Das Kopfstein-Pflaster der Frau Topf

Begleitet sie mit mir ein Stück: Krems‘ einzige weibliche Straßenkehrerin.
Es gibt was zu entdecken!

Um dreiviertel 5 Uhr läutet der Wecker. Um 6 startet sie, 6 mal die Woche: Gerti Topf pflegt ihr „Revier“ mit Besen, Schaufel und Zwicker. Befreit die Straße von Bierdosen, Glasscherben, Zigarettenstummeln und vielen anderen Sachen, die da nicht hingehören. Das geht nur händisch, denn eine Maschine hat bei diesem Kopfsteinplaster keinen Auftrag. Gerti Topfs Arbeitsplatz, das ist die Gegend zwischen Bienenpark, Schießstattgasse, Katzensteig, Hoher Markt.

Wo die dreckigste Ecke ist, hab ich sie gefragt. Eindeutig: der Hohe Markt, zwischen den zahlreichen Bars.

„Am saubersten ist es am Katzensteig –
je weiter rauf, desto weniger Schmutz“, sagt Frau Topf.

Gut, das Nachtleben hinterlässt Spuren. Und da findet sie dann auch den einen oder anderen. In der Früh auf der Bank. Oder unter der Bank. Aber das passiert nur selten. „Bis auf wenige Ausnahmen funktioniert alles ohne Probleme, alle sind sehr freundlich. Das Schöne an Krems ist, dass man sich persönlich kennt“, erzählt die gebürtige Wienerin.

Straßenkehrerin ist sie seit rund fünf Jahren – der Beruf für sie ein guter. „Viele haben ein negatives Bild … hast nix g’lernt, wirst Straßenkehrer … aber das stimmt nicht. Ich habe Koch gelernt“, erzählt Gerti Topf. Der gelernte Beruf war aber nichts für sie. Deshalb der Wechsel zur Stadt, zuerst in die Gärtnerei. Dann zu den Straßenkehrern. Wie’s dazu kam?

„Den Männern war’s zu steil. Buchstäblich.
In diesem Gebiet geht’s nämlich dauernd bergauf – und da hat sich keiner gefunden.
Ich hab gesagt: Warum nehmt ihr nicht einmal eine Frau? Ich probier’s!“.

Als Straßenkehrerin hat sie schon so manche Geschichte erlebt. Zum Beispiel die: „An einem Wintertag, da lag der Schnee wirklich sehr hoch. Als ich Sand holen wollte für meine Scheibtruhe, war sie auf einmal weg. Meine ganzen Geräte verschwunden. Ich sah‘ nur noch die Burschen weglaufen …“ Ein Streich, klassisch. Nicht ganz so lustig, wenn man dann stundenlang seine Geräte im Schnee sucht.  Mittlerweile lacht Frau Topf darüber. Sympathisch.

Das Außergewöhnlichste, das Frau Topf je auf der Straße gefunden hat?

„Ein Schwangerschaftstest am Wachtberg. Aber ich habe nicht geschaut,
wie er ausgefallen ist … den greife ich nicht an“, lacht sie.

„Ansonsten finde ich immer wieder Handys. Die bringe ich dann zum Fundamt. Oder manchmal rufe ich auch gleich die „Mama“ an, wenn sie eingespeichert ist“. Sehr nett, die Frau Topf.

Sie wird bald besonders gefordert sein. Jetzt fangen die Maturafeiern an. Und in ihrem Gebiet, da gibt’s zwei Gymnasien. Viele Maturantinnen und Maturanten. Noch mehr Streiche. „Dann sind viele Lehrer-Autos mit Klopapier eingewickelt. Das ist für die Schüler zwar lustig, für mich aber viel Arbeit. Die schönste Zeit, das sind die Ferien …“.

Doch die meiste Arbeit, die fällt im Herbst an. Wenn die Bäume ihre Blätter verlieren. Wo andere also charmantes Grün sehen, ahnt Frau Topf schon kommende Aufgaben. Aber die wird sie bewältigen. So wie sie es Tag für Tag für Krems tut. Danke!

Eis, Eis, Baby.

Kommt mit zum Eismachen.
Kommt mit in die Konditorei Hagmann.

Backstube. Schokolade. Kuchen. Eis. Ich hab ihn gelebt, den Kindheitstraum. Vor kurzem durfte ich in die Heiligen Hallen der Konditorei Hagmann: in die Backstube. Mitten in der Kremser Innenstadt verbirgt sich hinter einem unscheinbaren Tor nämlich eine wahre Wunderwelt. Ein verwinkeltes Geflecht an Teigmaschinen, Rührgeräten, Backöfen – und Eismaschinen.

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Auf die Plätze. Fertig. Los!

Auf die Eismaschinen konzentrieren wir uns jetzt. Denn ich betrat die Backstube mit einem speziellen Auftrag. Dem Kremser Mmmmmmurli auf den Grund gehen. Herausfinden, wie Eis gemacht wird – auf die ganz traditionelle Kremser Art und Weise.

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Kremser Murli = mit Schokoguss und Krokant. Yeah, Baby!

Und das geht so: Man nehme Milch, Zucker, Traubenzucker und Eisbinder – für Milcheis. Und Wasser, Zucker, Traubenzucker und Eisbinder für Fruchteis. Das ist die Basis. Die muss dann über Nacht stehen. „Reifen“ sagt der Fachmann. Also gut Ding braucht auch beim Eis eine kleine Weile. Am nächsten Tag wird die jeweilige Basis noch sortenweise aufgemotzt. Also Früchte ins Fruchteis. Schoko ins Schokoeis. Dann das Ganze ab in die Hagmann’sche Eismaschine bei etlichen Minusgraden. Also zieh‘ dich warm an.

