Was Jean und Tina verbindet.

Die Stadtbücherei oder Schau, was vor deiner Nase liegt!

Jean liegt neben Tina. Und das auf dem Tresen der Kremser Stadtbücherei. Ob ein und derselbe Leser sie ausgeborgt hat? Warum nicht. Nach einem Kapitel Jean Ziegler tut vielleicht eine Seite TINA gut. Umgekehrt umso mehr.

Es leben die Kontraste. Und auf die will ich euch in dieser Geschichte Lust machen. Die Kremser Stadtbücherei ist voll davon. Sie liegt im Herzen von Krems am Körnermarkt, direkt vor unserer Nase. Und vielleicht geht’s euch so wie mir – dass ihr bis jetzt einfach immer vorbeigegangen seid. Die alten verwinkelten Treppen noch nicht hinaufgestiegen seid. Die Wandmalereien noch nie gesehen und Frau Reischl noch nicht kennengelernt habt. Niemand kennt die Bücherei besser. 40 Jahre im Dienst der Bücher sprechen für sich: „Mir konnte nichts Besseres passieren“.  Nach Dienstschluss hat die Leiterin Christiana Reischl übrigens noch immer nicht die Nase voll von Büchern. Sondern steckt ihre jeden Abend noch in ein anderes: „Kein Tag ohne Buch – in der Arbeit komm‘ ich ja nicht zum Lesen. Das wäre zu schön“, lacht sie.

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Wo waren wir? Ach ja, ich wollte euch von den Kontrasten erzählen. Numero uno:

JUNG + ÄLTER

Die Bücherei bietet für alle etwas. Egal, ob man im Brei-Alter ist oder diesen für seine Kinder püriert  – für jedes Alter und jede Lebenslage gibt’s den passenden Lesestoff. Für die Kleinen dann eine ganz große Ecke. Da kann man sich’s gemütlich machen. Auf den roten Stufen oder vor den Computern zum DVD schauen. Schlechtwetter-Programm. Ein Ort zum Runterkommen. Zum Schauen und Entdecken. Plus: Für Schulkinder von der 1. bis zur 9. Schulstufe gibt’s jetzt eine ganz besondere Aktion von der Stadt: Nämlich 3 Monate gratis lesen. Ladet euch einfach den Gutschein herunter und los geht’s!

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Die Bücherei liegt an einem geschichtsträchtigen Ort – im ehemaligen Dominikanerkloster. Dort, wo die Mönche früher Schriften per Hand „kopierten“ und sortierten, begrüßen einen heute das Bibliotheks-Team und der Buch-Scanner. Es geht also noch immer um Texte. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass heute hier jeder – auch barrierefrei via Glaslift –  an das Wissen kommt. Und das praktisch kostenlos – beim Stöbern und Lesen direkt in der Bibliothek. Oder zu einem sehr günstigen Preis, wenn man sich die Medien mit nachhause nehmen will.

Jahresgebühr mit unbegrenzten Entlehnungen aller Medien – sprich das Supa-Dupa-Paket – um 45 Euro für Erwachsene. 22 Euro für Schüler.

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FÜRS AUGE + FÜRS OHR + FÜR ALLES

36.800 – so viele Bücher, DVDs, Hörbücher und Zeitschriften gibt’s in der Bücherei. Klar, im Netz warten noch viel mehr – ständig verfügbar, nur einen Download-Klick entfernt. Aber es hat eine eigene Qualität, in die Bücherei zu kommen. Bücher angreifen, DVDs durchschauen. Sich beraten lassen. Da entdeckt man ganz andere Sachen als in iTunes, Amazon & Co. Und das fühlt sich gut an, das macht Lust, sich an den kommenden Herbsttagen aufs Sofa zu legen und zu lesen. Oder neue Filme zu entdecken – das, was nämlich im Kremser Kino im Kesselhaus gespielt wird, landet bald danach auch in der Bibliothek. Gut zu wissen. Patschenkino zum Mitnehmen. Film ab!

Zum Schluss noch ein Veranstaltungstipp: Am 21. Oktober gibt’s im Rahmen des Literaturfestivals „Österreich liest“ das große WeinLesen – inklusive Verkostung! Ab 19 Uhr, Details hier.

Stadtbücherei & Mediathek Krems, Am Körnermarkt 14, 3500 Krems
Tel. 02732/801-382, E-Mail: buecherei@krems.gv.at

Montag 09:00-18:00 Uhr 
Dienstag 14:00-18:00 Uhr
Mittwoch 09:00-18:00 Uhr
Donnerstag 14:00-18:00 Uhr
Freitag 09:00-18:00 Uhr

 

Tanken wir Geschichte.

Sie hören auf charmante Namen wie Mecky, Sissy oder Conny – und sind so kurvig wie die Strecke von Krems nach Egelsee: Die Roller aus der Retro-Ecke des Motorradmuseums der Familie Kirchmayer. Die Roller aus den 50er Jahren, in denen das Grün mit einem Hauch Minze daherkam – und das Blau  zum Babydoll der (Bei-)Fahrerin passte.

