Das Goldkehlchen und der Oachkatzlschwoaf.

Beim Vergolder Markus Bauer in der Hohensteinstraße.

Wenn Markus Bauer ein Eichhörnchen am Straßenrand findet, das das Zeitliche gesegnet hat, dann ist er nicht unglücklich. Man darf es dem Mann nicht übelnehmen. Schließlich bedeutet das für ihn, dass er eines seiner wichtigsten Werkzeuge neu bestücken kann: Mit dem Oachkatzelschwoaf, sprich dem buschigen Ende des Eichhörnchens, kann er Blattgold nämlich besonders präzise auftragen. Ein Teil der Haare werden dabei in den „Anschießer“ geklemmt. Ein Werkzeug, ohne dem bei Vergoldern gar nix geht.

Markus Bauer_Lustaufkrems©PamelaSchmatz
Markus Bauer am Gerät: Mit dem Anschießer trägt er Blattgold auf den Kerzenständer auf.

Markus Bauer_Lustaufkrems©PamelaSchmatz

Markus Bauer_Lustaufkrems©PamelaSchmatz

Markus Bauer übt seinen Beruf schon seit mehr als 40 Jahren aus. Er hat die Werkstatt in der Kremser Hohensteinstraße von seinem Vater übernommen. Heute ist er einer von rund 12 Vergoldern in Niederösterreich.

Magier der Millimeterarbeit

Schaut man Markus Bauer länger zu, dann weiß man: Gelernt ist gelernt. Durch unzählige Jahre in der Praxis. Hier sitzt jeder Handgriff. Rhythmisch bewegt er den Anschießer zur Augenbraue, wo er ihn statisch auflädt, dann zum Blattgold, rauf damit auf den Kerzenständer.

bearbeitet-klein-8788

bearbeitet-klein-8840

bearbeitet-klein-8785

Und wenn nach vielen Arbeitsschritten der Kerzenständer am Ende in Gold glänzt, ist von seinem Holz-Kern nichts mehr zu erahnen. „Wir Vergolder erzielen mit wenig Material große Effekte. Blattgold ist ja nur ein Fünf- bis Zehntausendstel Millimeter dünn, also in Summe ist da kaum Gold drauf. Es wirkt aber wie wenn das Objekt aus purem Gold wäre.“

Ähnliche Magier-Tätigkeiten kommen auch bei anderen Aufträgen ins Spiel. Markus Bauer ist nicht nur Vergolder, sondern auch Staffierer. Dann bemalt er zum Beispiel Kirchenorgeln, damit sie aussehen als wären sie aus Marmor. Oder Figuren, die so wirken sollen wie Porzellan. Die große Magie mit kleinem Material-Einsatz: „Nicht viele Gemeinden konnten und können sich die Ausstattung mit edlen Materialien leisten. Trotzdem sollte es in der Kirche oder im Palais aber so wirken“, erklärt der Vergolder.

bearbeitet-klein-8823

bearbeitet-klein-8833

Essbares Gold & andere Spielereien

Kerzenständer, Bilderrahmen, Statuen. Das ist das Alltagsgeschäft von Markus Bauer. Viele kommen von weit her, um ein geliebtes Stück wieder zum Glänzen zu bringen. Wenn man einen Beruf aber so lange ausübt wie Markus Bauer, dann braucht es auch immer wieder neue Herausforderungen. Deshalb engagiert er sich in der Berufsgruppe und unterrichtet an der Akademie in Geras. Oder er vergoldet ganz Exotisches – von der Kaffeebohne bis zum Marillenkern. Gold zum Essen gibt’s auch: „Wussten Sie, dass Gold eine Lebensmittelnummer hat? Macht sich toll auf Schokotorten. Ja, manchmal darf’s auch ein bisserl dekadent sein, sage ich  …. Jeder Beruf hat seinen Vogel“, lacht Markus Bauer. In diesem Fall: ein glänzendes Goldkehlchen.

bearbeitet-klein-8819

Ein Besuch in der Werkstatt ist wirklich etwas Besonderes! Termine nach Vereinbarung.

Markus Bauer
Hohensteinstraße 68
3500 Krems
Tel: 02732/81587
vergolder@aon.at

www.vergolder.cc

 

 

 

 

Happy Birthday, Mr. Schmidt …

300 Jahre wäre der Maler Martin Johann Schmidt am 25. September geworden. Krems feiert das barocke Multitalent mit vielen Veranstaltungen.

