Die magischen Drei

Schauen wir in der Kremser Gulasch-Institution Schwarze Kuchl in die Töpfe. Und Wirt Andreas Macher über die Schulter.

Er selbst isst ja am liebsten Kalbrahmgulasch mit Nockerl. Obwohl der Topseller der Schwarzen Kuchl das Wachauer Gulasch ist. Gurkerl, Würstel und Spiegelei sind die magischen drei Komponenten, die das Rindgulasch in dieser Version flankieren.

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Andreas Macher hat die Schwarze Kuchl 1995 übernommen und zum Gulasch-Hot Spot der Stadt gemacht. Aber eigentlich gibt es das Lokal in der Kremser Fußgängerzone viel länger – in den 20er Jahren war hier schon eine Weinschenke. Andreas Macher hat in die vormals nüchternen Räume ein Sammelsurium an historischen Küchen-Utensilien gepackt: Öfen, Töpfe, Dosen, Seicherl. Die hat er im Zuge etlicher Flohmarkt-Besuche zusammengetragen. Auch ein paar Familienstücke sind mit dabei: „Die Vorratsdosen da oben sind von meiner Oma, die würde ich nie hergeben.“ Heute ist Andreas Macher, dessen private Küche übrigens ganz schlicht ist, kaum noch auf Märkten unterwegs. Weil’s einfach kein Winkerl mehr gibt im Lokal, wo noch Platz wäre. Da konzentriert sich der gelernte Koch – Ausbildung im Landhaus Bacher! – lieber auf andere Themen. Zum Beispiel auf die passende Weinauswahl. Der Hauswein in der Schwarzen Kuchl stammt vom eigenen Weingarten am Weinzierlberg. Gewusst?

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Jö, schau. So a Gulasch!

Eine weitere Besonderheit ist die Schauküche im vorderen Teil des Lokals. Früher war hier eine Feuerstelle. Heute schmurgelt da das Rindsgulasch, die Leber wird frisch geröstet. Alles, was à la minute auf den Teller kommt, wird in der Schauküche zubereitet. „Gäste, die hier vorne sitzen, haben viel mehr Geduld. Die sehen, dass gearbeitet wird“, erzählt der Wirt. Sein Geheimtipp lautet übrigens Zwiebelrostbraten. Am besten selbst ausprobieren, genauso wie das Schnitzel und die verschiedene Salat- und Gulasch-Variationen. Für Studenten gibt’s übrigens eine Sonderedition, für Vegetarier immer wieder mal eine gemüsige Gulasch-Version. Damit sich hier möglichst alle wohlfühlen. Und das den ganzen Tag über: vom Gabelfrühstück bis zum Abendessen. Gulasch geht immer!

 

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Schwarze Kuchl
Untere Landstraße 8, 3500 Krems an der Donau
Telefon:  02732 83 128
Montag bis Freitag: 8.30 bis 19.30 Uhr
Samstag: 8.30 bis 17 Uhr

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Warum der Schmidl eigentlich Gausterer heißt.

Alfred Gausterer ist das Gesicht der Buchandlung Schmidl. Ein Porträt des Kremsers, der seit einem halben Jahrhundert Lust aufs Lesen macht.

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Normalerweise soll man ja zum Schmied gehen, nicht zum Schmiedl. Bei Büchern verhält sich die Sache aber andersrum. Da ist die erste Adresse in Krems „der Schmidl“ – ohne langes „i“. Dafür mit langer Geschichte. Seit 1856 gibt es die Buchhandlung schon in der Oberen Landstraße. Alfred Gausterer gibt dem Laden seit über 50 Jahren ein Gesicht. Angefangen hat er als Lehrling – obwohl er ursprünglich Mechaniker werden wollte. Doch in der Berufsschule hat ihn die Lust am Lesen so richtig gepackt: die Klassiker der Jugendliteratur von Mark Twain zum Beispiel oder Heimatromane von Ludwig Ganghofer. Und so ist er in der Buchhandlung gelandet, die damals einer Schmidl-Tocher gehört hat. Einer gewissen Frau Willingens, die ihn irgendwann gefragt hat, ob er nicht übernehmen wollte. Das war 1980, der Start gar nicht so einfach.

„Ich entschied mich, den Namen Schmidl beizubehalten. Den Gausterer hat damals ja noch keiner gekannt.“

Auch heute wird der Buchhändler immer wieder mit „Herr Schmidl“ angesprochen. Daran hat er sich mittlerweile gewöhnt.

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Pionier & Urgestein: Die Familie macht’s möglich.

