Der Duft von Petersilie

Der Wochenmarkt ist eine Kremser Institution. So wie der Gemüsestand von Josef Parzer.

Viele Wünsche hätte sie, seufzt die freundliche Dame mit einem Augenzwinkern. Nicht alle kann ihr Josef Parzer erfüllen. Den Wunsch nach frischen Radieschen und speckigen Erdäpfeln allemal.

Immer freitags und samstags verkauft Josef Parzer sein Gemüse am Kremser Wochenmarkt. Gemeinsam mit rund 60 anderen Standlerinnen und Standlern sorgt er für buntes Treiben am Pfarrplatz. Denn kaum hat er seine Gemüsekistln aufgebaut, scharen sich die Damen rund um seinen Stand. Hie und da auch ein Herr mit Einkaufskorb. Viele davon kennt Josef Parzer schon lange. Kein Wunder, fährt er doch schon seit 33 Jahren zum Markt. Zuerst als Begleiter der Oma: „Die ist noch mit zwei Tischplatten gefahren. Erdäpfel, Kraut, Rüben – das war’s so in etwa“. Heute stapeln sich dutzende Gemüsesorten an seinem Stand. Dazwischen Äpfel, frische Petersilie, ein Strauß Narzissen. „Bis auf den Spargel ist alles von mir. An die 90 Sorten rund ums Jahr.“ Sie alle baut Josef Parzer an seinem Hof in Rohrendorf an. Regionaler geht‘s kaum.

bearbeitet-klein-1996

bearbeitet-klein-2066

bearbeitet-klein-1984

Schneller als der Rechner erlaubt

In 33 Jahren am Markt lernt man so einiges. Kopfrechnen zum Beispiel. Bewundernswert, wie Josef Parzer gleichzeitig rechnet, Gemüse einsackelt und schon die nächste Bestellung aufnimmt. Männer und Multitasking – geht also doch. Und das ziemlich flott. „Mit dem Taschenrechner wäre ich viel langsamer, das geht gar nicht.“ Da setzt er lieber auf seinen Kopf. Und auf eine Portion Großzügigkeit: Einen Apfel als Dankeschön gibt’s häufig obendrauf.

bearbeitet-klein-1972

bearbeitet-klein-1943

bearbeitet-klein-2076

Ode an die Sprosse

Herr Parzer selbst isst ja am liebsten Kohlsprossen. Ganz einfach gedämpft und in Butter geschwenkt. Und auf die Frage, ob ihm das viele Gemüse nicht irgendwann genug wäre, antwortet er mit bestimmtem Kopfschütteln. „Vegetarier bin ich keiner, aber Gemüse geht immer. Die Mischung macht’s aus“. Und die ist an Herrn Parzers Stand stets bemerkenswert. Da kann man selbst im Winter immer wieder neue Sorten entdecken – so wie die „Flower Sprouts“, eine Kreuzung aus Grünkohl uns Kohlsprossen. Falls ihr jetzt fragend schaut: Herr Parzer liefert auch das passende Rezept dazu.

Am liebsten Winter!

Während der Frühling gerade so richtig durchstartet und sich am Tisch Radieschen und Spargel türmen, sehnt sich Herr Parzer insgeheim nach dem Winter. Ein bisschen zumindest. Jetzt heißt es neben dem Verkauf auch Pflanzen setzen, im Weingarten arbeiten. In der kalten Jahreszeit kann er es langsamer angehen. Nur an seinem Stand am Pfarrplatz wird’s eines nie werden: ruhig. Da kommt auch schon die nächste Kundschaft, weiter geht’s. Was darf’s sein?

bearbeitet-klein-1907

bearbeitet-klein-2017

Kremser Wochenmarkt, jeden Freitag und Samstag Vormittag am Pfarrplatz
Zum Gemüsehof von Herrn Panzer geht’s hier.

Advertisements

P wie Pancetta.

Finalmente! Ein italienischer Feinkostladen in der Stadt.

Er lebt ihn. Den Aussteigertraum par excellence: Prosciutto aufschneiden, mit Gästen bei bei Friulano und Spumante über die Welt und gutes Brot philosophieren.

