Man röstet nur mit dem Herzen gut.

Bernd Salat macht seine Musik so wie seinen Kaffee – mit dem Bauch und mit Gefühl. Jeden Montag röstet er bei den Beyers in Stein seinen Salatkaffee.

Ich hab den 25-Jährigen im Cimbalino am Campus Krems getroffen. Auf keinen Kaffee. Eigentlich nur für ein schnelles Foto – das Interview hätten wir ja schon per E-Mail erledigt gehabt. Aber irgendwie hört man dem Bernd gern zu. Weil er so anders erzählt als viele. Viele Dinge anders sieht als die meisten. Weniger Angst hat als alle anderen.

Bernd Salat | www.lustaufkrems.com

Bernd Salat | www.lustaufkrems.com
Bernds Rohstoff Rohkaffee.

Mit 17 die Entscheidung die Schule Schule sein zu lassen. Um Musik zu machen. Das große Gefühl der Freiheit. Straßenmusik in der Kremser Landstraße.  „Ich bin da vor dem Spar gestanden, hab mit geschlossenen Augen einen Song von Leonhard Cohen gesungen. Plötzlich singt eine 70-jährige Dame mit mir – und schenkt mir 10 Euro und eine Wachauer Schnitte“. Irgendwie fast ein bissl zu romantisch, denkt man sich. Aber Bernd erzählt mit so einer Begeisterung, dass das schon wieder passt.

Erdige Meeresmusik. Sagt er über seine Songs. Heute hört man sie nicht mehr in der Landstraße, sondern seine Band „Beau“ auf Ö3. Ein Song aus seinem Soloprojekt hat es auf die FM4 Soundselection geschafft. Ein sehr schöner, wie ich finde:

Aber zurück zum Kaffee. Um den geht’s jetzt.

Eins, zwo, Interview!

Ich röste, also bin ich. Was ist das Schöne an dem Beruf?
Ums ganz einfach auszudrücken, ist es die Freiheit, das Meditative, das das Kaffeerösten für mich so spannend macht.

Was hat dein Kaffee mit Krems (mit der Gegend) zu tun?
Ich bin nur durch die Herzlichkeit der Familie Beyer zum Kaffeerösten gekommen. In ihrer von den Jahren gezeichneten Greisslerei zu stehen, den Blick auf die Donau gerichtet, und den leisen Tönen des ersten Cracks zu lauschen ist Idylle. Kaffeerösten passt einfach so gut in die Kremser Landschaft.

Das beste Kaffeehaus der Welt?
Ist für mich überall dort, wo ein stimmiges Gefühl einkehrt. Ich könnte stundenlang am Markt in Barcelona stehen und einen Espresso nach dem anderen schlürfen. Nicht weil der dort so gut oder so günstig ist, nein, weil die Athmosphäre einfach genial ist.

Zu einem guten Kaffee passt am besten …
Andre Heller und ein Stueck 85%ige Zartbitterschoko.

Dein Tipp für einen guten Kaffee zuhause …
Fuer alle Nicht-Freaks, die keine Siebträgermaschine zuhause haben: Frisch gerösteten Kaffee, frisch mahlen und dann entweder filtrieren oder mit der altbewährten Bialetti-Kanne zustellen. Das ist einfach, günstig und schmeckt.

Krems. Kaffeehauptstadt Europas. Klingt …
als hatte ichs letzte Nacht geträumt.

Bernd Salat | www.lustaufkrems.com

Bernds Kaffee könnt ihr im Kaffee Campus Krems oder in der Labstelle in Wien kaufen. Oder ihr bestellt ihn via crema@salatkaffee.com.

Mehr über Bernd und seine Musik gibt’s auf http://berndsalat.com

Wordrap, röstfrisch.

Die Kaffeeröster Doris Karl und Felix Teiretzbacher im Doppel-Interview.
 