Funktioniert hat das Ganze deshalb, weil die Familie Gausterer immer zusammengehalten hat. Alfred Gausterers Frau Waltraud, eine gelernte Papierfachhändlerin, wechselte in die Buchhandlung. Dann kam die Expansion: ins Steinertor und in die Untere Landstraße. „Im Steinertor habe ich es 13 Jahre ausgehalten. Meine Frau leitete in dieser Zeit das Stammgeschäft. Und dann war da noch der Taschenbuch-Shop in der Unteren Landstraße – übrigens der erste Taschenbuchshop in ganz Niederösterreich!“.

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Weder Dan Brown noch Donna Leon: Was Alfred Gausterer am öftesten verkauft, ist Regionalliteratur.

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Irgendwann waren drei Betriebe aber zu mühsam und die Gausterers konzentrierten sich aufs Kerngeschäft. Alfred Gausterer steht mit 69 Jahren noch immer täglich drin – obwohl er bereits an seinen Sohn Andreas übergeben hat. Aber aufhören geht auch nicht. Der Begriff Urgestein drängt sich auf. Wobei der quirlige Herr Gausterer wohl eher das Gegenteil von statisch ist. Immer auf Achse. Immer bemüht um seine Kunden. Deshalb stapeln sich auf seinem Nachttisch nach wie vor Bücher. Aktuell: Martin Walker, Donna Leon und Ken Wallet. „Ich lese immer zwei bis drei Bücher gleichzeitig. Ich muss ja schließlich Bescheid wissen, meinen Kunden etwas empfehlen können.“

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Buchhandlung Schmidl
Obere Landstraße 5, 3500 Krems
Tel: 02732 82243, E-Mail: schmidl@book.at
http://www.book.at

 

Draußen zuhause

Vieles muss laufen, damit in Krems alles läuft. Manfred Wohlgemuth und seine Kolleginnen und Kollegen am Wirtschaftshof arbeiten jeden Tag dafür.

Mädchen für alles sei er, sagt Manfred Wohlgemuth. So vielseitig sind seine Aufgaben am Wirtschaftshof. So flexibel ist er in dem, was er kann und tut. Das, was wir Ottonormal-Kremser vom Wirtschaftshof kennen, ist ja nur die Spitze des Eisbergs: Wir entsorgen dort den Müll, der nicht in die Tonne passt oder darf. Hinter den Containern befindet sich aber noch ein Labyrinth an Werkstätten, Garagen, Lagerräumen. Hier werken Tischler, Elektriker, Kanalarbeiter, Gärtner, ja auch die Kremser Müllabfuhr ist am Gelände stationiert. Zirka 30 Leute sind sie hier, sagt Herr Wohlgemuth. Und eigentlich kann er mit allen. „Nur wenn jemand nicht grüßen kann, das ärgert mich. Aber prinzipiell rennt der Schmäh bei uns. Und das ist gut so.“

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Stauden schneiden, Randsteine setzen: Manfred Wohlgemuth kann alles. Hauptsache: draußen.

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Der Kick, dass jeder Tag anders ist

Manfred Wohlgemuth ist das „Chamäleon“. Regelmäßig fährt er mit am Müllwagen. Doch meistens ist er am Hollenburger Wirtschaftshof. Außenstelle sozusagen. Da schaut er drauf, dass das Gelände in Ordnung ist. Und er ist für die umliegenden Orte zuständig. Für Thallern, Angern, Brunnkirchen, das Wetterkreuz. Da geht’s darum, Stauden zu schneiden, Gehsteige zu säubern, Randsteine einzusetzen. Am nächsten Tag kann’s sein, dass er den Asphaltierern hilft, wenn wieder ein Stück Straße zu machen ist. Oder er fährt mit in eine der Schulen, für die die Stadt zuständig ist, zum Ausräumen oder Ausbessern. Kein Tag ist wie der andere. „Ich bin gern unterwegs und mag den Kick, dass jeder Tag anders ist. Einen Computer könnt’ ich nicht einmal einschalten. Ich bin draußen zuhause.“

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„In zwei Jahren hab’ ich den 30er

… erzählt Manfred Wohlgemuth. Lebensjahre? Geht sich nicht ganz aus, lacht der 58-Jährige. Aber Arbeitsjahre für die Stadt Krems. „Und es war eine gute Entscheidung. Das ist ein sicherer Job, und das ist in einem gewissen Alter auch sehr wichtig.“ Langweilig wird ihm wohl nie werden, dem Herrn Wohlgemuth. „In der Pension, da werde ich dann wahrscheinlich nur mehr draußen sein.“

Danke fürs Gespräch, Herr Wohlgemuth!

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