Warum der Schmidl eigentlich Gausterer heißt.

Alfred Gausterer ist das Gesicht der Buchandlung Schmidl. Ein Porträt des Kremsers, der seit einem halben Jahrhundert Lust aufs Lesen macht.

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Normalerweise soll man ja zum Schmied gehen, nicht zum Schmiedl. Bei Büchern verhält sich die Sache aber andersrum. Da ist die erste Adresse in Krems „der Schmidl“ – ohne langes „i“. Dafür mit langer Geschichte. Seit 1856 gibt es die Buchhandlung schon in der Oberen Landstraße. Alfred Gausterer gibt dem Laden seit über 50 Jahren ein Gesicht. Angefangen hat er als Lehrling – obwohl er ursprünglich Mechaniker werden wollte. Doch in der Berufsschule hat ihn die Lust am Lesen so richtig gepackt: die Klassiker der Jugendliteratur von Mark Twain zum Beispiel oder Heimatromane von Ludwig Ganghofer. Und so ist er in der Buchhandlung gelandet, die damals einer Schmidl-Tocher gehört hat. Einer gewissen Frau Willingens, die ihn irgendwann gefragt hat, ob er nicht übernehmen wollte. Das war 1980, der Start gar nicht so einfach.

„Ich entschied mich, den Namen Schmidl beizubehalten. Den Gausterer hat damals ja noch keiner gekannt.“

Auch heute wird der Buchhändler immer wieder mit „Herr Schmidl“ angesprochen. Daran hat er sich mittlerweile gewöhnt.

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Pionier & Urgestein: Die Familie macht’s möglich.

Funktioniert hat das Ganze deshalb, weil die Familie Gausterer immer zusammengehalten hat. Alfred Gausterers Frau Waltraud, eine gelernte Papierfachhändlerin, wechselte in die Buchhandlung. Dann kam die Expansion: ins Steinertor und in die Untere Landstraße. „Im Steinertor habe ich es 13 Jahre ausgehalten. Meine Frau leitete in dieser Zeit das Stammgeschäft. Und dann war da noch der Taschenbuch-Shop in der Unteren Landstraße – übrigens der erste Taschenbuchshop in ganz Niederösterreich!“.

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Weder Dan Brown noch Donna Leon: Was Alfred Gausterer am öftesten verkauft, ist Regionalliteratur.

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Irgendwann waren drei Betriebe aber zu mühsam und die Gausterers konzentrierten sich aufs Kerngeschäft. Alfred Gausterer steht mit 69 Jahren noch immer täglich drin – obwohl er bereits an seinen Sohn Andreas übergeben hat. Aber aufhören geht auch nicht. Der Begriff Urgestein drängt sich auf. Wobei der quirlige Herr Gausterer wohl eher das Gegenteil von statisch ist. Immer auf Achse. Immer bemüht um seine Kunden. Deshalb stapeln sich auf seinem Nachttisch nach wie vor Bücher. Aktuell: Martin Walker, Donna Leon und Ken Wallet. „Ich lese immer zwei bis drei Bücher gleichzeitig. Ich muss ja schließlich Bescheid wissen, meinen Kunden etwas empfehlen können.“

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Buchhandlung Schmidl
Obere Landstraße 5, 3500 Krems
Tel: 02732 82243, E-Mail: schmidl@book.at
http://www.book.at

 

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Draußen zuhause

Vieles muss laufen, damit in Krems alles läuft. Manfred Wohlgemuth und seine Kolleginnen und Kollegen am Wirtschaftshof arbeiten jeden Tag dafür.

Mädchen für alles sei er, sagt Manfred Wohlgemuth. So vielseitig sind seine Aufgaben am Wirtschaftshof. So flexibel ist er in dem, was er kann und tut. Das, was wir Ottonormal-Kremser vom Wirtschaftshof kennen, ist ja nur die Spitze des Eisbergs: Wir entsorgen dort den Müll, der nicht in die Tonne passt oder darf. Hinter den Containern befindet sich aber noch ein Labyrinth an Werkstätten, Garagen, Lagerräumen. Hier werken Tischler, Elektriker, Kanalarbeiter, Gärtner, ja auch die Kremser Müllabfuhr ist am Gelände stationiert. Zirka 30 Leute sind sie hier, sagt Herr Wohlgemuth. Und eigentlich kann er mit allen. „Nur wenn jemand nicht grüßen kann, das ärgert mich. Aber prinzipiell rennt der Schmäh bei uns. Und das ist gut so.“

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Stauden schneiden, Randsteine setzen: Manfred Wohlgemuth kann alles. Hauptsache: draußen.

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Der Kick, dass jeder Tag anders ist

Manfred Wohlgemuth ist das „Chamäleon“. Regelmäßig fährt er mit am Müllwagen. Doch meistens ist er am Hollenburger Wirtschaftshof. Außenstelle sozusagen. Da schaut er drauf, dass das Gelände in Ordnung ist. Und er ist für die umliegenden Orte zuständig. Für Thallern, Angern, Brunnkirchen, das Wetterkreuz. Da geht’s darum, Stauden zu schneiden, Gehsteige zu säubern, Randsteine einzusetzen. Am nächsten Tag kann’s sein, dass er den Asphaltierern hilft, wenn wieder ein Stück Straße zu machen ist. Oder er fährt mit in eine der Schulen, für die die Stadt zuständig ist, zum Ausräumen oder Ausbessern. Kein Tag ist wie der andere. „Ich bin gern unterwegs und mag den Kick, dass jeder Tag anders ist. Einen Computer könnt’ ich nicht einmal einschalten. Ich bin draußen zuhause.“

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„In zwei Jahren hab’ ich den 30er

… erzählt Manfred Wohlgemuth. Lebensjahre? Geht sich nicht ganz aus, lacht der 58-Jährige. Aber Arbeitsjahre für die Stadt Krems. „Und es war eine gute Entscheidung. Das ist ein sicherer Job, und das ist in einem gewissen Alter auch sehr wichtig.“ Langweilig wird ihm wohl nie werden, dem Herrn Wohlgemuth. „In der Pension, da werde ich dann wahrscheinlich nur mehr draußen sein.“

Danke fürs Gespräch, Herr Wohlgemuth!

