Lucia Täublers Gespür für Krems

Ein Word-Rap mit Krems-Bloggerin Lucia Täubler aka diekremserin.

Am Sonntag, dem 22. Februar, steigt das nächste „Krems unter freiem Himmel“ im Stadtpark. Ein kleines, sehr feines Fest, das Lucia Täubler mit organisiert – und bei dem es auch diesmal wieder viel Neues gibt. Ich sag‘ nur „Griller“.

Das Projekt: toll. Deshalb: höchste Eisenbahn, Lucia besser kennenzulernen. Wir haben bei einer Tasse Tee im Stadtcafé Ulrich gerappt. Wörter und Begriffe soweit das Auge liest. Wie es sich für zwei Bloggerinnen gehört.

Voilà:

  • Lieblingsstadt (Krems gilt nicht!): Dublin.
  • Musik: Starke Frauenstimmen.
  • Das beste Ausflugsziel rund um Krems: Grafenegg.
  • 3 Begriffe zu Krems: Kunst. Kulinarik. Gemütlichkeit.
  • 3 Begriffe zu Lucia: Kommunikativ. Inspiriert. Ideenreich.
  • Wein oder Bier: Wein.
  • Espresso oder Cappuccino: Espresso.
  • Pc oder Mac: Mac.
  • Ö3 oder FM4: FM4.

Mit wem würdest du gern einmal essen gehen?
Da gibt’s viele … Morgan Freeman … weil er immer sympathische Rollen spielt.

Das Verrückteste, das du je gemacht hast?
Ein Roadtrip an der Ostküste der USA – mit dem Zug, alleine, eineinhalb Monate lang.

Welcher kulinarischen Versuchung kannst du nicht widerstehen?
Einem guten Steak (medium).

Hast du Vorbilder?
Meine Mama. Weil sie immer so lebt, wie es für sie passt.

Was suchst du in Google am öftesten?
Definitionen … ich nütz‘ es wie ein Lexikon … und lande dann doch immer auf Wikipedia.

Was bestellst du beim Heurigen?
Halb Käse/halb Rohschinken. Und in der Wachau einen Marillenspritzer.

Was hast du immer im Kühlschrank?
Milch. Und gerade dann, wenn sie aus ist, kommt der Appetit auf Kaiserschmarrn …

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… und weil wir gerade bei Milch sind. Mit der kocht Lucia auch Porridge. Beim Frühstücksprojekt im Lösshof in Großriedenthal. Ihrem Heimatort. Jeden Sonntag kann man hier sehr nett den Tag beginnen. Auf alten Kinosesseln. Mit Käse von Robert Paget. FELIX-Kaffee. Und sonst noch sehr viel sehr gutem Zeug aus der Region. Das Birnen-Chutney war übrigens besonders toll. Und neben dem kleinen Frühstücksraum gibt es noch ein sehr originales Wirtshaus. So eines, in dem frau am Sonntag kurz vor 12 noch eine ziemliche Exotin ist. Weil reine Männerdomäne.

Es war ein Erlebnis. Danke, Lucia!

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Wie es eine New Yorker Klang-Künstlerin nach Krems verschlägt

Maria Chavez is „artist in residence“, staying for one month at the Eyblfabrik in Krems. Come with us – have a look into the studios. Get to know the sound artist and DJ Maria Chavez. She is working on a sound performance in the Minoritenkirche in March. That’s why she is collecting stones of the river Danube. How does Krems sound, Maria? „Smooth. Clean. Beautiful“.

Ganz oben sind sie, die fünf Ateliers in der Eyblfabrik. Und genau dort ziehen alle paar Monate Künstlerinnen und Künstler von überall aus dieser Welt ein. Für ein bis drei Monate. Das ist das „Artist-in-Residence“-Programm, kurz AIR. Eine Form von Stipendium für Kunstschaffende aller Sparten. Eine davon ist Maria Chavez, Sound-Künstlerin aus New York.

Also kommt mit, drehen wir eine Runde durchs Atelier. Und lasst euch erzählen, was Maria mit den Kieselsteinen vorhat, die sie an der Donaulände sammelt.

Maria Chavez bezeichnet sich selbst als „Sound Artist“. Soundkünstlerin. Klangkünstlerin. Was sie die ersten zwei Jahre ihres Lebens hörte? Fast nichts. Sie hatte Wasser in den Ohren, nahm ihre Umwelt nur als dumpfe Geräuschkulisse wahr. Erst in den USA kamen die Ärzte hinter das Problem. Davor war die Diagnose „retarded“. Verzögerte Entwicklung. Was für eine Fehleinschätzung. Und wie anders wäre das Leben von Maria Chavez verlaufen, wenn ihre Eltern mit ihr in Peru geblieben und nicht ausgewandert wären. Oder ist es genau umgekehrt. Und diese besondere Wahrnehmung, diese besondere Art, die Welt zu hören, war der Grundstein für diese Laufbahn. Für eine Karriere als Klangkünstlerin (und DJane und und und).

