unvergesslichen Momente!

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Winzerhaus Kitzler, Untere Hauptstraße 53, 3495 Rohrendorf, Telefon: 02732/79686, kitzler@loess.at, www.loess.at

Heurigenlokal in der Kellergasse / Lindobelgasse 14.
Heurigen von 29. Juli bis 7. August 2016 – reservieren empfehlenswert!

Wein verkosten nach Voranmeldung: 0676 625 60 22