Doch halt. Zurück zum Start. Ich geb euch nochmal kurz die Daten fürs Navi durch. Wir haben uns diesmal in Egelsee eingeparkt in der Ziegelofengasse. Ein paar Kurven nach Krems. Dort steht mitten im Ortszentrum das Motorradmuseum – und im Museum da stehen rund 160 Motorräder und Mopeds. Ein Ausflug in die Vergangenheit. Lernen wir Geschichte – anhand von Motoren, Schaltgetrieben und dem Wunsch nach Freiheit auf zwei Rädern.

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Ein Motorrad – das konnten sich Anfang des 20. Jahrhunderts nur ein paar wenige leisten. Der Bürgermeister. Vielleicht auch der Bauer und der Fleischhauer. Ja, das ist bewusst nicht gegendert. Das war’s dann aber auch schon. Autos? Nur etwas für die Superreichen. Den Rollern gab man elegante englische Namen wie „York“ oder „Smart“ , obwohl sie österreichische Produkte waren. Wusstet ihr, dass es schon damals Zubehör für die persönliche Note gab? Was also später der Fuchsschwanz auf der Autoantenne war, war in der Zwischenkriegszeit der Frosch oder der Salamander. Figuren, die einfach auf die Verblendung geklebt wurden.

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Nach dem 2. Weltkrieg dann der Boom in den 50er Jahren. Die große Zeit von Puch, Lohner, KTM. Die Zeit, in der großen Wert auf Formen und Farben gelegt wurde. Bevor die 60er kamen – und damit der Wunsch, das Motorrad gegen ein Auto einzutauschen. Die Zeit, in der Herbert Kirchmayer anfing zu sammeln. „Damals hat jeder sein Motorrad weggeschmissen. Jeder wollte ein Auto“, erzählt sein Sohn Christian, der das Museum heute betreibt. Der Sammlung des Vaters wuchs und wuchs. Zuerst im eigenen Haus. „Ich bin zwischen Motorrädern aufgewachsen. Alles voller Motorrad-Sachen, irgendwann auch das Wohnzimmer. Dann hat unsere Mutter gesagt „Die Motorräder oder ich“, so Martin, der andere Sohn. Geworden ist es ein Kompromiss. Eine Scheune in Egelsee, die Zug um Zug zum Museum ausgebaut worden ist. Und in der es heute neben den Motorrädern auch ganz viel andere Sachen für Retro-Fans zu entdecken gibt. Eine riesige Radio-Sammlung. Werbung und Reklame. Nummernschilder. Weiß-der-Teufel-Was.

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Christian winkt aus der Vergangenheit rüber.

Was der Unterschied ist zwischen einer Maschine von damals und von heute? Wie fährt sich so ein Ding aus den 20er Jahren, frage ich – voller Neugier, aber auch mit einer gehörigen Portion Respekt. Schließlich spielt sich bei mir unter 4 Rädern rein gar nichts ab. „Im Prinzip funktioniert alles gleich. Nur sind moderne Motorräder sehr viel exakter. Deshalb gehen sie auch 200 km/h. Eine Maschine von damals schafft höchstens 100. Wobei: Wirklich gemütlich ist es mit einem 70er“, erzählt Christian. Der restauriert die Motorräder übrigens auch selbst. 400-500 Stunden Arbeit stecken in einer Komplettrestaurierung. Heißt: von ein paar rostigen Fragmenten bis zum funktionstüchtigen fahrbaren Untersatz.

Und wo fährt man dann am besten hier in der Gegend, frage ich die Profis. „Zum Beispiel von Spitz nach Mühldorf – da ist sehr wenig Verkehr, eine schöne Strecke!“.

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Motorrad-Museum Egelsee: Fam. Kirchmayer. A-3500 Krems-Egelsee. Ziegelofengasse 1
Telefonnummer: +43 2732 41424. E-mail: motorrad-museum@aon.at

Geöffnet nach telefonischer Voranmeldung – die ist aber sehr unkompliziert und oft geht’s auch ganz spontan. Also los!

 

 

Sommer, Sonne und Adut.

Das Kremser Freibad im Portrait.

36 Grad und es wird noch heißer. So die Prognose für die nächsten Tage in Krems. Schreit nach Abkühlung. Nach Freibad. Denn: „Warum in die Ferne schweifen“. Sagt auch Frau Kaupper. Sie ist so etwas wie das Urgestein des Bades. Gast seit unglaublichen 67 Jahren. Ihre Schnapsrunde (das Kartenspiel ist gemeint) trifft sich hier auch schon 20 Jahre. Die Damen haben gegenüber der Bad-Leitung mittlerweile einen Tisch mit fixer Beschattung und Waschbeton-Untergrund argumentiert. Hier verbringt Hilda Kaupper ihren Sommer „Wenn es schön ist, jeden Tag von 9 Uhr früh bis 7 Uhr abends“. Na dann, viel Spaß. Was ist Adut? Oder „Atout“, wie die Franzosen sagen? Die Sonne sticht auf jeden Fall.

