Auch das ist Krems.


Lernen wir Geschichte. Mit dem Kremser Historiker Dr. Robert Streibel.

Der Platz vor der Kunsthalle heißt Franz-Zeller Platz. Wisst ihr eigentlich warum? Franz Zeller war ein Kremser Widerstandskämpfer und wurde 1942 von den Nazis ermordet.

Heute geht’s mal nicht um Kunst. Oder ein neues Lokal. Heute geht’s um Kremser Geschichte. Oder Geschichten, wie Robert Streibel sagen würde. Weil’s wichtig ist, sich auch einmal mit den nicht so lustigen Seiten von Krems auseinanderzusetzen. Um etwas zu lernen. Um sich nicht auszuruhen. Um etwas mitzunehmen. Auch deshalb bin ich nach Wien gefahren. Zu Robert Streibel. Der gebürtige Kremser ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten, wenn es um die Erinnerungskultur in Krems geht. Jetzt hat er ein neues Buch geschrieben, den Roman „April in Stein“.

„Jede Generation muss ihren Zugang zur Geschichte finden. Das heißt nicht, dass man den Leuten dauernd am Wecker geht. Aber es ist wichtig, sie immer wieder zu erinnern“, sagt Robert Streibel. In seinem neuen Buch geht es um das Massaker in der Strafanstalt Stein. Am 6. April 1945 wurden dort knapp 400 Häftlinge ermordet, um ihre Entlassung zu verhindern.

Eine Kremser Geschichte ist auch, dass einer dieser Insassen damals das Massaker überlebte. Schwer verletzt unter einem Berg von Leichen. Der Grieche Gerasimos Garnelis. „Er blieb nach dem Krieg in Krems, wurde sogar Präsident des FC Stein. Und damals war ein Grieche in der Stadt noch ziemlich exotisch“, erzählt Robert Streibel. Jetzt wird nach dem griechischen Widerstandskämpfer in Stein eine Gasse benannt.

Es sind Menschen und Geschichten wie diese, die Robert Streibel seit seiner Teenagerzeit interessieren. „1983 begann ich, Interviews mit Kremserinnen und Kremsern zu führen. Zuerst mit den Widerstandskämpfern, mit Kommunisten. Die waren am ehesten bereit, über die Vergangenheit zu sprechen. Das Faszinierende daran war immer, dass man kleine Romane gehört hat. Die Leute erzählen ja Geschichten, nicht die Geschichte.“

Dass Robert Streibel im Zuge seiner Recherchen nicht immer auf offene Arme traf, wundert irgendwie nicht. Aber es ist besser geworden, sagt er. „Die Stadt Krems übernimmt jetzt Verantwortung – und teilweise die Erinnerungsarbeit.“

Ich habe Robert Streibel nach jüdischen Spuren in Krems gefragt. So spontan sind mir nämlich keine eingefallen. Aber es gibt sie. Die „Judengasse“ beim Dreifaltigkeitsplatz. Die Tafel für die zerstörte Synagoge in der Dinstlstraße. Den jüdischen Friedhof in der Wiener Straße, der es übrigens auch ruhig einmal wert ist zu besuchen. Ein kleines Abenteuer fast. Den Schlüssel holt man sich nämlich gegenüber im Autohaus. Das verrostete Vorhängeschloss. Die verwilderten Gräber. Ein Ort, der irgendwie unwirklich ist – so zwischen Schnellstraße, Autohaus und Einkaufszentrum. Der in seiner ganzen Morbidität aber auch etwas Schönes hat. Ein Ort, der zu Krems gehört.

Noch viel mehr über Kremser Geschichte findet ihr auf der Seite von Robert Streibel.

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