Greißlerinnen für die Seele

Die Liebelei in der Kremser Göglstraße feiert die Freude an den schönen Dingen.

Ein raumhoher Einbauschrank für die nächsten 20 Jahre – das wäre Alexandra Boldiszars absoluter Albtraum. Viel zu gerne stellt sie Möbel um. Gestaltet Räume neu. Streicht Wände mal schnell in einer anderen Farbe „Eine Sache von einer Stunde“.

Alexandra Birochs, ihrer Partnerin in der Liebelei, geht’s ähnlich. Auch sie ist kreativer Kopf mit dem Hang, Dinge in Bewegung zu halten. Mit der Göglstraße Nummer 4 haben sich die beiden Alexandras nicht nur den Traum vom eigenen Geschäft erfüllt. Sondern auch einen guten Platz gefunden, um dem „Umstelltrieb“ zu frönen.

„Unsere Männer sind total glücklich, dass wir jetzt im Geschäft alles umräumen – und nicht mehr zuhause.“ Alexandra Boldiszar

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Alexandra Boldiszar (links) und Alexandra Birochs (rechts).

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Um umzuräumen und zu gestalten gibt in der Liebelei schier endlos viele Möglichkeiten. Auf gut 70 Quadratmetern kann man hier nämlich hunderte (tausende?) liebevoll ausgesuchte Stücke für zuhause oder sich selbst entdecken. Porzellan für den schönen Tisch. Pölster für gemütliche Ecken. Bilderrahmen für den Liebsten. Schmuck für die Liebste.

„Wir suchen unsere Stücke sehr sorgfältig aus. Ich verkaufe nichts, was ich nicht auch selbst gern zuhause hätte.“

Den beiden merkt man richtig an, wie gern sie das tun, was sie tun. Goldrichtig, sind sie hier. So wie der schöne Christbaumschmuck der jetzt gerade von der Decke baumelt.

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Wenn die Liebelei zur Seelen-Greißlerei wird.

Viele Kunden kommen immer wieder ins Geschäft. Machen hier Pause. Holen Luft vom stressigen Alltag. Die Liebelei ist ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen und etwas entdecken kann. Ja, sich auch mal Dinge von der Seele sagen kann. „Ab und zu sind wir Seelenklempner. Ich provozier‘ das auch gern, weil ich so viel quatsche“, lacht Alexandra Boldiszar.

Seele haben auch die Dinge, die man entdecken kann. Es sind Stücke, die man gern in die Hand nimmt. Viele davon werden im Laufe der Jahre Patina gewinnen. So wie die Tasse, die vielleicht zur Lieblingstasse wird.

„Einen IKEA-Schrank lässt man in einer Wohnung schon mal zurück. Wir mögen Dinge, die durchs Leben begleiten.“

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Wenn Wege auseinander und wieder zusammen führen

Der Weg zum gemeinsamen Geschäft war für beide übrigens ein verschlungener. Aufgewachsen sind sie miteinander in Sitzenberg-Reidling. Dann haben sich Alexandra und Alexandra klassisch aus den Augen verloren. Alexandra Birochs hat in Hetzendorf Stoffdesign gelernt. Alexandra Boldsizar eine Vergolder-Lehre und eine Ausbildung zur Einrichtungsberaterin gemacht.

Wiedergetroffen haben sich die beiden am Adeventmarkt in Schloss Grafenegg. Beide als Ausstellerinnen. Beide mit der Lust, gemeinsam etwas Neues anzufangen. Das war 2008. Seit 2010 gibt’s die Liebelei in der Göglstraße. Bald vielleicht auch mit mehr Platz. Denn der fehlt im Moment noch für die zahlreichen Möbelstücke, die die Zwei gesammelt haben.

Die Liebelei
Göglstraße 4, 3500 Krems an der Donau
+43 664 150 12 68  oder +43 676 576 62 91
office@dieliebelei.at

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag: 9.00 – 12.30 Uhr und 13.00 – 18.00 Uhr
Samstag: 10.00 – 16.00 Uhr

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Eigentlich hätt’s der alte Saustall werden sollen.

Die Keramikerin Iris Auer-Möseler hat sich ihre Werkstätte in einem Bauernhaus in Sachsendorf eingerichtet. Ein großes Atelier im ehemaligen Stall wäre zu aufwändig gewesen. Deshalb werkt Iris nun im ältesten Teil des Hauses, hinter schrägen Lehmwänden und schiefen Holztüren. Dieses Mini-Atelier ist für sich schon einen Besuch wert. Also kommt mit rein, der Kaffee wird kalt …

Atelier von Iris Auer-Möseler | www.lustaufkrems.com

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Ich hab‘ Iris dort an einem gemütlichen Sonntag besucht – und bin mit selbstgemachten Mohn-Powidl-Walnuss-Muffins empfangen worden. Sprich: Geiler geht’s nicht. Diese Zeilen entstanden also unter erheblichem Zucker-Einfluss. Was gibt’s Besseres. Denn Kaffee & Kuchen passen perfekt zu Iris‘ Keramik. Besser gesagt auf sie. Auf die Frühstücksteller aus Steinzeug. In die Espressotassen aus feinem Porzellan.

„Meine Stücke müssen funktionell und alltagstauglich sein“, sagt Iris. Deshalb überrascht die filigran wirkende Schale aus Keramik-Spritzern, indem sie robust in der Hand liegt. Die Technik dahinter hat Iris im Zuge vieler Masseversuche entwickelt. Nach ihrem Studium an der Kunstuni Linz hat Iris nämlich in einem Labor für keramische Glasuren und Dekorfarben gearbeitet – und dort experimentiert. Beim Keramik-Machen ist es ein bisserl wie beim Backen. Das geht nicht nur aus dem Bauch heraus. Da muss man sich an Rezepturen und Temperaturen halten.

Und der Vergleich passt auch, wenn man Iris zuschaut. Wie sie die Mischung  in der roten Backschüssel anrührt. Während in der Küche Mandelmakronen und Vanillekipferl rauskommen, ist es bei Iris eine zweifärbige Porzellantasse. In Grau und Weiß, so wie die meisten ihrer Stücke. Reduziert in der Farbe. Verspielt in Struktur & Detail. Was für eine schöne Mischung.

„Beim Zentrieren musst du zentriert sein“. Iris arbeitet auch mit Ton – und mit der Töpferscheibe, die auch noch irgendwie in die Werkstatt passt. Also spiegelt sich den Objekten auch immer der Mensch, der sie macht. In diesem Fall ein sehr sympathischer.

Und was das da draußen ist? „Im Garten liegt ein Teil meiner Diplomarbeit“. Keramik-Objekte, biomorphe Strukturen und Formen. Die ganz andere Seite der Iris Auer-Möseler. Genauso spannend!

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Keramik von Iris Auer-Möseler | www.lustaufkrems.com

Nun noch die wichtigen Details. Hier könnt ihr schöne Stücke von Iris anschauen und kaufen:

Oder – recommended – ihr macht euch mit Iris einen Termin aus und besucht sie in ihrer Werkstätte. iris@iam-keramik.at

Und wen’s noch interessiert – derStandard hat auch gerade über die neue Generation an Keramikern geschrieben und über den Hotspot Stoke-On-Trent.