Denn sie ist ziemlich erfolgreich, diese Maria Chavez. Und ständig unterwegs zwischen New York, Berlin, London, Mexico City … da klingt Krems fast exotisch. Hier arbeitet sie bis Ende März als Artist in Residence. An einer Installation in der Minoritenkirche. Deshalb sammelt sie auch an der Donau Kieselsteine. Diese wird sie dann bei einer Perfomance live zu „Sound Sculputures“ formen. Ob es vorher einen Plan gibt? „No, I’m an improviser. A professional improviser“. Dieses Erlebnis wird’s nur einmal geben. Und der Zufall wird eine große Rolle dabei spielen: „I believe in chance“.

Wie wird Krems klingen? Maria Chavez schwärmt von dem tollen Raum. Die Minoritenkirche, etwas ganz besonderes. Und der Kiesel, den sie gefunden hat: „smooth, clean, beautiful“. Ich bin gespannt. Der Termin steht bei unserem Gespräch noch nicht fest. Aber ich werd schauen, dass ich das hören kann.

UPDATE – Die Performance ist am Freitag, 20. Februar, 15 Uhr in der Minoritenkirche http://www.klangraum.at/

Wie sie Krems findet? Sie ist noch zu kurz da, um viel zu sagen. Aber zwei Dinge sind ihr aufgefallen. Dass die Autos hier vor den Zebrastreifen tatsächlich stehenbleiben, wenn jemand rübergehen will. Macht in NY niemand. Und: Die Bärte der Männer. Die würden selbst die Hipster im Norden Brooklyns, wo sie wohnt, vor Neid erblassen lassen. Na dann. Schätzen wir uns glücklich.

 

Originaler geht nicht. Na echt nicht.

Bei Museumswirt Franz Hofbauer zu Gast. Oder: Warum man beim Rindfleischkönig über die Formel der Antibaby-Pille stolpert.

Das Lokal ist eigentlich nicht erzählbar. Und sein Wirt nicht beschreibbar. Weil man Originale erleben muss. Und ein Original ist er wirklich, dieser Franz Hofbauer. Er kocht nämlich Rindfleisch. Und das seit 1975. Nicht immer dasselbe, keine Angst. Aber auf die gleiche Art und Weise. Nämlich eine besonders gute. Habe ich zumindest schon aus verschiedenen, kulinarisch vertrauenswürdigen Ecken gehört. Und wenn ich das nächste Mal hier im Museumswirtshaus bin, werde ich den Tafelspitz kosten. Spätestens im Frühling. Im „Natur Gastgarten“, hier kann man nämlich besonders schön sitzen.

„Es gibt zwei Leute, die Rindfleisch kochen können. Der Plachutta und der Hofbauer“, nicht unbescheiden, der Museumswirt. Gefällt mir. Dann also Rindfleischkönig der Wachau. Aber das ist noch nicht alles. Sammler ist er. Offensichtlich. Das Lokal, so übervoll, dass es schon wieder charmant ist.

Und es dauert nicht lange, dann schleppt Herr Hofbauer das Buch an. DAS Buch. 20 Jahre. Ein Stück Zeitgeschichte. Maler, Politikerinnen, Karikaturisten, ORF-Sprecherinnen, Wissenschaftler, Musikerinnen … Wer aller schon in dieses Gästebuch geschrieben, gezeichnet, gekritzelt, geklebt hat: toll.

Zum Beispiel Gottfried Helnwein, der „den besten Erdäpfelsalat“ lobt. Oder Alfred Hrdlicka, der sich in Spiegelschrift ins Gästebuch verewigt hat. Oder Manfred Deix und Gustav Peichl, die sich hier schon viele Nächte um die Ohren geschlagen haben dürften – so wie die Zeichnungen wirken … Oder Carl Djerassi, der Erfinder der Antibaby-Pille, der die Pillen-Formel ins Buch gezeichnet hat. Oder Christiane Hörbiger, die sich endlich über einen Nichtraucher-Bereich freut. Oder. Oder. Oder. „Viel Geld hat man mir schon für dieses Buch geboten“, erzählt Franz Hofbauer. Verkaufen? Nie. „Das gibt’s ja heute nicht mehr.“


Leute, lasst euch dieses Buch zeigen, wenn ihr zu Franz Hofbauer essen geht. Und tut’s bald. Denn das ist die traurige Seite dieser Geschichte. Das Museumswirtshaus wird Ende des Jahres zusperren. Weil an seinem Platz das Kunstmuseum NÖ gebaut wird. Aber bis dahin kann man das Gefühl noch erleben: Hier an einem Platz zu sein, den’s kein zweites Mal gibt.

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