Sommer, Sonne und Adut.

Das Kremser Freibad im Portrait.

36 Grad und es wird noch heißer. So die Prognose für die nächsten Tage in Krems. Schreit nach Abkühlung. Nach Freibad. Denn: „Warum in die Ferne schweifen“. Sagt auch Frau Kaupper. Sie ist so etwas wie das Urgestein des Bades. Gast seit unglaublichen 67 Jahren. Ihre Schnapsrunde (das Kartenspiel ist gemeint) trifft sich hier auch schon 20 Jahre. Die Damen haben gegenüber der Bad-Leitung mittlerweile einen Tisch mit fixer Beschattung und Waschbeton-Untergrund argumentiert. Hier verbringt Hilda Kaupper ihren Sommer „Wenn es schön ist, jeden Tag von 9 Uhr früh bis 7 Uhr abends“. Na dann, viel Spaß. Was ist Adut? Oder „Atout“, wie die Franzosen sagen? Die Sonne sticht auf jeden Fall.

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Schnapsen im Freibad. Hilda Kaupper, Margarethe Fischer, Leopoldine Maier (vlnr)

Die Damen sind nicht die einzige Stammgäste hier. „Wir haben Kabinen, die man fix mieten kann“, erklärt Oliver Pfeiffer, der Bademeister. Herr über 2.400 Wasserratten und Sonnenanbeter. So viele Leute kommen an den ganz starken Tagen ins Kremser Freibad. An Ü-30-Sonntagen. Dann ist das Bad voll – und Olivers Aufmerksamkeit voll gefragt. „Bei so vielen Leuten, das ist schon happig“, sagt der 29-Jährige. Da muss man aufpassen. „Obwohl sehr wenig passiert. Kaum Probleme. Hie und da ein kleiner Zwist. Triathleten versus Pensionisten ist so ein Klassiker. Aber das ist selten“.

Den Überblick haben ist aber nur ein Punkt seiner Job-Deskription. Da geht’s auch ums Verarzten von kleinen Wehwehchen. Bienenstiche und offene Knie vom Rutschen führen die Liste an. Auskunftsbüro trifft’s auch ein bissl. Die Standardfrage „Wie warm ist das Wasser?“ beantwortet Oliver gelassen. Zwischendurch PH-Wert messen, Filter kontrollieren.

Da ist die eine Frage, die mir schon seit jeher unter den Nägeln brennt. WAS MACHT EIN BADEMEISTER BEI SCHLECHTWETTER? „Dann gibt’s eine Liste mit Reparaturen, für die man sonst eh keine Zeit hat“, erklärt Oliver. Sein Lieblingsplatz ist aber das Bademeister-Haus. Hier steht die Kaffeemaschine. Hier hat er alles im Blick. „Viele meiner Freunde sagen: Du sitzt ja den ganzen Tag nur in der Sonne. Es ist aber sehr anstrengend so lange so wachsam zu sein – der Dienst geht von 7 bis halb 9 Uhr abends.“

Schreit nach einer Pause. Mein Stichwort. Ab ins Baderestaurant. Schon lange vor dem Betreten der Buffet-Zone strömt er mir entgegen. Der Geruch nach heißem Fett. Die Pommes-Sensoren im Gehirn voll aktiviert. Oder doch ein Langos? Warum bekommt man gerade im Bad an überdurchschnittlich heißen Tagen Lust auf überdurchschnittlich fettes Essen? Eine Frage, die wir wohl heute nicht klären. Dafür die nach dem Lieblingseis von Kristina Kröll, der Chefin des Baderestaurants. Ohne Bedenkzeit: „Magnum Mandel“. Das ist – neben Jolly und Twinnie – auch das beliebteste Eis.

Nach diesem Stopp sollten wir eine Runde Go einlegen. Und da gibt’s im Bad viele Möglichkeiten. Drei Beachvolleyballplätze. Zwei Tischtennis-Tische. Trampoline für die ganz Harten nach dem Essen. Oder natürlich die Schwimmbecken. Warm und wärmer, je nach individueller Wohlfühl-Temperatur. Für die Kleinen ein – überdachtes! – Kinderbecken.