Nach 10 Minuten ist das Eis dann fertig. Fast fertig. Einige Sorten werden jetzt noch finalisiert. Die interessanten Sorten, wenn’s nach meinem Geschmack geht. Getoppt mit selbstgerösteten karamellisierten Haselnüssen. Oder geschichtet mit selbstgebackenem, selbstbeträufeltem, von Hand geschnittenem Biskuit. Das kommt ins Tiramisù-Eis. Ah, deshalb schmeckt das Zeug so gut …

Ihr seht, im Eis steckt viel Handarbeit. In diesem Fall sind’s vier Hände, die jeden Vormittag so zwischen 25 und 30 Sorten produzieren. Das eine Paar Hände gehört „Frau Anita“, der Ausbilderin. Das andere Lehrling Martin. Miteinander stellen die Zwei an guten Tagen rund 200 Liter her. Und das im Akkord. Hier sitzt jeder Handgriff – und zack, schon wird aus dem Eiskasten ein EISkasten. Und dieser wird wiederum hurtig geleert – denn das Eis ist am besten frisch.

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Geschafft! Die Eis-Profis Martin und Anita sind für heute fertig.

Genau darin liegt auch das Geheimnis, warum das Eis so cremig ist: Frisches Eis, eiskalt gerührt – aus hochwertigen Produkten (ab heuer sogar mit Biomilch).

Hagmann-Eis könnt ihr an zwei Plätzen in Krems genießen: entweder im Stammgeschäft mitten in der Kremser Landstraße Nummer 8. Oder im Eisgeschäft direkt beim Steiner Tor.

… was es heuer Besonderes zu entdecken gibt? Denn beim Hagmann gibt’s jede Saison neue Sorten. Diesmal: Kriecherl. Säuerlich. Ja, hat was! Und die regionalen Spezialitäten wie Mohn, Mohn-Schoko oder Mohn-Marille sowieso. Und Raffaelo und Tiramisù und Schoko und Cookies und Haselnuss und ………………..

Cookies, eisgekühlt.
Cookies, eisgekühlt.

Gut, ganz lassen konnte ich es dann noch nicht. Und musste nach dem Eismachen auch noch eine Runde durch die restliche Backstube drehen. Hier noch ein paar Eindrücke eines bekennenden Sugarholics.

Viel Spaß!

Originaler geht nicht. Na echt nicht.

Bei Museumswirt Franz Hofbauer zu Gast. Oder: Warum man beim Rindfleischkönig über die Formel der Antibaby-Pille stolpert.

Das Lokal ist eigentlich nicht erzählbar. Und sein Wirt nicht beschreibbar. Weil man Originale erleben muss. Und ein Original ist er wirklich, dieser Franz Hofbauer. Er kocht nämlich Rindfleisch. Und das seit 1975. Nicht immer dasselbe, keine Angst. Aber auf die gleiche Art und Weise. Nämlich eine besonders gute. Habe ich zumindest schon aus verschiedenen, kulinarisch vertrauenswürdigen Ecken gehört. Und wenn ich das nächste Mal hier im Museumswirtshaus bin, werde ich den Tafelspitz kosten. Spätestens im Frühling. Im „Natur Gastgarten“, hier kann man nämlich besonders schön sitzen.

„Es gibt zwei Leute, die Rindfleisch kochen können. Der Plachutta und der Hofbauer“, nicht unbescheiden, der Museumswirt. Gefällt mir. Dann also Rindfleischkönig der Wachau. Aber das ist noch nicht alles. Sammler ist er. Offensichtlich. Das Lokal, so übervoll, dass es schon wieder charmant ist.

Und es dauert nicht lange, dann schleppt Herr Hofbauer das Buch an. DAS Buch. 20 Jahre. Ein Stück Zeitgeschichte. Maler, Politikerinnen, Karikaturisten, ORF-Sprecherinnen, Wissenschaftler, Musikerinnen … Wer aller schon in dieses Gästebuch geschrieben, gezeichnet, gekritzelt, geklebt hat: toll.

Zum Beispiel Gottfried Helnwein, der „den besten Erdäpfelsalat“ lobt. Oder Alfred Hrdlicka, der sich in Spiegelschrift ins Gästebuch verewigt hat. Oder Manfred Deix und Gustav Peichl, die sich hier schon viele Nächte um die Ohren geschlagen haben dürften – so wie die Zeichnungen wirken … Oder Carl Djerassi, der Erfinder der Antibaby-Pille, der die Pillen-Formel ins Buch gezeichnet hat. Oder Christiane Hörbiger, die sich endlich über einen Nichtraucher-Bereich freut. Oder. Oder. Oder. „Viel Geld hat man mir schon für dieses Buch geboten“, erzählt Franz Hofbauer. Verkaufen? Nie. „Das gibt’s ja heute nicht mehr.“


Leute, lasst euch dieses Buch zeigen, wenn ihr zu Franz Hofbauer essen geht. Und tut’s bald. Denn das ist die traurige Seite dieser Geschichte. Das Museumswirtshaus wird Ende des Jahres zusperren. Weil an seinem Platz das Kunstmuseum NÖ gebaut wird. Aber bis dahin kann man das Gefühl noch erleben: Hier an einem Platz zu sein, den’s kein zweites Mal gibt.

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