Bloß kein Pils beim Pils.

Auf Austausch im Traisental. Oder: Wer im Gasthof Pils keinen Wein trinkt, ist selber schuld.

Was dieser Bericht mit Krems zu tun hat? Nicht viel. Außer dass ich mit einer Horde einschlägiger Kremser Weinkenner – mit dem Weinstammtisch – gemeinsam in den Bus gestiegen bin. Mission: interkultureller Austausch mit dem Traisental. Zielort: Rotheau. Rote was? Rotheau. Gesprochen: Rote Au. Ein 350-Menschen-Dorf 20 Minuten südlich von St. Pölten.

Mitten im Ort, da steht der Gasthof Pils. Und der ist aus zumindest drei Gründen erwähnens-, probierens- und besuchenswert.

Der erste Grund: Die Weinkarte mit den 57 Seiten.

Irgendwann hatte Herr Pils das mit dem Cola-Rot satt. Als er das Wirtshaus übernahm, stellte er um. Auf eine neue Karte. Und schön langsam auf diese Weinkarte (pdf), mithilfe derer man sich durch die bedeutendsten Weinbaugebiete Europas trinken kann.

Etliche Kostproben gingen, ach, durch unsere Kehlen. Ich fass kurz zusammen. Die Namen der Weine hab ich mir nicht alle gemerkt, die Lesbarkeit der Notizen lässt zu wünschen übrig. Aber hier kommen sie: die besten Kommentare der Connaisseure. Wirklich: die meisten davon waschechte Winzer oder vinophile Gastronomen.

„Weich wia a Perserteppich.“
„Maischestandzeit, hallo!“
„Der brennt dir die Zähne weg“
„Samtig wie eine Katze auf dem weichen Schnee“

 

Weinstammtisch. Bildungsstammtisch. Wenn dir ein Wein nicht schmeckt, du diese simple Aussage und deinen Status als TesterIn aber mit etwas Fach-Sprech aufwerten willst, dann sage: „Diesen Wein verstehe ich nicht.“ Killerargument. Wieder was gelernt.

Die meisten Weine hamma aber verstanden. Deshalb Empfehlung: Lasst euch von Vater und Sohn Pils beraten, wenn ihr dort seid. Dann wandern automatisch außergewöhnliche Tropfen in euer Glas.

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Grund zwei. Das gute Essen.

Husch weiter. Sonst wird die Lachsforelle kalt. Oder das Kalbries auf Risotto und Herbsttrompeten (W-O-W!). Oder der geschmorte Ox. Der kommt auf Püree daher, dessen Erdäpfel acht Stunden in der Selch‘ abgehangen haben. Wo gibt’s das denn?

Beim Pils kann man aber auch ganz bodenständig essen. Cordon Bleu. Grillspieß. Alle da!

Die Nachspeise, ein Dreier der besonderen Art. Quittensorbet. Topfennockerl. Schokoschnitte. Alles von der Oma zubereitet, das ist ihr Revier. Was uns hurtig zu Grund Nummer Drei bringt, warum man einmal beim Pils einkehren sollte …

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Grund drei: Uropa, Uroma, Oma, Opa, Vater, Mutter, Sohn & so

Der Gasthof Pils ist ein Familienbetrieb – und das finde ich immer etwas besonderes, wenn hinter gutem Essen eine nette Familie steckt. So ist es auch im Gasthof Pils. Leider sind mir die älteren Generationen kameratechnisch entwischt. Stellvertretend für alle: Sohn und Vater. Danke, es war ein toller Abend. Und ich weiß endlich, wo Rotheau ist!

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Rafael Pils und Karl Pils vom Gasthof Pils.

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Gasthof & Rasthof Pils.
Rotheau 6, 3153 Eschenau, Telefon (02762) 686 13, service@gasthof-pils.at

Öffnungszeiten
MO-DO 16-24 Uhr (Küche 17-21:30 Uhr)
an Feiertagen von MO-FR 11-16 Uhr (Küche 11-15 Uhr)

Zimmer gibt’s auch!