Was schenkt man einem Kremser Promi zum 300. Geburtstag? Am besten ein ganzes Jahr voller außergewöhnlicher Veranstaltungen: Noch bis 28. Oktober hat die Ausstellung Weltberühmt in Krems im museumkrems geöffnet. Hier bekommt man den spannenden Kontrast zwischen den barocken Bildern von Martin Johann Schmidt und Werken von Padhi Frieberger serviert. Dazu Fotografien von Josef Maria Eder, einem weiteren Ausnahme-Kremser.

bearbeitet-klein-8984
Martin Johann Schmidt vs. Padhi Frieberger im museumkrems
bearbeitet-klein-8972
Künstler, Politiker, Geschäftsmann, Marketingprofi: Martin Johann Schmidt hatte viele Talente.

bearbeitet-klein-9004

Ein Geburtstag, viele Partys.

Damit ein Jubiläumsjahr gelingen kann, greifen in Krems viele Hände in einander: „Dieses Jahr ist für uns Auftakt, um verstärkt mit den Vereinen in der Stadt und anderen Kulturinstitutionen zusammenzuarbeiten“, erzählt Doris Denk, Leiterin des Bereiches Bildung, Kultur und Tourismus. Gemeinsam mit Gregor Kremser, der seit heuer das Kremser Kulturamt leitet, hat sie viel vor. Da ist das Jubiläumsjahr ein guter Prototyp, um neue Veranstaltungen und Formate in Krems möglich zu machen.

bearbeitet-klein-8957
Geburtstagspackerl für den Kremser Schmidt: Gregor Kremser, Leiter des Kulturamts, und Doris Denk, Leiterin des Bereiches Bildung, Kultur und Tourismus

bearbeitet-klein-8935

Aber zurück zu Martin Johann Schmidt, der diesen Herbst mit vielen Veranstaltungen gefeiert wird. Zum Beispiel am 24. September mit dem Vermittlungs-Programm 300 Jahre für 3 Stunden und mit Konzerten in der Pfarrkirche St. Veit (24. September) und im Kloster UND (18. Oktober).

Wein, Tanz & Schokolade

Tanzen wie der Kremser Schmidt? Kann man am 7. Oktober beim Erntedankfest der Pfarre Stein bei einem Workshop mit der Tanzmeisterin Judith Waldschütz.

Das Marketingtalent Martin Johann Schmidt hätte es ähnlich gemacht: Das Geburtstagsjubiläum war auch Anlass für neue Produkte, die als Kremser Mitbringsel um die Welt gehen können. Zum Beispiel barock üppig: Die Konditorei Hagmann hat Martin-Johann-Schmidt-Schokolade kreiert, die es in Kugel- und Taler-Form gibt. Dazu vielleicht ein Glas zeitgenössische Trinkfreudigkeit? Das Weingut Stadt Krems widmet eine Sonder-Edition seines beliebten Grüner Veltliner LÖSSTERRASSEN dem Kremser Schmidt.

bearbeitet-klein-8894

Viel Neues für die Galerien

Viele nehmen runde Geburtstage als Anlass für Veränderungen. Für das Team der Kremskultur ist es Auftakt, die Räumlichkeiten des Dominikanerklosters mit neuen Konzepten zu bespielen. Darin befinden sich nämlich sogar zwei Galerien! Gregor Kremser dazu: „Für die Bibliotheksgalerie arbeiten wir an einer neuen Programmatik. Hier werden wir immer wieder Künstler mit Krems-Bezug zeigen. Wir wollen, dass die Kremserinnen und Kremser wieder gerne zu uns ins Museum kommen.“

Momentan gibt’s in der Bibliotheksgalerie übrigens die Ausstellung des spanischen Malers Daniel Domaika zu sehen. Noch bis 4. Oktober!

bearbeitet-klein-8993

bearbeitet-klein-9014

bearbeitet-klein-9017

„Weltberühmt in Krems. Vom Kremser Schmidt zu Padhi Frieberger“.
Eine Ausstellung der Landesgalerie Niederösterreich im museumkrems.
Bis 28. Oktober 2018, täglich, 11.00 – 18.00 Uhr

„Abierto.Daniel Domaika“ in der Bibliotheksgalerie
zu sehen während der Öffnungszeiten der Stadtbücherei
Finissage: Donnerstag, 4. Oktober, 19 Uhr

museumkrems, Körnermarkt 14, 3500 Krems an der Donau

 

 

 

 

Es ist sehr persönlich.