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Schnapsen im Freibad. Hilda Kaupper, Margarethe Fischer, Leopoldine Maier (vlnr)

Die Damen sind nicht die einzige Stammgäste hier. „Wir haben Kabinen, die man fix mieten kann“, erklärt Oliver Pfeiffer, der Bademeister. Herr über 2.400 Wasserratten und Sonnenanbeter. So viele Leute kommen an den ganz starken Tagen ins Kremser Freibad. An Ü-30-Sonntagen. Dann ist das Bad voll – und Olivers Aufmerksamkeit voll gefragt. „Bei so vielen Leuten, das ist schon happig“, sagt der 29-Jährige. Da muss man aufpassen. „Obwohl sehr wenig passiert. Kaum Probleme. Hie und da ein kleiner Zwist. Triathleten versus Pensionisten ist so ein Klassiker. Aber das ist selten“.

Den Überblick haben ist aber nur ein Punkt seiner Job-Deskription. Da geht’s auch ums Verarzten von kleinen Wehwehchen. Bienenstiche und offene Knie vom Rutschen führen die Liste an. Auskunftsbüro trifft’s auch ein bissl. Die Standardfrage „Wie warm ist das Wasser?“ beantwortet Oliver gelassen. Zwischendurch PH-Wert messen, Filter kontrollieren.

Da ist die eine Frage, die mir schon seit jeher unter den Nägeln brennt. WAS MACHT EIN BADEMEISTER BEI SCHLECHTWETTER? „Dann gibt’s eine Liste mit Reparaturen, für die man sonst eh keine Zeit hat“, erklärt Oliver. Sein Lieblingsplatz ist aber das Bademeister-Haus. Hier steht die Kaffeemaschine. Hier hat er alles im Blick. „Viele meiner Freunde sagen: Du sitzt ja den ganzen Tag nur in der Sonne. Es ist aber sehr anstrengend so lange so wachsam zu sein – der Dienst geht von 7 bis halb 9 Uhr abends.“

Schreit nach einer Pause. Mein Stichwort. Ab ins Baderestaurant. Schon lange vor dem Betreten der Buffet-Zone strömt er mir entgegen. Der Geruch nach heißem Fett. Die Pommes-Sensoren im Gehirn voll aktiviert. Oder doch ein Langos? Warum bekommt man gerade im Bad an überdurchschnittlich heißen Tagen Lust auf überdurchschnittlich fettes Essen? Eine Frage, die wir wohl heute nicht klären. Dafür die nach dem Lieblingseis von Kristina Kröll, der Chefin des Baderestaurants. Ohne Bedenkzeit: „Magnum Mandel“. Das ist – neben Jolly und Twinnie – auch das beliebteste Eis.

Nach diesem Stopp sollten wir eine Runde Go einlegen. Und da gibt’s im Bad viele Möglichkeiten. Drei Beachvolleyballplätze. Zwei Tischtennis-Tische. Trampoline für die ganz Harten nach dem Essen. Oder natürlich die Schwimmbecken. Warm und wärmer, je nach individueller Wohlfühl-Temperatur. Für die Kleinen ein – überdachtes! – Kinderbecken.

Oder: Minigolf. Ich weiß ja nicht wie’s euch geht, aber zu diesem „Sport“ habe ich ein ziemlich zwiespältiges Verhältnis. Also eigentlich fand ich ihn als Kind immer unglaublich langweilig. Gefühlte Stunden damit zu verbringen einen kleinen Ball wenige Meter weiter in ein kleines Loch zu versenken. Naja. Aber großes ABER: Im Kremser Freibad hat die Minigolf-Anlage irgendwie was Melancholisches. Die Farbe, die abbröckelt, wodurch wieder neue Muster entstehen. Die Gräser, die sich die Betonstreifen zurückerobern. Ach, seht einfach selbst:

Falls ihr es an diesem Wochenende nicht schafft, habt ihr noch bis Ende August Gelegenheit, euch das Kremser Freibad zu erobern. Wenn das Wetter gut ist, sind vielleicht auch noch 1-2 Wochen im September drin. Dann ist aber Schluss. Dann geht’s ans Reparieren. Und Bademeister Oliver wechselt auf den Eislaufplatz. Vom Wasser aufs Wasser.

Alle Infos zum Freibad gibt’s hier.
Geöffnet täglich von 9 bis maximal 20 Uhr.
Eintritt für Erwachsene: 3 Stunden um € 3, Nachmittag um € 4, ein ganzer Tag um € 5.
Eintritt für Kinder: Nachmittag € 2, ganzer Tag € 3.