 

Der Stammtisch und die Spielwiese.

Ganz Niederösterreich ist vom Wirtshaussterben bedroht. Ganz Niederösterreich? Nein! Ein von einer unbeugsam engagierten Familie geführtes Wirtshaus in Senftenberg hört nicht auf Widerstand zu leisten. Kommt mit zum Schlapfnwirt. Da ist jetzt Musikantenstammtisch. So wie jeden zweiten Samstag im Monat. Dazu gibt’s ein paar gute Achteln und frisch gezapftes Bier. Los geht’s!

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Stopp. Rückspultaste. Der Schlapfnwirt ist eigentlich kein klassisches Wirtshaus. Vielleicht ist ja auch das ein Erfolgsgeheimnis. Offen hat er nämlich nur abends und am Sonntag zum Frühschoppen. Essen gibt’s ganz reduziert, heute saure Sulz. Richtig gekocht wird zu besonderen Anlässen. Die Gans im November. Das Schwein beim Sautanz jeden letzten Donnerstag im Monat. Daneben und dazwischen viele Veranstaltungen, an denen nicht nur ausgelassen gekocht, sondern auch vorzüglich gefeiert wird. Next big thing: Wintersonnenwende am So, 20. Dezember.

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Steht es euch mit ihnen gut: Oliver und Günther schenken heute ein.

Das Wirtshaus ist eng mit der Familie Braun verbunden. Vielleicht Erfolgsgeheimnis Nummer Zwei. Jedes Familienmitglied trägt einen Teil bei. Der Vater macht den Hauswein und sitzt am Akkordeon – Entschuldigung – der Quetschn. Die Mutter steht in der Küche und macht … ja was eigentlich?  „Schickimicki kann ich nicht. Ich koch‘ Hausmannskost“. Sohn Günther korrigiert: „Mama, das ist keine Hausmannskost. Das ist verfeinerte Wirtshausküche“. Gut, nehm’ma das! Egal, wie man’s definiert, es schmeckt wunderbar.

Was einen guten Wirt ausmacht, frage ich Günther, einen von fünf Brüdern. Alle haben andere Brotberufe, aber für die meisten ist das Wirtshaus eine Spielwiese, auf der sie was ausprobieren, miteinander schöne Feste auf die Beine stellen können. „Ein guter Wirt lässt den Gast nicht ang’lehnt, geht ihm aber trotzdem nicht auf die Nerven. Wirt sein heißt zuhören – was ich schon für G’schichten gehört habe. Aber es gilt: Die Verschwiegenheitspflicht des Wirtes geht über die des Pfarrers oder des Arztes.

Wirtshaus. Seismograph. Vielleicht kriegt man an so einem Abend am Stammtisch mehr über allgemeine Gemütszustände mit als in der Zeitung oder durch quantitative Umfragen. Da lernt man einerseits, dass viel von Eigeninitiative abhängig ist, wenn man was auf die Beine stellen will. Da geht’s aber auch um Themen, die nachdenklich machen. „Das klassische Politisieren im Wirtshaus gibt es nicht mehr. Das hat sich radikalisiert, ist in eine depressive Grundstimmung gekippt. Und irgendwie hat die Alltagsraunzerei, die uns Österreichern ja als Charaktereigenschaft zugeschrieben wird, nichts mehr Charmantes …“, sagt der Wirt.

Mmh. Trotzdem: Die Institution Wirtshaus ist was Gutes. Was, wenn’s das nicht geben würde? Wenn’s richtig funktioniert, schafft es das Wirtshaus nämlich, dass Alt und Jung an einem Tisch sitzen. Dass die Leute miteinander reden. Und das ist zumindest eine Basis. Und das geht beim Schlapfnwirt besonders gut.

One more thing. Das Über-Drüber-Ding kommt nämlich jetzt. Ich habe versucht, Frau Braun das Rezept ihrer legendären „Gummler“, der Erdäpfelknödel, abzuluchsen. Vergesst Gramm und Deka. Ihr kocht so ein Reindl Erdäpfel wie auf dem Foto da unten. Presst sie heiß – wirklich  heiß! – und vermischt sie mit einem Packerl Erdäpfelmehl, einer Handvoll griffigem Mehl und ein bissl Salz. Knödel Formen, in Mehl wälzen, ab zum Schwimmkurs. 20 Minuten. Mahlzeit!