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Go, Goliath, go!

Kommt mit aufs Schlachtschiff in Sachen Wein: Zu den Winzer Krems und zum Kremser Schmidt.

Ich will ja immer Trüffelschwein sein. Nach neuen Lokalen graben. Raritäten ausbuddeln. Bei dieser Geschichte hab ich das Schwein von hinten aufgezäumt. Und bin direkt zu Goliath in Sachen Wein – zu den Winzer Krems. Der größte Weinbaubetrieb Österreichs. Eine Winzergenossenschaft mir 1.000 Mitgliedern und 1.000 Hektar Rebfläche.

Sie steht direkt in Krems – die „Sandgrube 13“ ist nicht nur Bestandteil des Markenauftritts, sondern auch Adresse. Ein Produkt, das für die Brand-Identity maßgeblich ist, wie so viele meiner Werbe-Kollegen so schön sagen, ist der Kremser Schmidt. Ein Wein, den es seit 1961 gibt. Das Ziel: Jedes Jahr soll er ähnlich schmecken. Vorrangig einem Zielpublikum, das ihn durchschnittlich schon sehr viele dieser Jahre begleitet.

Gerade weil ihm so ein Hauch Naphthalin anhaftet, hat er mich interessiert, der Wein. Um knappe 5 Euro gibt’s da eine Flasche frisch-fruchtigen Wein. Gut! Etwas Unkompliziertes. Gar nicht verstaubt.  „Der Kremser Schmidt ist ja ein modern gemachter Wein, der bewusst nostalgisch daherkommt“, erklärt Marketingleiter Stephan Nessl. Für LUST AUF KREMS hat er zwei ältere Jahrgänge aus dem Keller und Pressefotos aus dem Archiv geholt.

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Links unten: die Weinpräsentation im Hotel Europa 1961. Rechts oben: Die passende Bim im Kremser-Schmidt-Branding

Präsentiert wurde der Kremser Schmidt 1961 übrigens in Wien im Hotel Europa. Damals noch von alt-ehrwürdigen Herrn mit Schnauzern. Das Gesicht des Marketings hat sich also verändert. Das des Kremser Schmidt nur in sanften Dosen. Seit 2011 gibt’s ihn wieder in der Originalflasche wie anno dazumal.

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3 Generationen Kremser Schmidt: Jahrgang 1964, 2010, 2015.

Der Kremser Schmidt ist nichts weniger als der erfolgreichste Wein der Winzer Krems. Bis zu 200.000 Flaschen gehen da pro Jahrgang raus. Früher gab’s ihn auch in Rot. Heute gibt’s nur mehr die weiße Variante – ein Cuvée aus Grünem Veltliner.

Auch bei der Führung durch die Genossenschaft ist der Kremser Schmidt natürlich Thema. Der Namensgeber war nämlich ähnlich erfolgreich wie sein Wein. Martin Johann Schmidt war einer der bekanntesten Maler seiner Zeit – ein Ai Wei Wei des Barock sozusagen. Viele seiner Werke sind rund um Krems verstreut – in Spitz, Wien, Moritzreith. Sein Wohnhaus steht übrigens in der Steiner Landstraße Nummer 22.

Die Genossen am Traktor.

Hier geht’s jetzt weiter mit einem kleinen Rundgang durch die Winzer Krems. Während meiner Recherche war gerade Hochsaison. Die Traktoren-Schlange am Gelände schier endlos. Viele Genossenschafts-Mitglieder lieferten gerade ihre Trauben ab. Der Herr auf der Balustrade – der Herr über die Qualität. Denn der Stab in der Hand ist kein Walking-Stecken. Damit nimmt er eine repräsentative Probe der gelieferten Trauben.

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Der Rundgang durch die Genossenschaft macht ihre Größe spürbar. Ein Blick in den Keller verrät: Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Hier wird zielstrebig gearbeitet, um gute unkomplizierte Weine zu machen, die einem breiten Publikum schmecken. Fokus auf Primäraromen. Frisch, fruchtig, duftig lautet die Devise.

Nebenbei erfährt man noch viel über die Gegend. Und ein paar nette Geschichten, wenn man so einen begeisterten Guide hat wie den Herrn Winkler. Der hat mit einem schönen Zitat von Lessing geschlossen. Ich tu es ihm gleich:

Ob ich morgen leben werde,
Weiß ich freilich nicht:
Aber, wenn ich morgen lebe,
Daß ich morgen trinken werde,
Weiß ich ganz gewiß.

Gotthold Ephraim Lessing

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Winzer Krems, Sandgrube 13, 3500 Krems
Tel. +43 (0)2732 85511, office@winzerkrems.at

Ab Hof-Verkauf
Montag bis Freitag: 8.00 – 17.00 Uhr
Samstag 10.00 – 17.00 Uhr
Mai bis Oktober zusätzlich: Sonn- und Feiertag 10.00 – 16.00 Uhr

Führungen an geöffneten Tagen um 10.00 Uhr und 14.00 Uhr oder für Gruppen ab 20 Personen innerhalb der Öffnungszeiten gegen Voranmeldung.

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