Oh, Backerl!

Die Wachauer Stube ist zurück aus dem Winterschlaf – und genauso ausgeschlafen wie davor.

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Gut, latest shit ist sie nicht mehr. Die feinen Gaumen von nah und fern wissen schon länger Bescheid. Nämlich dass die Wachauer Stube eines der spannendsten Lokale im Kremser Genuss-Radius ist. Seit Mitte Februar ist endlich wieder offen. Ich war kurz vorher dort und hab mich ins dampfende Treiben gemischt. Denn das hat ja immer etwas Besonderes, wenn man in Wirtshäuser rein darf, wo eigentlich noch geschlossen draufsteht. Da kann man tief in Töpfe schauen, mit dem Wirt und der Küchenchefin in Ruhe plaudern und trinken – und natürlich vorab und exklusiv und sowieso neue Gerichte kosten.

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Ganz in Ruhe vor dem Sturm. Küchenchefin Katja Mäge und Wirt Gerald Diemt.

Darf ich vorstellen. Hier kommt das Blunzen-Carpaccio mit Schalotten-Vinaigrette, über deren ideale Konsistenz am Tisch noch diskutiert wurde. Gefolgt von Schweinsbackerl mit Selleriepüree, die gerade am Herd schmurgelten. Beides probiert. Beides sehr gut. Bei geschmorten Backerl bin ich ja wählerisch, weil eines meiner Lieblingsgerichte. Verdichteter Geschmack, au Backe. Mmmh! Soll ich jetzt wirklich „lecker“ schreiben? „Schnell was anbraten kann man rasch. Geschmortes braucht Zeit, und das können viele Köche auch gar nicht mehr. Aber es ist es wert. Da weiß man, was man hat“, sagt die Küchenchefin. Wo kann ich unterschreiben?

Verdichtet, so fühlt sich auch das ganze Wirtshaus an. Die Räume erzählen an vielen Ecken ihre Geschichten. Zum Beispiel, dass im Raum ganz hinten der ersten Fernseher im Ort stand. Oder dass im Haus früher auch eine Greisslerei war. Schön, dass zeitgemäßes Wirtshaus so viel Patina haben kann.

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Neben den neuen Gerichten gibts auch ein Wiedersehen mit Altbewährtem wie Paprikahendel und Beef Tatar. Letzteres das Spannendste, das ich in Sachen rohes Rind je gegessen habe.

Die Wachauer Stube ist nicht nur wegen dem Essen so eine gute Stube. Hier berät Wirt Gerald Diemt auch außergewöhnlich in Sachen Wein. Er ist nämlich ausgebildeter Sommelier – und das schon seit einer Zeit, wo noch nicht fast alle über Wein geredet/gepostet/geschrieben haben. „Mit 23 war ich fertig mit meiner Ausbildung. Da haben alle gesagt, du bist zu jung – da kannst du höchstens den Stationskellner machen“. Deshalb ging er nach England, weil das dort schon anders war – und kam zurück mit noch mehr Weinwissen. Gästen will er das Erlebnis bieten, sich mit Wein austoben zu können – nicht nur junge Jahrgänge zu trinken. „Wein ist wie der Mensch – er wird mit dem Alter gesetzter und bekömmlicher“. Da trifft es sich gut, dass das Weingut Tegernseerhof gleich gegenüber liegt. Auf der Weinkarte kann man sich aber nicht nur durch die Wachau, sondern fast ganz Europa trinken.

Das kann man zu den regulären Öffnungszeiten tun. Oder man schaut zu einer der vielen Veranstaltungen, bei denen Wein und Essen gekreuzt werden. Nächstes Ding: Club 2.16 im Rahmen des Wachau Gourmet Festivals. Am 11. April lädt hier Gerald Diemt gemeinsam mit dem Weingut Tegernseerhof zum vinophilen After Work Abend. Top Sommeliers von Steirereck, Le Loft & Co diskutieren ihre Lieblingsweine. Küchenchefin Katja Mäge zaubert das passende Fingerfood. Na dann! Navi auf „Loiben“.

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Wachauer Stube, Unterloiben 24 | 3601 Dürnstein | Tel: 02732 / 8 59 50 | bestellen@wachauerstube.at

 

Auf geht’s, ab geht’s, 3 Wochen wach.