Krems und der Kaffee – der Geschichte zweiter Teil. Letzte Woche ging’s um die Beyers aus Stein – Kaffeeröster seit unglaublichen 55 Jahren. Heute sind Doris und Felix dran. Beide genauso röstfrisch wie umtriebig. Die 2 haben für mich – abseits ihrer Liebe zum Kaffee – eines gemeinsam. Nämlich das „Wir machen das“-Gen. Das Ärmel-Hochkrempeln und Tun. Obwohl rundherum vielleicht viele Stimmen flüstern, dass das nicht geht. Oder nicht so. Oder bestimmt nicht so einfach.

Mit dieser Einstellung haben die zwei schon vieles bewegt in Krems. Doris das MOYOme mitgegründet. Felix das Cimbalino aufgemacht. Die Doris dem neuen Kaffee Campus Krems ihren Stempel aufgedrückt. Der Felix röstet seit Sommer in seiner neuen wunderbaren Rösterei neben einem noch wunderbareren (na servas) Wirtshaus in St. Pölten – dem Vincent Pauli.

 

Ich find das toll. Deshalb krempel ich auch meine Ärmel hoch und hau für euch in die Tasten. Weil’s im Leben ums Tun geht. Und weil dieses Tun Krems gut tut.

Ich hab Felix und Doris zum Doppel-Interview über Krems & Kaffee gebeten. Hier kommen sie, die brühheißen Fakten im koffeinhaltigen Word Rap!

Drei Eigenschaften, die ein guter Kaffee haben muss.

Doris: voller Körper, feine Säure, süße Frucht.
Felix: Süße, Frucht und Körper.

„Ich röste, also bin ich.“ Was ist das Schöne an dem Beruf?
Doris: der unendlich vielfältige, kreative Schaffensprozess – jede Ernte ist eine neue Herausforderung UND: Kaffee=Leidenschaft & so sind auch die Menschen rund um das Produkt von Leidenschaft getriebene – das daugt ma.
Felix: Ich veredle ein eigentlich ungenießbares Rohprodukt in eins der beliebtesten Genussmittel der Welt. Ist doch super, oder?

Was hat dein Kaffee mit Krems zu tun?
Doris: Hier hab ich Kaffee lieben gelernt, hier steht mein Röster, so heißen meine Kaffees.
Felix: In Krems bzw. in Stein eröffnete ich meine Kaffeebar, das Cimbalino, und beschloss auch zugleich irgendwann mal selbst zu rösten. 3 Jahre später erfüllte ich mir das auch …

Wie trinkt du deinen ersten Kaffee in der Früh am liebsten? Und wie/wann den letzten?
Doris: In der Früh: Handaufgegossener Filter aus der Hario V60. Espresso / wie? letzten?
Felix: Egal wann – Hauptsache in Ruhe.

Das beste Kaffeehaus der Welt …
Doris: existiert in meiner Vorstellung (da aber schon ziemlich konkret), entdeckt noch nicht
Felix: Ist immer genau das, wo ich gerade drinnen sitz‘ oder steh‘ und mich wohlfühle und der Kaffee schmeckt.

Zu einem guten Kaffee passt am besten …
Doris: ein besonderer Mensch, Zeit & gute Musik
Felix: noch ein guter Kaffee

Dein Tipp für einen guten Kaffee zuhause …
Doris: Filter handaufgegossen

Felix: Lieber ein bißchen mehr Aufwand (heißt nicht mehr Geld) und man kann sich großartige Tassen zaubern. Am besten Kaffees von Röstereien aus der Umgebung und die Vielfalt genießen.

Krems. Kaffeehauptstadt Europas. Klingt …
Doris: überextrahiert 😉
Felix: affenstark 🙂

Danke, liebe Kaffeemenschen. Ich schließe mit ein paar Eindrücken vom neuen Kaffee Campus Krems – und mit dem Ausblick auf den dritten Teil der Kaffee-Geschichte. Es gibt nämlich noch einen interessanten Röster in Krems, einen äußerst musikalischen. Aber den stell ich euch das nächste Mal vor. Bleibt dran & bis bald!

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Wenn der Kaffee mit dir plaudert.

Krems und der Kaffee. Der Geschichte erster Teil.

