Das Weiße vom Ei.

Ein Haarschnitt, viele Handtaschen und ein Haufen Ideen für Krems. Carmen Brunner ist so vielseitig wie ihr HAIR CLUB.

„Die Jungs sind das Gelbe vom Ei – ich das Weiße.“ Im HAIR CLUB kann man sich aussuchen, was einem lieber ist. Carmen, Thomas oder Michi. Wer besser zu einem passt. Schließlich heißt das Konzept ankommen und wohlfühlen. Und Carmen Brunner zieht so und so Leute an, die ähnlich ticken und Ähnliches wollen. Zum Beispiel etwas Neues für Krems. Der berühmte frische Wind. Den hat sie vor kurzem durch die Göglstraße gejagt – als eine der OrganisatorInnen des ersten Kremser Saugassl-Markts.

„Eintunken“ will sie die Kremserinnen und Kremser. In eine Mischung aus guten Produkten und Dingen, die Spaß machen. Viele neue Ideen im Kopf. „Etwas kleines Feines. Mir schwebt ein Markt mit regionalen Designern vor, der alle 2-3 Monate für ein paar Tage aufmacht. Bloß nicht zu groß, damit auch die reinkommen, die sonst mit solchen Veranstaltungen nichts am Hut haben“. Eintunken eben.

Getunkt hat sie schon. Der Kremser Saugassl-Markt, ein schöner Erfolg. Die Unternehmer in der Göglstraße haben Lust auf mehr. Auf jeden Fall eine Wiederholung nächstes Jahr. Vielleicht geht noch was. „Jetzt haben wir Blut geleckt“. Und genau das bewirkt viel. Eine positive Grundstimmung. Eine Gruppe an Menschen, die Krems verändern. Yes, we can.

„Die Leute schauen jetzt anders. Seit dem Saugassl-Markt ist der Blick bewusster.“ Vielleicht der eine oder andere mehr, der durch die Tür von Carmens HAIR CLUB tritt. In ein kleines Biotop an feinen Dingen. Seht selbst.

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Handverlesen: viele schöne Dinge im HAIR CLUB.
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Handgemacht: Keramik von text poterie und IAM – keramische formgebung

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In diesem Biotop in der Göglstraße schwimmen viele schöne Fische. Da kann man sich Teller & Tassen von jungen Keramikerinnen aus der Gegend angeln. Oder tolle Mode von amateur aus Wien. Ganz regional auch der Schmuck von kelin aus Krems. Oder Kerzen in alten Weinflaschen. Einmal ausgebrannt kann man sie wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zuführen – sie mit Wein füllen und als Glas benutzen. So macht Rückführung Sinn.

Hinter diesem Raum mit schönen Dingen wird schön gemacht. Hier werken Carmen, Michi und Thomas mit Kamm und Schere. Ans Haar kommen Bioprodukte von Less is more. Carmen Brunner, eine der Pioniere in Krems in Sachen Bio-Pflege. „Vor 10 Jahren hat das keiner gekauft. Aber Dinge haben sich verändert, jetzt ist die Zeit reif. Und das ist schön zu sehen.“

Was Krems verändert hat? „Viele waren im Ausland und kommen wieder zurück in die Stadt. Sie haben über den Tellerrand geschaut – gesehen, was möglich ist. Und das tut der Stadt gut. So entstehen etwas Neues. Wer hätte früher gedacht, dass Lokale wie das MOYOME in Krems funktionieren?“

Ob ihre Ideen und Konzepte funktionieren, weiß Carmen Brunner nicht immer. Aber: „No risk, no risk. Probieren muss man’s!“.

Gut so! Viel Freude, viel Erfolg.

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Thomas, Carmen, Michi.

HAIR CLUB, 3500 Krems, Göglstraße 3, cb.hairclub@gmail.com
Terminvereinbarung unter +43 (650) 744 27 96

VERANSTALTUNG: Am 18. Juni ist übrigens Design-Samstag mit amateur!

Mo:
10:00 – 18:00
Di-Mi:
08:30 – 18:00
Do:
08:30 – 20:00
Fr:
09:00 – 18:00
Sa:
08:30 – 15:00

Wenn der Kaffee mit dir plaudert.