Ich war zu Besuch in der Domäne Wachau – und das Ende September, mitten in der Lesezeit. Also, Leute: Lest diese Zeilen mit Respekt. Denn die handelnden Personen haben eine turbulente Zeit hinter sich. Ein paar Millionen Kilo Traubenmaterial wollten schließlich verarbeitet werden.

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Weingutsleiter Roman Horvath und Kellermeister Heinz Frischengruber

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Geschlafen werden sie also wenig haben – auf die Laune hat sich das bei meinem Besuch nicht niedergeschlagen. Weingutsleiter Roman Horvath und Kellermeister Heinz Frischengruber haben sich Zeit genommen für einen ausgedehnten Spaziergang in und unter dem Weingut. Und für einen Blick ins Kellerschlössel. Und für eine Runde in der Schnapsbrennerei. Und für eine kleine Verkostung. Aber alles der Reihe nach.

Die Domäne ist kein Geheimtipp. Sondern mit ihren 250 Vertragswinzern einer der Big Player der Gegend. Was mich aber erstaunt hat, ist, dass es in so einem Großbetrieb so familiär zugeht. Dass man sich sofort willkommen fühlt. Und dass die Domäne so ein paar Ecken und Geschichten auf Lager hat, die man – selbst als Ortsansässige – nicht gleich weiß.

Wäre mal G’schichtl Nummer Eins. Der Propst und sein Lustschloss.

Hieronymus Übelbacher war ein wichtiger Mann für die Gegend. Als Propst des Stiftes Dürnstein hat er sich nicht nur der Theologie, sondern auch dem Wein verschrieben. Um den in angemessenem Ambiente zu verkosten, hat er Jakob Prandtauer beauftragt, ihm ein „Lustschlössel“ zu bauen. Heute nützt es die Domäne als Veranstaltungsraum. Und ja, ein kleiner Rundgang legt den Schluss nahe, dass der Probst kein Kind von Traurigkeit war. Auch heute lässt sich’s im „Barocken Weinschlössel“ feudal feiern – von der Hochzeit bis zur Firmenfeier. Mit Grillplatz im Freien. Und ja, der Wein wär auch schon im Keller …

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Kommen wir zu G’schichtl Nummer Zwei – der Kanzler im Keller. Eine Geschichte, die mit uns allen zu tun hat. Unter dem Schlössel liegt nämlich der Weinkeller der Domäne – und für diesen besaß auch ein gewisser Leopold Figl einen Schlüssel. Einen Schlössel-Schlüssel sozusagen. In besagten Weinkeller führte er auch jene russische Diplomaten, mit denen er den österreichischen Staatsvertrag verhandelte. Deshalb der Kanzler im Keller. Und der Staatsvertrags-Wein „Dürnsteiner Katzensprung“ am Foto.

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Und weil das mit Drei immer aller guten Dinge sind, serviere ich euch zum Schluss noch die Geschichte vom Schnaps. Das wissen nämlich die wenigsten. Dass die Domäne Wachau einen sehr großen Bestand an hochwertigen alten Weinbränden hat. OK, Weinbrand zurzeit nicht so sexy. Aber vielleicht wird’s Zeit für eine Imagekorrektur. „Die Brände können locker mit einem guten Cognac mithalten“, erzählt Roman Horvath. Plus kann man die Brennerei der Domäne auch für Veranstatungen mieten. Das nächste Seminar also vielleicht mit einem Hauch von Hochprozentig? Why not.

Bleibt ganz zum Schluss noch: Ja, natürlich. Wein verkostet hamma auch! Die Klassiker von der Steinfeder bis zum Smaragd und wieder zurück. Veltliner. Riesling. Daneben auch einen interessanten Traminer, abgerundet mit einem Wachauer Laberl. Was will frau mehr? Das ist ein Ort für Wein-Liebhaber. „Für gute Menschen“, wie Roman Horvath sagen würde. Denn das ist für ihn das Schöne an seinem Beruf. Dass Menschen, die mit Wein zu tun haben, meistens „gute“ Menschen sind. Weil sie’s verstehen zu genießen. Weil sie eine gewisse Gemütlichkeit schätzen. Schön, ich seh‘ das auch so. Prost!

Domäne Wachau, A-3601 Dürnstein 107

Öffnungszeiten der Vinothek:

April bis Oktober: Mo-Sa: 10 bis 17 Uhr
November bis März: Mo-Fr: 10 bis 17 Uhr
(an Feiertagen geschlossen)