Oder: Minigolf. Ich weiß ja nicht wie’s euch geht, aber zu diesem „Sport“ habe ich ein ziemlich zwiespältiges Verhältnis. Also eigentlich fand ich ihn als Kind immer unglaublich langweilig. Gefühlte Stunden damit zu verbringen einen kleinen Ball wenige Meter weiter in ein kleines Loch zu versenken. Naja. Aber großes ABER: Im Kremser Freibad hat die Minigolf-Anlage irgendwie was Melancholisches. Die Farbe, die abbröckelt, wodurch wieder neue Muster entstehen. Die Gräser, die sich die Betonstreifen zurückerobern. Ach, seht einfach selbst:

Falls ihr es an diesem Wochenende nicht schafft, habt ihr noch bis Ende August Gelegenheit, euch das Kremser Freibad zu erobern. Wenn das Wetter gut ist, sind vielleicht auch noch 1-2 Wochen im September drin. Dann ist aber Schluss. Dann geht’s ans Reparieren. Und Bademeister Oliver wechselt auf den Eislaufplatz. Vom Wasser aufs Wasser.

Alle Infos zum Freibad gibt’s hier.
Geöffnet täglich von 9 bis maximal 20 Uhr.
Eintritt für Erwachsene: 3 Stunden um € 3, Nachmittag um € 4, ein ganzer Tag um € 5.
Eintritt für Kinder: Nachmittag € 2, ganzer Tag € 3.

Der Herr der schönsten Ringe.

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Eine Geschichte mit Geschichte. Sie beginnt mit diesem Ring.


Kommt mit in die Goldschmiede Kalteis 21. Es wird eine runde Sache.

Die heutige Krems-Geschichte beginnt vor 15 Jahren. Als ich – mit genau 15 Jahren – in einem heißen Sommer meinen ersten Ferienjob begann. Ich könnte jetzt sagen bei einer „einschlägig bekannten Fast-Foodkette“. Weiß sowieso jeder, dass der Mäci gemeint ist. Nach guten vier Wochen hatte ich mein erstes selbstverdientes Geld in der Hand. Und damit ging ich ziemlich zielstrebig zu Kalteis 21. Das Ziel war ein Symbol. Ein Symbol von Dauer. Ein Symbol für einen Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Geworden ist es der Ring da oben. Ein Stück, das ich bis heute trage. Und genau mit diesem Ring ging ich vor ein paar Tagen wieder in die Goldschmiede. Zu Walter Kalteis, dem Herrn der schönsten Ringe – wenn’s nach meinem Geschmack geht.

Geht mit mir durch die Tür dieses wunderschönen Ladens. Durch noch eine, in die Werkstatt. Dann durch noch eine, in einen überhaupt ganz besonderen Raum.

Ihr werdet schöne Augen machen.

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Wie Walter Kalteis sein Geschäft beschreibt? Als „Feinkostladen. Ich schaue, wo es Schmuckstücke gibt, die meinen Ansprüchen entsprechen. In puncto Schönheit, Qualität und Innovation.“ So kommt es, dass hier eine Auswahl ganz besonderer Stücke liegt. Moderne Klassiker. Stücke, die auf einer genialen Idee basieren. Ideen, die dauerhaft gültig sind.

Außergewöhnliche Ideen. Auf denen bauen auch viele seiner Trauringe auf. Da geht’s zum Beispiel um das Thema Gemeinsamkeit. Oder um besondere Gegenstücke. Ringe, die sich an einem einzigen Punkt ineinander stecken lassen. Oder Ringe, die aus einem einzigen Stück geschmiedet werden. So wie diese hier.

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Willst du mit mir gehen? Die Quader bricht man gemeinsam. Dann werden daraus zwei Ringe. Schöne Geschichte.

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Und wenn Walter Kalteis die Geschichten hinter solchen Stücken erzählt, merkt man die Freude. Spürt die Begeisterung „für so richtig besondere Besonderheiten“. Die Leidenschaft fürs pure Handwerk. Wenn Dinge eben gerade nicht gerade sind. Sondern Ecken und Kanten haben. Und damit so einzigartig sind wie der Mensch, der sie trägt.

