Gut gegessen. Schwein gehabt.

Ein Lokalaugenschein beim Stoiber-Heurigen am Weinzierlberg.

Es ist ja schon fast Frühling. Und spätestens jetzt kommt die Lust, wieder verstärkt zum Heurigen zu gehen. Und da ist mir vor Kurzem einer untergekommen, den ich noch nicht kannte. Am Rand von Krems am Weinzierlberg (gleich bei den Winzer Krems übrigens!) Den Heurigen find ich gut. Weils erstens ein Familienbetrieb ist. Und die Familie Stoiber eine ganz nette. UND weil besagte Familie dort ziemlich tolle Sachen vom Schwein auf den Teller bringt. Ich sag nur selbstgemachte – rohe! – Saumaise. Hab ich vorher noch nie gegessen. Ein Fehler. Lardo, auch sehr gut. Die klassichen Sachen wie Geselchtes und Schweinsbraten sowieso.

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Und warum schmeckt das Zeug so gut? Nach eingehender Analyse wurden zwei Gründe herausgefiltert: Weil sich die Familie Stoiber ihre Schweine selbst aussucht. Sprich: Man kennt sich. Die Schweine wachsen auf einem Waldviertler Bauernhof auf.  Mit viel Auslauf – und deshalb besonders feiner Fett-Maserung. Zerlegt, verwurstet, verkocht wird alles selbst. Oft nach Rezeptur von Papa Stoiber, oberster Feinspitz der Familie. Immer auf der Suche nach neuen Rezepten und Geschmäckern.

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„Als wir noch Kinder waren, hat uns der Papa immer herumgeschleppt. Der schlimmste Urlaub war der in der Toskana, wo wir zwei Wochen von Tschecherl zu Tschecherl gezogen sind – auf der Suche nach neuen Gerichten“, erzählt Johanna Stoiber. Naja, gar nicht so unsympathisch, dieses Urlaubs-Konzept. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zu den Stoibers. Und dem zweiten Grund, warum es sich auszahlt, hier einmal zu essen. Nämlich dem besonderen Zugang, immer wieder etwas neues, kulinarisch Interessantes bieten zu wollen. Deshalb gibt’s neben der klassischen Karte auch eine saisonale/regionale. Und deshalb gibt’s erst jetzt im Frühjahr wieder Schafkäse. Von Frau Proidl in Dross übrigens. Ich hab ihn gekostet – und die Kombi mit der Paprikamarmelade sehr gelungen gefunden.

Auch Zucker-Freaks wie ich kommen hier auf ihre Rechnung. Das klassische Heurigen-Dessert – die Wachauer Schnitte – gibt’s sowieso. Aber auch immer einen frischen Kuchen. So wie dieser mit Äpfeln. Sehr gut. Deshalb habe ich Frau Stoiber das Rezept für euch abgeluchst. Voilà.

Rezept_FrauStoibersApfelkuchen

Also ich kann nur empfehlen, die Karte der Stoibers selber zu testen. Auch weil der Blick vom Lokal in den Weingarten etwas Tolles ist – und man hoffentlich bald draußen in der Sonne sitzen kann. Die Preise sind eine Spur höher als weiter draußen am Land. Es zahlt sich aber aus, finde ich. Zum Wein kann ich (noch) nicht viel sagen. Das Achtel, das zum Essen serviert wurde, hat mir geschmeckt. Fürs Durchkosten der Weinkarte wars bei meinem Besuch noch zu früh. Aber was nicht ist …

Der Stoiber hat jetzt noch bis 22. März ausgesteckt. Offen ist Dienstag bis Sonntag ab 16 Uhr. Am Wochenende solltet ihr reservieren. Hier Kontakt & Anfahrt.

Und falls der Stoiber gerade nicht offen hat, findet ihr hier auf meinem Blog noch ein paar Empfehlungen. Und auf www.heurigen.at gibt’s einen ziemlich guten Überblick, wo im ganzen Land ausg’steckt is‘.

Lasst es euch schmecken!

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Spanier + Stein = Spannung!

Ein Foto-Rundgang im Atelier Daniel Domaika.

Eigentlich wollte ich nur einen Sprung im Atelier des Spaniers Daniel Domaika vorbeischauen. Für den neuen Kunst-Guide, der gerade entsteht. Aber kurz geht bei Daniel nicht. Weil er viel zu sagen hat. Viel zu zeigen hat. Und das Atelier ist gerade einer der spannendsten Orte der Stadt, find ich.

Deshalb zeig ich euch jetzt ein paar Fotos. Kommt mit! Und schaut in Daniels Atelier am Minoritenplatz in Stein vorbei. Das ist eine absolute Empfehlung.