Krems und der Kaffee. Der Geschichte erster Teil.

In unserer Stadt ist das Thema Kaffee buchstäblich in aller Munde. Der neue Kaffee Campus Krems. Eine junge Röster-Szene, die das Feld aufmischt. Bevor ich euch die „Jungspunde“ präsentiere, wie die Oma g’sagt hätt‘, stell ich euch die Beyers vor.

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Die Beyers machen Kaffee nämlich schon seit röstfrischen 55 Jahren. In ihrer Rösterei in Stein kriegt man aber nicht nur Kaffee. Sondern auch den Einblick in ein Leben, das durch und durch vom Kaffee geprägt ist. Vom Rösten. Zubereiten. Verkaufen. Den schönen Seiten. Und den schwierigen – wenn die Kundschaft krank wird, verstirbt, ausbleibt.

Frau und Herr Beyer sind schon lange ein eingespieltes Team, die Aufgaben verteilt. Er röstet, kauft ein. Sie verkauft und macht die Buchhaltung. Grob gesprochen. Daneben machen die Beyers noch gefühlte hundert andere Sachen. Marmeladen und Gelee einkochen. Jetzt gerade die Quitte. Saison hat bald die Orange. Die kommt als Marmelade nämlich in den Lebkuchen. Auch selbstgemacht von Frau Beyer – what else? Dann die Kalbsleberpastete, die Herr Beyer macht. Den Senf, der in vielen verschiedenen Varianten daherkommt: Zwiebel, Kren, Chili – und natürlich mit Marille. Schließlich sind wir ja schon (fast) in der Wachau.

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Ihr merkt, die Beyers sind in vielen unterschiedlichen Ecken unterwegs. Kulinarische Multitasker. Immer am Tun. „Denn irgendwo sitzen und nichts tun, das geht nicht. Da hab‘ ich noch meinen Vater im Ohr, der dann gesagt hat: Hast du keine Arbeit? Wir sind Nachkriegskinder …“, erzählt mir Frau Beyer. Deshalb ist sie in der ruhigen Jahreshälfte – wenn die Touristen weniger werden – damit beschäftigt, Etiketten zu schreiben, mit der Hand natürlich. Oder einzukochen. Oder die Stammgäste zu betreuen. Da weiß sie schon, wer seinen Kaffee wie trinkt. Zur Auswahl stehen Dutzende verschiedene Sorten. Kurz, mittel oder verlängert? „Wissen’s, wir sind ja kein Kaffeehaus. Jeder kann hier seinen Kaffee genau so trinken, wie er will.“ Die Dame mit Hut nimmt das große Häferl. Jeden Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag die Woche. Dürfte vielleicht generell gern Koffein trinken. Schließlich kauft sie auch noch eine Flasche Cola und eine Dose Red Bull vorm Nachhausegehen. Das gibt’s auch bei den Beyers. Genauso wie Zwieback, Kaffeefilter und Fischstäbchen. Greißler halt. Schön!

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Aber zurück zum Kaffeerösten. Und das ist das Revier von Herrn Beyer. Zwei Mal die Woche röstet er rund 200kg Kaffee. Pro Trommel dauert das rund 20 Minuten. Und wie wissen Sie, wann er fertig ist, Herr Beyer? „Wenn der Kaffee zu plaudern beginnt … wenn er knistert. Und an der Farbe sieht man’s dann. Man braucht eigentlich nur ein gutes Auge und ein G’spür. So wie die Hausfrau beim Kuchenbacken“. Meine innere Gender-Beauftrage schmunzelt. Das „der Hausmann sicher auch“ spül ich runter mit einem ausgezeichneten Schluck „Mount Everest“, einem der Lieblingskaffees von Herrn Beyer.

Liebe Leute, diesen Platz solltet ihr euch einmal ansehen. Nicht nur weil man hier eine sehr große Auswahl an Kaffees aus aller Welt bekommt – die auf Wunsch für die entsprechende Maschine gemahlen werden. Nicht nur weil der Kaffee so nett plaudert da in seiner Rösttrommel. Sondern auch die Beyers selbst, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt.

Kaffeerösterei Beyer, Reisperbachtalstraße 2, 3500 Stein an der Donau, Telefon: +43 2732 83122.