Walter Kalteis findet man zumindest an zwei Plätzen immer wieder. Vorne im Laden, wenn er seine Kunden berät, ihnen die Geschichte hinter dem Stück erzählt, das sie gerade in der Hand halten. Und dann in der Werkstatt – beim Reparieren: „Meine Kunden sind froh, dass es da noch wen gibt, der das kann“.  Wenn Zeit bleibt, dann setzt er in der Werkstatt auch eigene Entwürfe um. Eine Werkstatt, die so ist wie vor 100 Jahren. Zwei Hände, eine Säge, ein Hammer. „Ultraschallgeräte haben wir auch. Aber es wird schöner, wenn man das alles weglässt“.

Für unsere Geschichte hat er sich an seinen Platz gesetzt – und einen Silberanhänger geschmiedet. Viele Arbeitsschritte bis aus einem kleinen Silberplättchen ein fertiger Anhänger wird. Für Walter Kalteis eine einfache Übung.  Seht her!

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Das Ende am Anfang: Walter Kalteis mit dem fertigen Packerl. Davor war …

Wie so oft im Leben kommt’s auch beim Schmuck auf die richtige Verpackung an. Und auch hier ist es eine Freude, einfach nur zuzusehen: Der Wachsstift, der langsam erhitzt wird. Das Kalteis-Siegel, das ins heiße Wachs gedrückt wird. Der letzte Schritt zum fertigen Packerl. Wow. Schon allein deshalb kriegt man hier Lust etwas zu kaufen und jemandem zu schenken.

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Schenken kann man hier nicht nur Ringe. Sondern viele schöne Sachen, die Frauen und Männer schmücken. Eine sehr erlesene Auswahl an Armbanduhren. Ketten. Armreifen. Broschen. Und dann natürlich das umfassende Angebot an Trauringen. Der Niessing-Tower, bei dem alle 12 Formsprachen, die Ringe so sprechen können, durchprobiert werden können. Für Brautleute – und andere besondere Kunden – gibt’s den „Entschleunigungsraum“. Einen Raum voller spannender Dinge. Sandstein-Skulpturen. Design-Bleistifte. Hier kann man in aller Ruhe aussuchen. Sich zu besonderen Anlässen auch von Walter Kalteis‘ Tochter Katharina stylen lassen.

Termine zum Entschleunigen macht ihr euch am besten telefonisch aus: 02732 / 70 647

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Willkommen im Entschleunigungsraum.

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Bevor ihr mir in die Entschleunigung abdriftet, klär ich euch noch knallhart auf, warum Silber „anläuft“. Das geht nämlich so: Durch Schwefel – und der ist zum Beispiel in der Hautcreme – oxidiert das Kupfer im Silber. Dann wird’s schwarz, wenn man es liegen lässt. Wenn man’s immer wieder trägt, passiert das nicht. Falls euer Silber trotzdem schwarz ist, dann ab zum Fachmann. Denn: Diverse Silberputzmittelchen machen’s nur schlimmer.

Seht es positiv: Es ist ein guter Grund, zu Kalteis 21 zu gehen.

Obere Landstraße 21, 3500 Krems
Dienstag 10 – 13h , Mittwoch 10 – 13h , Donnerstag 10 – 13h, 15 – 18h
Freitag 10 – 13h, 15 – 18h , Samstag 09 – 13h

 

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Machen wir das Licht aus.

Programmautomatik. Speicherkarte. Photoshop. So geht Fotografieren, sagt ihr? Nicht bei Dietmar Kurzmann. Da gibt’s keine Speicherkarten, sondern Filme. Keinen Photoshop, sondern ein Photolabor. Und das alles mitten in Krems. Also kommt mit in die Dunkelkammer – auf ein paar Bilder und etwas Text. Ich serviere sie euch aus aktuellem Anlass: Am Freitag, 26. Juni, eröffnet die Ausstellung „Keramiken Skulpturen Objekte Fotografien“ in der Fine Art Galerie in Traismauer. Und da stellt auch Dietmar Kurzmann seine „Metalmorphosis“ aus.

Dietmar Kurzmann mit einer seiner Kameras.
Dietmar Kurzmann samt „Fachkamera“.
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Geballtes Fotowissen. Oder: Auch Annie Liebovitz ist da.