Das ist eines seiner Lieblingsbilder, sagt Daniel. kann ich verstehen.
Das ist eines seiner Lieblingsbilder, sagt Daniel. Kann ich verstehen.
Im Atelier finden die unterschiedlichsten Dinge harmonisch zusammen. Und weil die Decke so niedrig, so gekrümmt und so alt ist, sind die Lampen einfach unten.
Ja, es gibt auch Blumen.
Ja, es gibt auch Blumen.
Ein echter Daniel Domaika. Gezeichnet in gefühlten zwei Sekunden. Vielen Dank!
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Stark, diese Köpfe.
Die Keramik-Hunde sind älter als Goofy. Und wackeln schon seit rund hundert Jahren ihre Runden.
Die Keramik-Hunde sind älter als Goofy – und wackeln schon seit rund hundert Jahren ihre Runden.
Die gelbe Banane kennt man ja. In Stein gibt es eine rote Chili-Banane.
Die gelbe Banane kennt man ja. In Stein gibt es eine rote Chili-Banane.
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Die Oma ist ganz wichtig für Daniel. Schließlich ist er bei ihr und seinem Großvater aufgewachsen. Er widmet sein Atelier „allen Großmüttern dieser Welt.“ Und hat seine ins Logo gepackt.
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Weinbar. Schank. Und gezeichnete Fliesen.
Viele besondere Ecken.
Viele besondere Ecken.
Ein echter Baske trägt Mütze. Daniel an seinem Platz im Atelier.
Ein echter Baske trägt Mütze. Daniel an seinem Platz im Atelier.

Schluss mit meinem Rundgang.
Es gibt noch so viele Ecken mehr zu entdecken.
Aber das macht ihr am besten selbst. Viel Spaß!

Noch mehr Tipps für euer Wochenende in Krems gibt’s hier. 

Warum die Aida in Krems Wilhelm heißt

Kennt ihr diese Orte? Die sich irgendwie echter anfühlen als andere. Das Café Wilhelm an der Kremser Ringstraße ist so einer für mich. Vielleicht hat es mit den Menschen zu tun, die diesen Orten ihren Stempel aufdrücken. Mit „Seele“. Und im Falle dieses Cafés hat es mit Renate Goll zu tun, der Besitzerin. Sie steht jeden Tag im Geschäft – und ist dafür verantwortlich, dass das Interieur zum Großteil noch original ist. Original 60er. Entworfen von dem Architekten, der auch die Wiener Aida-Filialen geplant hat. Rudolf Vorderegger. Deshalb gibt’s im Wilhelm noch diese Fliesen. Und diese Stühle. Und diese Tische.

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Und auch sonst hat sich in den letzten Jahrzehnten wenig verändert. Das Angebot ist kleiner geworden. So wie die Nachfrage. Kaum jemand, der noch die Bonbonniere im Café kauft. Es gibt sie trotzdem.  Genauso wie Columbia Kaffee. Der Marke und der Mischung – „der teuersten“ – ist Renate  Goll treu geblieben. Schmeckt mir. Und dazu kann man sich sein ganz individuelles Frühstück zubereiten lassen. Ein Butterkipferl. Oder doch ein Schinkensemmerl? Keine Frühstücks-Superkombis weit und breit. Nur das ganz Klassische. Was für eine schöne Abwechslung. Mit etwas Nostalgie und ganz vielen Tageszeitungen. Zum Kaffee die Frage, welche es denn sein darf. Ein Moment der Entschleunigung. Starbucks-Antithese. Hier bekommt man Lust zu schauen. Nicht mit gesenktem Blick ins Smartphone. Sondern vielleicht zu den Stammgästen, die hier vereinzelt sitzen. Oder auf die Details, die man sieht, wenn man genauer schaut.

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Besitzerin Renate Goll mit dem Bild ihrer Mutter, die damals am selben Platz Kaffee verkaufte.

Oder man kommt mit Renate Goll ins Gespräch. Die weiß viel von Krems, wie es früher war. Zu der Zeit, als zu dem Café noch viele Geschäfte mehr gehörten. Eine Bäckerei, eine Mühle, Greißlereien. “In der Bäckerei war immer Licht und Leben, besonders zur Weihnachtszeit. Als ich in der Früh zur Schule ging, bin ich durch die Backstube, durch die Körbe dampfender Semmeln. Das ist eine schöne Erinnerung.“

Lust auf einen Besuch? Montag bis Freitag ist von 6 bis 18:30 Uhr offen, Samstag von 6 bis 12 Uhr. Ringstraße 27.