Montag bis Samstag: 8-12 und 15-17 Uhr.

Das Kopfstein-Pflaster der Frau Topf

Begleitet sie mit mir ein Stück: Krems‘ einzige weibliche Straßenkehrerin.
Es gibt was zu entdecken!

Um dreiviertel 5 Uhr läutet der Wecker. Um 6 startet sie, 6 mal die Woche: Gerti Topf pflegt ihr „Revier“ mit Besen, Schaufel und Zwicker. Befreit die Straße von Bierdosen, Glasscherben, Zigarettenstummeln und vielen anderen Sachen, die da nicht hingehören. Das geht nur händisch, denn eine Maschine hat bei diesem Kopfsteinplaster keinen Auftrag. Gerti Topfs Arbeitsplatz, das ist die Gegend zwischen Bienenpark, Schießstattgasse, Katzensteig, Hoher Markt.

Wo die dreckigste Ecke ist, hab ich sie gefragt. Eindeutig: der Hohe Markt, zwischen den zahlreichen Bars.

„Am saubersten ist es am Katzensteig –
je weiter rauf, desto weniger Schmutz“, sagt Frau Topf.

Gut, das Nachtleben hinterlässt Spuren. Und da findet sie dann auch den einen oder anderen. In der Früh auf der Bank. Oder unter der Bank. Aber das passiert nur selten. „Bis auf wenige Ausnahmen funktioniert alles ohne Probleme, alle sind sehr freundlich. Das Schöne an Krems ist, dass man sich persönlich kennt“, erzählt die gebürtige Wienerin.

Straßenkehrerin ist sie seit rund fünf Jahren – der Beruf für sie ein guter. „Viele haben ein negatives Bild … hast nix g’lernt, wirst Straßenkehrer … aber das stimmt nicht. Ich habe Koch gelernt“, erzählt Gerti Topf. Der gelernte Beruf war aber nichts für sie. Deshalb der Wechsel zur Stadt, zuerst in die Gärtnerei. Dann zu den Straßenkehrern. Wie’s dazu kam?

„Den Männern war’s zu steil. Buchstäblich.
In diesem Gebiet geht’s nämlich dauernd bergauf – und da hat sich keiner gefunden.
Ich hab gesagt: Warum nehmt ihr nicht einmal eine Frau? Ich probier’s!“.

Als Straßenkehrerin hat sie schon so manche Geschichte erlebt. Zum Beispiel die: „An einem Wintertag, da lag der Schnee wirklich sehr hoch. Als ich Sand holen wollte für meine Scheibtruhe, war sie auf einmal weg. Meine ganzen Geräte verschwunden. Ich sah‘ nur noch die Burschen weglaufen …“ Ein Streich, klassisch. Nicht ganz so lustig, wenn man dann stundenlang seine Geräte im Schnee sucht.  Mittlerweile lacht Frau Topf darüber. Sympathisch.

Das Außergewöhnlichste, das Frau Topf je auf der Straße gefunden hat?

„Ein Schwangerschaftstest am Wachtberg. Aber ich habe nicht geschaut,
wie er ausgefallen ist … den greife ich nicht an“, lacht sie.

„Ansonsten finde ich immer wieder Handys. Die bringe ich dann zum Fundamt. Oder manchmal rufe ich auch gleich die „Mama“ an, wenn sie eingespeichert ist“. Sehr nett, die Frau Topf.

Sie wird bald besonders gefordert sein. Jetzt fangen die Maturafeiern an. Und in ihrem Gebiet, da gibt’s zwei Gymnasien. Viele Maturantinnen und Maturanten. Noch mehr Streiche. „Dann sind viele Lehrer-Autos mit Klopapier eingewickelt. Das ist für die Schüler zwar lustig, für mich aber viel Arbeit. Die schönste Zeit, das sind die Ferien …“.

Doch die meiste Arbeit, die fällt im Herbst an. Wenn die Bäume ihre Blätter verlieren. Wo andere also charmantes Grün sehen, ahnt Frau Topf schon kommende Aufgaben. Aber die wird sie bewältigen. So wie sie es Tag für Tag für Krems tut. Danke!