Bis vor kurzem war Hans Martinetz noch Manager in Dubai. Seit Ende Jänner hat er seinen Alimentari-Laden Il Magazzino in der Steiner Landstraße geöffnet. Dort finden Feinspitze alles was Gaumen und Herz erfreut: Weine aus Italien und Österreich, edle Fisch-Konserven aus Frankreich, Pasta aus Neapel, Limonaden aus Lyon und eine kleine feine Theke. Darin handverlesene Köstlichkeiten, die nach Urlaub schmecken: Lardo, Bresaola, Pecorino, Taleggio … Da fängt das italophile Herz zu bumpern an.

bearbeitet-klein-9464

Hans Martinetz, il Magazzino

„Irgendwann hatte ich genug davon, in großen Konzernen zu arbeiten. Von diesem Laden wusste ich: Der macht Spaß.“

Hans Martinetz bezieht viele seiner Produkte von einem Großhändler aus Venedig. Dem vertraut er, der vertreibt viele Slow Food-Produkte. Den Rest vom Sortiment hat er selbst entdeckt. In unzähligen Reisen nach Italien, Istrien und Südfrankreich. Oder an den Wochenenden, die er immer wieder in seiner Wohnung in Triest verbringt: „Der kürzeste Weg zum Meer“. Am Rückweg ist der Wagen stets randvoll mit Delikatessen. Alles, was hineinpasst, wird mitgenommen.

bearbeitet-klein-9470

bearbeitet-klein-9457

bearbeitet-klein-9488

Knabbergebäck aus Apulien. Haselnuss-Aufstrich mit dem höchsten Nuss-Anteil weit und breit. Colomba aus Triest. Im Il Magazzino kann man auch schöne Geschenke kaufen. Für sich selbst oder Menschen, die ähnlich ticken. Man kann aber auch vor Ort kosten. Mehrere Weine schenkt Hans Martinetz glasweise aus: Friulano, Ribolla Gialla, Pinot Grigio. Ja, auch Champagner. Und der Chef versichert:

„Wir können über alles reden. Wenn euch ein Wein interessiert, mache ich ihn auf.“

Zum Wein probiert man am besten etwas aus der Theke: ein Semmerl mit Mortadella. Eine kleine Käsevariation. Dazu passt herrlich das Sauerteig-Brot von Fritz Potocnik, das immer freitags frisch ins Il Magazzino geliefert wird. Caffè gibt’s auch. Ein Dolce dazu?

bearbeitet-klein-9435

bearbeitet-klein-9431

bearbeitet-klein-9440

Der geborene Wiener wohnt übrigens schon 25 Jahre in Krems. Beruflich kam er viel herum. Jetzt ist er im Süden gelandet – mitten in Krems/Stein.

Gut so!

Il Magazzino
Steiner Landstraße 76
3500 Krems
Tel.: +43 664 844 61 73
E-Mail: magazzino@il-magazzino.com

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Freitag: 10 – 19 Uhr
Samstag: 10 – 13 Uhr

bearbeitet-klein-9471

bearbeitet-klein-9483

 

Kultur mit Cremeschnitte.

Die kleine Gemeinde Mühldorf macht großes Programm in Sachen (Ess-)Kultur.

Klassisch Wachau ist Mühldorf nicht mehr. Da ist schon eine kräftige Portion Waldviertel mit dabei, wenn man durch den Spitzer Graben Richtung Norden kurvt. Umso überraschter darf man sein, dass sich in der kleinen Gemeinde vieles tut. Mühldorf hat seit zwei Jahren ein buntes Kulturprogramm: Kultur.Kabarett.Kleinkunst. Zwischen September und April holen die Mühldorfer da Künstler aus ganz Österreich zu sich nachhause. Das ist der Grundgedanke. Fahr nicht fort, konsumier‘ Kultur im Ort.