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Schlapfnwirt, Unterer Markt 44, 3541 Senftenberg.
Öffnungszeiten: Di-Sa ab 18 Uhr, So 10-12 Uhr.
Aktuelle Veranstaltungen auf der facebook-Seite.

 

 

 

Ein Grammelknödel ist ein Grammelknödel

… ist ein Grammelknödel. Ein Lokal-Augenschein im neuen Esslokal in Hadersdorf.

„Ehrliche Wirtshausküche“ will sie machen. Miriam Laister, seit Oktober Herrin ihres eigenen Herds. Gemeinsam mit ihrem Partner Sebastian Pesau hat sie das leerstehende Spoerri-Lokal am Hadersdorfer Hauptplatz übernommen. Ehrlich – das heißt für die beiden: Ein Grammelknödel ist ein Grammelknödel und eine Rindsroulade eine Rindsroulade. „Kein Chichi. Aber Gerichte auf gehobenem Niveau“. Das können die beiden – ich habe für euch getestet. Manchmal ist so ein Bloggerinnen-Dasein hart: Hühnerleberpastete mit Brioche, Topinambur-Cremesuppe, das Grammelknödel und eine wahnsinnig gute Nachspeise gingen im Esslokal schon durch meinen Gaumen. Alles nur für euch. Alles stimmig. Alles hintereinander ein Grund, sich auf die Couch für einen Verdauungsschlaf zurückzuziehen.

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Zurück zu Sebastian und Miriam. Die beiden haben dutzende Stationen hinter sich. Sie: LATE, Holzapfel, Hutter, Woracziczky. Er: Fabios, Plachutta, 2 Wochen (!) Steirereck, Kurz an der Hülben – und dann auch Hutter. Dort haben sich die beiden kennengelernt und irgendwann beschlossen: Entweder es wird das eigene Lokal oder es ist Schluss mit Gastro.

Es wurde ersteres. Obwohl auch das Zufall. Denn eigentlich hatten die beiden eine Absage kassiert, weil schon eine andere Pächterin für das Esslokal gefunden war. Drei Wochen später dann das unerwartete SMS mit der Frage, ob die beiden noch interessiert wären. Waren sie. Ein Monat später wurde aufgesperrt.

Bei meinem Besuch durfte ich nicht nur in die Küche, sondern ins ganze Lokal. Und das ist für sich schon eine Reise wert. Denn übervoll mit den Kunstwerken von Daniel Spoerri. Gleich gegenüber sein Ausstellungshaus, das übrigens auch sehr sehr sehenswert, bis März allerdings in der Winterpause ist.

Kunst. Essen. Fehlt noch eine wesentliche Komponente der Hadersdorfer Genuss-Triade. Nämlich der Wein. Und der kommt im Esslokal aus allen Richtungen. „Das Tolle ist, dass wir hier mittendrin sind. Wachau, Wagram, Krems-, Kamp- und Traisental“, erzählt mir Sebastian und schenkt eine Vertikale ein – denn das ist schließlich auch ein Bildungsausflug. Und eine Vertikale, so habe ich gelernt, ist eine Verkostung des gleichen Weines in verschiedenen Jahrgängen. In unserem Fall ein Riesling vom Weingut Hirsch. Da war ich doch echt schwer am Überlegen, ob meine Hand zuerst Richtung Weinglas oder weißen Schokobrownie steuern soll …

Schön, dass das Esslokal wieder bespielt wird! Weil es so ein besonderer Platz ist. Seit kurzem wieder mit besonders gutem Essen.

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Esslokal
Mo: 11 – 14 und 17.3o – 22 Uhr
Di & Mi: Ruhetag
Do-Sa: 11 – 22 Uhr
So & Feiertag: 10 – 17 Uhr