In unserer Stadt ist das Thema Kaffee buchstäblich in aller Munde. Der neue Kaffee Campus Krems. Eine junge Röster-Szene, die das Feld aufmischt. Bevor ich euch die „Jungspunde“ präsentiere, wie die Oma g’sagt hätt‘, stell ich euch die Beyers vor.

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Die Beyers machen Kaffee nämlich schon seit röstfrischen 55 Jahren. In ihrer Rösterei in Stein kriegt man aber nicht nur Kaffee. Sondern auch den Einblick in ein Leben, das durch und durch vom Kaffee geprägt ist. Vom Rösten. Zubereiten. Verkaufen. Den schönen Seiten. Und den schwierigen – wenn die Kundschaft krank wird, verstirbt, ausbleibt.

Frau und Herr Beyer sind schon lange ein eingespieltes Team, die Aufgaben verteilt. Er röstet, kauft ein. Sie verkauft und macht die Buchhaltung. Grob gesprochen. Daneben machen die Beyers noch gefühlte hundert andere Sachen. Marmeladen und Gelee einkochen. Jetzt gerade die Quitte. Saison hat bald die Orange. Die kommt als Marmelade nämlich in den Lebkuchen. Auch selbstgemacht von Frau Beyer – what else? Dann die Kalbsleberpastete, die Herr Beyer macht. Den Senf, der in vielen verschiedenen Varianten daherkommt: Zwiebel, Kren, Chili – und natürlich mit Marille. Schließlich sind wir ja schon (fast) in der Wachau.

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Ihr merkt, die Beyers sind in vielen unterschiedlichen Ecken unterwegs. Kulinarische Multitasker. Immer am Tun. „Denn irgendwo sitzen und nichts tun, das geht nicht. Da hab‘ ich noch meinen Vater im Ohr, der dann gesagt hat: Hast du keine Arbeit? Wir sind Nachkriegskinder …“, erzählt mir Frau Beyer. Deshalb ist sie in der ruhigen Jahreshälfte – wenn die Touristen weniger werden – damit beschäftigt, Etiketten zu schreiben, mit der Hand natürlich. Oder einzukochen. Oder die Stammgäste zu betreuen. Da weiß sie schon, wer seinen Kaffee wie trinkt. Zur Auswahl stehen Dutzende verschiedene Sorten. Kurz, mittel oder verlängert? „Wissen’s, wir sind ja kein Kaffeehaus. Jeder kann hier seinen Kaffee genau so trinken, wie er will.“ Die Dame mit Hut nimmt das große Häferl. Jeden Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag die Woche. Dürfte vielleicht generell gern Koffein trinken. Schließlich kauft sie auch noch eine Flasche Cola und eine Dose Red Bull vorm Nachhausegehen. Das gibt’s auch bei den Beyers. Genauso wie Zwieback, Kaffeefilter und Fischstäbchen. Greißler halt. Schön!

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Aber zurück zum Kaffeerösten. Und das ist das Revier von Herrn Beyer. Zwei Mal die Woche röstet er rund 200kg Kaffee. Pro Trommel dauert das rund 20 Minuten. Und wie wissen Sie, wann er fertig ist, Herr Beyer? „Wenn der Kaffee zu plaudern beginnt … wenn er knistert. Und an der Farbe sieht man’s dann. Man braucht eigentlich nur ein gutes Auge und ein G’spür. So wie die Hausfrau beim Kuchenbacken“. Meine innere Gender-Beauftrage schmunzelt. Das „der Hausmann sicher auch“ spül ich runter mit einem ausgezeichneten Schluck „Mount Everest“, einem der Lieblingskaffees von Herrn Beyer.

Liebe Leute, diesen Platz solltet ihr euch einmal ansehen. Nicht nur weil man hier eine sehr große Auswahl an Kaffees aus aller Welt bekommt – die auf Wunsch für die entsprechende Maschine gemahlen werden. Nicht nur weil der Kaffee so nett plaudert da in seiner Rösttrommel. Sondern auch die Beyers selbst, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt.

Kaffeerösterei Beyer, Reisperbachtalstraße 2, 3500 Stein an der Donau, Telefon: +43 2732 83122.

Montag bis Samstag: 8-12 und 15-17 Uhr.