„Vor 5 Jahren hätte keiner geglaubt, dass der Schenk in Mühldorf spielt“

Das erzählen Erwin Höbartner, der Amtsleiter, und Andrea Topitz-Kronister, die das Kulturprogramm auf die Beine stellt: „Wir wollten ein Programm mit Qualität bieten, auch große Namen nach Mühldorf holen. Eröffnet hat zum Beispiel Heinz Marecek. Miguel Herz-Kestranek war auch schon da. Wir machen ja nicht nur Kabarett, sondern auch Lesungen. Das geht übrigens auch gut. Und jetzt verhandle ich gerade mit Otto Schenk“, sagt Andrea Topitz-Kronister.

bearbeitet-print-6854

bearbeitet-print-6846
Ruhe vor den nächsten Veranstaltungsstürmen: Andrea Topitz-Kronister und Erwin Höbartner

Wie immer sind es die Menschen, die so eine Initiative ausmachen. Ausgegangen ist Kultur.Kabarett.Kleinkunst. übrigens vom verstorbenen Bürgermeister Manfred Hackl. Der wusste: Für Kultur muss man Geld in die Hand nehmen, dann kann man etwas schaffen. Seine Nachfolgerin Beatrix Handl sieht das genau so – und sitzt bei jeder Veranstaltung hinter der Ticketkassa im Dorfgemeinschaftshaus. Viel persönliches Engagement steckt von allen Beteiligten in diesem Projekt.

Zwei Wirtshäuser. Ganz viel Mmmh!

Viele Wirtshäuser sperren zu, hier bauen sie aus: Das Gasthaus Weißes Rössl befindet sich gleich neben dem Dorfgemeinschaftshaus – ist also die Pole-Position, um sich vor oder nach einem Kulturabend gebührend zu stärken. Roman Siebenhandl hat den Betrieb gerade um großzügige Gästezimmer erweitert. Nach Mühldorf kommt man, um zu bleiben. Zumindest für eine Nacht.

bearbeitet-print-6875
Auf einen Café beim Wirt: Beatrix Handl und Roman Siebenhandl

Macht man einen kleinen Spaziergang in den Ortsteil Niederranna, dann wartet ein zweites gutes Wirtshauserlebnis: Der Busch. Ein Gasthaus wie es im Bilderbuch steht, so gemütlich, dass man nach einem ausgiebigen Mittagessen am liebsten den ganzen Nachmittag pickenbleiben möchte. Der Familie gehört der Hof schon seit 1806, jetzt bewirtschaften ihn Johann und Gerlinde Busch, gemeinsam mit ihrer Tochter Michaela. Auch die Oma steht ab und zu noch in der Küche – von dort aus wandern die Rindsbraten mit Knödel und die gebackenen Surschnitzeln flugs in die Gaststube. Oder die wunderbaren Cremeschnitten, die mit einem Klecks Marillensauce serviert werden. Wir sind ja schließlich – gerade noch – in der Wachau!

bearbeitet-klein-7519

bearbeitet-klein-7513
Auf ein Bier beim Busch.

bearbeitet-klein-7525

Fisch, Chili und Käse ab Hof

In Mühldorf gibt es auch eine Reihe interessanter Produzenten. Chili-Produkte von Markus Preiser kann man zum Beispiel gleich im Gasthaus Busch kaufen, hier werden auch die frischen Fische von WALDFISCH verarbeitet. Der Mühldorfer Betrieb räuchert seine Bio-Aale, -Forellen, -Saiblinge & Co übrigens auch – dann kann man sie besonders gut mitnehmen.

Käse schließt den Magen. Am Schluss einer ausgiebigen Mühldorf-Tour ist die Biokäserei von Roland Berger ein guter Tipp. Camembert, Gouda, Frischkäseguperl – Roland Berger verarbeitet in erster Linie Schafmilch. Aber auch den einen oder andern Kuh- und Ziegenkäse gibt’s zu entdecken. Am besten bei einer ausgiebigen Verkostung. Die gibt’s gegen Voranmeldung übrigens auch inklusive Weinbegleitung zu buchen!

Q95A9804

Q95A9715

In der aktuellen Spielsaison Kultur.Kabarett.Kleinkunst im Dorfgemeinschaftshaus steht am Spielplan:

  • Gernot Kranner – „Pinocchio – Das Mitsing-Musical“ Ab 4 Jahre
    18.03.2018 – Sonntag | 16.00 Uhr | € 6,-            
     Ticket bestellen
  • Klaus Eckel – „Zuerst die gute Nachricht“
    14.04.2018 – Samstag | 20.00 Uhr | € 25,-             

    Ticket bestellen

Veranstaltungsvorschau: Am 5./6. Mai gibt es in Niederranna ein Dorffest, bei dem die regionalen Produzenten viele Schmankerl bereithalten werden: Säfte, Honig, Käse, Knoblauch, Fische, Jungpflanzen &  Kunsthandwerk.