Einen Film entwickeln? Das dauert ungefähr eine Viertel Stunde – einen Kaffee lang. So lange sitze ich mit Dietmar Kurzmann am Tisch. Theorie. Seit wann er fotografiert – „naja, seitdem ich so 17, 18 Jahre alt bin“. Warum er 20 Jahre Obmann des Kremser Fotoklubs war? „Weil ich die Technik des Fotografierens und Entwickelns gerne weitergeben will“. Dann schon der praktische Teil. Auf zu den Kameras! Ins Labor, das wie eine Mischung aus Küche und Biologie-Kammerl ausschaut. Die Assoziation Schule liegt bei Dietmar Kurzmann nahe – schließlich unterrichtete er an der HTBLA in Krems. Was kommt nach dem Entwickeln des Films? Das Trocknen. Dauert eine halbe Stunde. Schneller geht’s, wenn man mit dem Fön nachhilft. Hier sitzt jeder Handgriff – und man merkt, wie wichtig Dietmar Kurzman die Technik ist. Das Material an sich. Denn „das, was wir heute fotografieren, landet in Datenfriedhöfen. Auf Festplatten. Da ist nicht klar, wie lange man sie nutzen kann, wie lange die Technik kompatibel ist mit dem jeweils aktuellen System. Mich interessiert, wie man Bilder dauerhaft festhalten kann.“

Und ab geht’s in die Dunkelkammer.
Hier entwickelt sich was.
ENTWickeln wir was!

Aber halt! Wenn wir so fleißig beim Entwickeln sind, haben wir den wichtigsten Schritt eigentlich übersprungen. Das Fotografieren selbst. Und da begeistern Dietmar Kurzmann Fachkameras. Für mich schauen die aus wie anno dazumal. Ein bissl wie eine Zieharmonika mit diesen Lederbalgen. Das Bild, das Kopf steht am „Display“. Wie heißt das noch mal schnell? Und das Tuch, das man überwirft, wenn man draußen fotografiert. Aber nein. Fachkameras werden auch heute produziert – „vor allem für die Amis, die Wahnsinningen“ – und das meint der Globetrotter Kurzmann auf eine nette Art und Weise. Wieder was gelernt.

Biologieunterricht? Nein, das Negativ in Großansicht.
Negativ vor Endprodukt. Positiv!
Negativ vor Endprodukt. Positiv!

Filme und Negative, so groß wie meine Hand. In seine Spezialkamera kommen Filme, die haben nur 2 Bilder. Also genau überlegen, wann man abdrückt. „Da gibt’s null Ausschuss“. Was das Faszinierende ist an dieser Art zu fotografieren? „Fachkameras können das, wo normale Fotografie ansteht. Zum Beispiel bei der Schärfe. Oder bei der Architektur-Fotografie – keine stürzenden Linien“.

Vergiss Photoshop. Retusche mit dem Pinsel.
Vergiss Photoshop. Retusche mit dem Pinsel.

Was Dietmar Kurzmann dann mit seinen Kameras fotografiert? Vieles. Aktuell die Serie „Rost“ – den Verwandlungskünstler, wie er Rost auch nennt. Die morbide Schönheit, wenn der Rost Material zersetzt. Die unzähligen Farben und Formen, die dann entstehen. Platz für die Phantasie. Wo der eine ein Urzeit-Tierchen sieht, erkennt die nächste Tänzer in Bewegung. Alles in Bewegung. Stets mit einem Augenzwinkern. Nicht nur deshalb sehenswert.

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4 x Rost. Mehr gibt’s ab 26. Juni in der Fine Art Galerie in Traismauer.

Zum Abschluss hab ich Dietmar Kurzmann noch gebeten, ein paar Kremser Stadt-Ansichten auszugraben.
Hat er gemacht. Voilà!

Wenn analog und iPhone aufeinandertreffen. Ein bewusster Clash.
Wenn analog und iPhone aufeinandertreffen. Ein bewusster Clash.
Strahlender Abschluss. Krems. Fotografiert von Dietmar Kurzmann.
Strahlend. Krems. Fotografiert von Dietmar Kurzmann.