Papier in Krems? Da landet man schnell beim Namen Juriatti. Ein Fachgeschäft, wie es im Bilderbuch steht.

Die Idee dazu kam ihr im Urlaub: Warum nicht den Namen des eigenen Geschäfts annehmen? So wurde aus Anneliese Lackner im Jahr 2011 Anneliese Juriatti. Ein Schritt, der die Kremserin noch weiter mit ihrem Papier-Geschäft Juriatti zusammenwachsen ließ. Obwohl es anfangs nicht ihr großer Traum war: „Als meine damalige Schwiegermutter 1995 überraschend gestorben ist, habe ich übernommen. Im Laufe der Jahre bin ich dann immer weiter hineingewachsen “, erzählt sie. Sehr besonnen, ja besonders. So wie vieles hier in diesem außergewöhnlichen Geschäft. Gegründet wurde es 1947 von Ernst Juriatti, seitdem befindet es sich in der Hohensteinstraße in Krems.

bearbeitet-klein-3695

bearbeitet-klein-3662

bearbeitet-klein-3660

 1.000 und eine Überraschung in der Werkstatt

Tief hinunter kann man hier „tauchen“. Der Verkaufsraum im Erdgeschoss ist nur die Spitze des Papierbergs. Steigt man die Treppe hinab in die Werkstatt, wird das wahre Juwel sichtbar: knarrende Dielen, historische Lettern, Buchbindemaschinen, die viele Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Und das alles mit Blick auf den Kremsfluss. Hier arbeitet Anneliese Juriatti, wenn ihr Geschäft oben geschlossen hat. Dann bindet sie Bücher, schneidet Passepartouts, gestaltet Billets. Viele schöne Dinge kann man bei ihr nach ganz persönlichen Wünschen anfertigen lassen. „Die meisten Stücke haben hohen emotionalen Wert – sei es ein Tagebuch, ein Fotoalbum oder das restaurierte Rezeptbuch von der Oma. Es ist alles sehr persönlich – und das ist großartig. Das ist jetzt der Kern meines Geschäfts“, sagt Anneliese Juriatti. Früher war es um einiges größer, da hatte Juriatti sieben Mitarbeiter, produzierte viele Verbrauchsartikel. Doch die Zeiten sind vorbei. „Heute sind wir ein Liebhaber-Betrieb. Für Menschen mit Sinn für Schönheit und Tradition“, erklärt die Chefin.

bearbeitet-klein-3679

bearbeitet-klein-3643

bearbeitet-klein-3667

Schöne Dinge für Generationen

Ein buntes Sortiment hat Anneliese Juriatti zusammengetragen von Herstellern, die sie  persönlich kennt: edle Füllfedern, Siegel, Stempel & Tinten – und natürlich Papier! Hunderte Bögen warten hinter der Budel auf neugierige Neubesitzer. „Ich liebe das Besondere! Es macht keinen Spaß Dinge zu verkaufen, die es bei Amazon um den halben Preis gibt.“ Manchmal ist Frau Juriatti auch ein bisschen Frau Doktor. Immer dann, wenn ihre Kunden Bücher mit Wehwehchen bringen. Hier ein Einband, der erneuert werden muss. Da ein Buch, das eine Komplettüberholung braucht. „Sehen Sie, das hier hält wieder für ein bis zwei Generationen“, sagt sie stolz. Dahinter stecken oft viele Stunden Arbeit und besonders liebevolle Zuwendung.

bearbeitet-klein-3703

Man ist hier irgendwie auch in einer Parallelwelt. Einer guten. Sie riecht nach Papier und nach frischem Kaffee, den Frau Juriatti für ihre Gäste macht. Über die Schulter schauen kann man ihr übrigens, wenn sie ab und Workshops gibt, zum Beispiel beim Verein Kre:ART.

bearbeitet-klein-3733

bearbeitet-klein-3691

Juriatti PAPETERIE.kunst.Buchbinderei

Montag, Mittwoch, Freitag: 9 – 12.30 Uhr
Dienstag, Donnerstag: 15 – 18 Uhr
Und nach Termin-Vereinbarung: Anneliese Juriatti: 0664/ 26 11 730